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14.09.2017

Kultur - Benutzung von Lautsprechern und Verkauf müssen genehmigt werden. 20 Minuten für einen Standort

Reutlingen

Lockere Spiel-Regeln für Straßenmusiker in Reutlingen

REUTLINGEN. »Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.« Das gilt auch für Straßenmusik. Ob schräg, ob virtuos: Wilhelm Busch werden vor allem diejenigen recht geben, für die es kein Entrinnen vor den »Geräuschen« gibt. Anwohner oder Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz entlang der Fußgängerzone haben, können ein Lied davon singen: Straßenmusik kann mächtig nerven. Doch es gibt Regeln. »Würden sich die Musiker dran halten, gebe es weniger Konflikte«, sagt Ordnungsamts-Leiter Albert Keppler.

An Straßenmusik scheiden sich die Geister: die einen nervt’s, die anderen lauschen ihr gerne.
Grundsätzlich begrüße die Stadt Straßenmusik, betont Keppler. »Das ist ein Zeichen von Urbanität.« Straßenmusiker gehen nur dorthin, wo viele Menschen unterwegs sind. Und sie tragen dazu bei, die Innenstädte lebendig zu machen, sagt der Ordnungsamtsleiter. »Wir sehen das nicht mit der Problembrille, sondern freuen uns zunächst mal, dass die uns wahrnehmen als Stadt und Flaniermeile - das ist ja schön.«

Nach 20 Minuten Ortswechsel

Unschön kann es aber werden, wenn jemand zu lange an einer Stelle die Menschen mit seiner Musik zwangsbeglückt. Vor allem dann, wenn die musikalische Darbietung laut und eher »dürftig« ist, wie es Albert Keppler höflich umschreibt. Nicht eben beliebt, so seine Beobachtung, sind deshalb Drehorgelspieler - schon gar nicht, wenn sie die Töne nicht richtig treffen. Auch Didgeridoo-Spieler stehen beim Reutlinger Publikum nicht wirklich hoch im Kurs.

Passanten können die Flucht ergreifen. Anwohner oder Beschäftigte nicht. »Die sind in einer ausweglosen Situation.« Deshalb gilt in Reutlingen die Regel: Nach 20 Minuten muss der Straßenmusiker an einen »deutlich« anderen Standort gehen. Ist der Kommunale Ordnungsdienst in der Innenstadt unterwegs, weist er die Musiker darauf hin. Aktiv wird er auch bei Beschwerden. Nutzt alles nichts, könnte er eine Ordnungswidrigkeit verhängen.

Die Dauer des Auftritts kann die Stadt reglementieren, die Qualität der Straßenmusik nicht. Will sie auch gar nicht. »Wenn jemand jämmerlich spielt, kommt nicht gleich die Musikpolizeibehörde.« Einfluss zu nehmen sei völlig unnötig, sagt der Ordnungsamtsleiter. »Das regelt sich von selbst. Wenn's den Leuten gefällt, klappern die Münzen.« Wer nichts Gutes abliefere, gehe leer aus - und komme nicht wieder.

Ob künstlerisch wertvoll oder ganz banal: Die Beiträge der mobilen Musiker sind als »Teil des straßenrechtlichen Gemeingebrauchs« definiert. Klingt kompliziert, hat aber die simple Folge, dass es keine Erlaubnis braucht. Setzt ein Straßenmusiker dagegen einen Verstärker ein, verkauft CDs oder andere Gegenstände, fallen seine Aktivitäten in die Kategorie »Sondernutzung« und müssen genehmigt werden.

Im Vergleich zu anderen Städten sind die Spiel-Regeln für Straßenmusiker in Reutlingen recht locker. In Tübingen beispielsweise bekommen Straßenmusiker festgelegte Standorte zugewiesen. Sind die Plätze schon belegt, muss der Musiker wieder abziehen. Auch die Zeiten sind in der Unistadt reglementiert.

Laut und störend

Damit nicht genug: Tabu sind »laute und störende« Instrumente. In der Verbotsliste tauchen unter anderem Trompeten, Posaunen, Saxofon, Drehorgel oder Dudelsackpfeife auf. Auch Konstanz schreibt Orte und Zeiten vor. Ebenso die Zahl der Musiker, mehr als zwei dürfen nicht auftreten. Noch kniffliger wird's für Straßenmusikanten in Ulm. Dort sind nicht nur die Zeiten - samstags zum Beispiel von 10 bis 13 Uhr - festgelegt, sondern sogar die Anfangszeiten: Loslegen dürfen sie nur zur vollen oder zur halben Stunde. Nach 15 Minuten müssen sie die Instrumente wieder einpacken.

Dass andere Städte Straßenmusik strenger handhaben, erklärt Keppler damit, dass dort »vielleicht die Musikszene stärker ausgeprägt ist«. In Reutlingen sehe man sich jedenfalls nicht veranlasst, die Regeln zu verschärfen oder die Zeiten für die Auftritte von Straßenmusikanten zu begrenzen. »Wir halten die gesetzlichen Ruhezeiten für ausreichend, da ist auch die Mittagsruhe drin.« (GEA)

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