LEUTE - Wolfram und Gernot Bohnenberger bezaubern als »Junge Junge!« ein internationales Publikum

Magie made in Reutlingen: »Junge Junge!«

Von Roland Hauser

REUTLINGEN. New York in den 1920er-Jahren: Ein englischer Gentleman gerät an einen schlitzohrigen Schuhputzer, der ihn mit Messern malträtiert und zeitweise völlig kopflos erscheinen lässt…

Wolfram (links) und Gernot Bohnenberger alias »Junge Junge!« offerieren »Zauberkunst im Doppelpack«. FOTO: PR
Wolfram (links) und Gernot Bohnenberger alias »Junge Junge!« offerieren »Zauberkunst im Doppelpack«. FOTO: PR
Dass es dennoch ein Happy End gibt, liegt einzig daran, dass es sich bei den beiden Protagonisten um Magier handelt: Gernot und Wolfram Bohnenberger, die unter dem Künstlernamen »Junge Junge!« von Reutlingen aus »die ganze Welt verzaubern«, wie eine überregionale Zeitung es formuliert hat.

Die zauberhafte Geschichte vom »Englishman in New York« war einer von zwei Beiträgen der »Weltmeister der allgemeinen Magie« zum GEA-Jubiläumsfestakt am 16. November in der Stadthalle. Mit ihrer Erzählweise, bei der Gernot Bohnenberger (44) und sein jüngerer Bruder Wolfram (41) ihre Zaubereffekte harmonisch in eine Geschichte betten, haben sie in den 1990er Jahren »ordentlich für Furore gesorgt, weil es bis dato in der Zauberkunst die szenische Magie gar nicht gab«.

Zauberei, das sei zuvor »immer nur Hasen aus dem Zylinder oder Manipulation mit Karten« gewesen. Das neue Format war darüber hinaus gespickt mit originellen Effekten: Die Szene, in dem der Gentleman nach einer 360-Grad-Drehung des Kopfes plötzlich ganz ohne selbigen dasitzt und dennoch genüsslich Pfeife raucht, sei »in dieser Kombination weltweit einmalig«, versichern »Junge Junge!«. »Selbst David Copperfield hat vergeblich versucht, das nachzumachen«, erzählt Gernot Bohnenberger.

»Wir hatten sehr schnell viel Erfolg und räumten fast alle Preise ab«
 

Aufgewachsen sind die beiden Brüder am Bodensee, in Radolfzell. An der Zauberei fanden sie letztendlich durch ihren Vater Gefallen, »der uns hin und wieder bei Kindergeburtstagen kleine Zaubertricks vorgeführt hat – und das schon immer so genial verpackte, dass es uns interessiert und begeistert hat«. Die Mitwirkung in der Theater-AG der Schule und das musisch-kulturelle Interesse, das ihnen die Eltern mit auf den Weg gaben, taten ein Übriges. Mithilfe eines Zauberkollegen landeten Gernot und Wolfram Bohnenberger schließlich im »Magischen Zirkel von Deutschland«.

Dessen Vizepräsident habe sie »entdeckt und als Talente gefördert«, sagt Gernot Bohnenberger, und nach der ersten Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb 1996 »hatten wir auch sehr schnell viel Erfolg und räumten an Preisen so ziemlich alles ab, was es in der Zauberszene zu gewinnen gibt«.

Bis heute sind »Junge Junge!« die ersten und nach ihrem Kenntnisstand einzigen Zauberkünstler, die von den Weltstars Siegfried und Roy in Las Vegas zeitgleich mit zwei Preisen bedacht wurden: dem »Magic Master of Originality« und dem »Sarmoti-Award«.

Schmunzelnd erzählen die beiden Wahl-Reutlinger – Wolfram seit 2006, Gernot seit 2009 –, wie es dazu kam und wie stolz sie waren, zu einem Zauberwettbewerb eingeladen worden zu sein, dessen Hauptpreis, den »Golden Lion Head Award«, regelmäßig ein Amerikaner gewann. Auch 1997, nämlich James Dimmare – »ein großes Vorbild von uns«, wie Wolfram Bohnenberger bekennt.

»Selbst David Copperfield versuchte vergeblich, das nachzumachen«
 

»Junge Junge!« sicherten sich den ersten Preis im kleineren Wettbewerb, den »Magic Master«, doch Siegfried und Roy hatten den Auftritt der Deutschen selbst miterlebt – auch, wie das Publikum die beiden feierte, mehr noch als den siegreichen Amerikaner. Deshalb lobten die Organisatoren während der Verleihung einen weiteren, mit dem »Lion Head« gleich dotierten Preis aus und verliehen ihn den Bohnenberger-Brüdern: den »Sarmoti-Award«, der seither »meistens an Europäer für besonders originelle, wegweisende Acts vergeben wird«.

Studiert hat Gernot Bohnenberger Medizin – zunächst in Göttingen, dann in Tübingen –, und eine Zeit lang auch praktiziert. Wolfram Bohnenberger ist Diplom-Ingenieur und hat in Stuttgart Architektur studiert. Ihn verschlug es per Zufall nach Reutlingen, weil sowohl die Immobilienlage als auch die schulische Situation den privaten Vorstellungen entsprach.

Wenig später zog Gernot Bohnenberger ebenfalls in die Achalmstadt, deren Lage – die Nähe zur Alb und zum Flughafen – er ebenso schätzt wie das kulturelle Angebot oder die Einkaufsmöglichkeiten. Außerdem bringe die Nähe zum Bruder natürlich Vorteile, wenn es darum geht, etwas zu besprechen oder Auftritte einzustudieren.

»Wir wohnen nicht Haustür an Haustür«, sagt Gernot Bohnenberger, »aber die Wege sind kurz. Wir fühlen uns hier sehr wohl, beheimatet und in der Region gut aufgehoben.«

Wolfram Bohnenberger hat mit seinem Sohn zusammen vor zwei, drei Jahren das Klettern entdeckt; Gernot und er spielen – »ein gemeinsames Hobby aus Jugendzeiten« – Tischtennis im Verein, dem FC Reutlingen. Wenn es die zahlreichen Auftritte im In- und Ausland zulassen, derzeit schwerpunktmäßig im Business-Bereich und hauptsächlich im deutschsprachigen Raum.

Ob sie in Las Vegas auftreten oder in der Reutlinger Stadthalle – »da machen wir keinen Unterschied«, sagt Wolfram Bohnenberger: »Jeder Auftritt hat seine Qualität. Er kommt auf die Menschen im Publikum an, die einen schönen Nachmittag oder Abend erleben möchten – und dann wir es auch richtig gut.«

»Sprache, Musik und visuelles Erlebnis stehen im Einklang«
 

Was sie auszeichne, bringt Gernot Bohnenberger das Erfolgsgeheimnis auf den Punkt, sei, »dass wir Bilder in den Köpfen unserer Zuschauer schaffen können, die auch emotional belegt sind und die nachhaltig wirken und das mit reduzierten Mitteln.« Und so erlebten auch die Besucher des GEA-Festakts bei der Schlussnummer, wie Wolfram Bohnenberger mit dem »Haus des Lebens« – einem vermeintlich simplen Puzzle aus Bauklötzchen, die »immer in denselben Rahmen passen« – die Zuschauer fünf Minuten lang fasziniert, »weil Sprache, Musik und visuelles Erlebnis im Einklang stehen«.

Den Beweis dafür, dass dies auch kulturübergreifend funktioniert, hat eine Dolmetscherin erbracht, die den Text einst fürs koreanische Fernsehen übersetzte. Als sie ihn gelesen habe, gestand sie, habe ihr das »Gänse auf die Haut gemacht«. (GEA)

Made in Reutlingen


Mit einem kurzweiligen Showprogramm hat der GEA am 16. November sein 125-jähriges Bestehen in der Stadthalle gefeiert. Unter dem Motto »Made in Reutlingen« haben es junge Talente und Profikünstler aus der Region gestaltet, die wir unseren Lesern in loser Folge zum Abschluss des Jubiläumsjahres näher vorstellen. (GEA)

»An Englishman in New York«: Was einem britischen Gentleman alles widerfahren kann, wenn er in die Fänge eines listigen Schuhputzers gerät, zeigten »Junge Junge!« am 16. November beim GEA-Festakt zum 125-Jahr-Jubiläum. ARCHIVFOTO: MEYER
»An Englishman in New York«: Was einem britischen Gentleman alles widerfahren kann, wenn er in die Fänge eines listigen Schuhputzers gerät, zeigten »Junge Junge!« am 16. November beim GEA-Festakt zum 125-Jahr-Jubiläum. FOTO: Jürgen Meyer

125 Jahre GEA: Junge Junge!


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