Live-Nacht - Die Kneipen der Stadt werden erneut zur musikalischen Bühne: Tausende Besucher sind wieder mit dabei
Live-Nacht Reutlingen: »Die Party läuft!«
Von Carina Stefak
REUTLINGEN. Ein echter Hingucker, dieser Generationenunterschied. Wenn Live-Nacht ist, gehen sie alle aus - die Jungen, die Alten und alle dazwischen. Jeder findet seine Zielgruppe, seine Kneipe und seine Musik. Wenn sich aber Jung und Alt treffen, werden schon mal Blicke getauscht - bewundernde und schockierte auch. Denn man hat sich rausgeputzt.
Auch bei der sechsten Auflage der Reutlinger Live-Nacht heizen die Bands ihrem Publikum ein und in einigen Locations bleibt keiner mehr sitzen.
FOTO: Markus Niethammer
Vor allem die Älteren kommen flott daher und so bewegen sie sich auch. Der Jugend ist das schonmal peinlich, denn während sie sich tänzerisch zurückhält, zeigt die Generation ihrer Eltern, was es heißt, so richtig abzurocken: Arme, Beine, Nacken, Kopf - alles wird in Bewegung gebracht. Immer zum Rhythmus der Musik, im »Alexandre« etwa zu Oldie Pop. Raum zum Tanzen schafft man sich, trotz beengter Platzverhältnisse. Blondie lässt die Mähne fliegen, Schatzi hält sich an ihr fest. Die Hüfte kreist, der Hintern wiegt sich - und die Jugend flüchtet nach draußen. Weniger voll, weniger eng, weniger heiß ist es dort; zum Unterhalten und Flirten angenehmer. Schnell ist klar: Für viele Jungen spielt die Musik höchstens die zweite Geige - man ist in der Stadt, weil's die Clique ist.
Bereits um 22 Uhr ist fast überall was los. Massenauflauf etwa im »Joli«. Gaumen und Magen sind befriedigt, jetzt wollen die Gäste was auf die Ohren. Auch die Bar ist »voll bis hinten«, sagt ein Mann - und entschließt sich, zu gehen. Gruppenkuscheln auch bei der Kaiserhalle. Dabei hatte ihr Chef Wolfgang Kohla, der als Mitglied der Reutlinger Gastro Initiative (RGI) auch Mitorganisator der Live-Nacht ist, zu Anfang des Abends noch Sorge wegen des Wetters. »Ich hab den Donner schon grollen gehört, als ich um halb acht hergefahren bin«, meint er. Alles halb so wild, wie sich zeigt. Gegen 23 Uhr stellt er anerkennend fest: »Die Party läuft!« - und grinst zufrieden.
Gediegener geht's im »Oscar's« zu. Dort gibt's Akustik von »Who Knows«: Man trinkt was, unterhält sich und wippt höchstens zaghaft zur Musik. Die Stimmung ist gut, aber manch einer denkt schon weiter - und schaut sich nach Alternativen um. Eifrig studieren Peter Wasgindt und Yannick Bamberg den Flyer mit der Übersicht. »Ich weiß, wo ich später noch lande«, sagt Wasgindt, den es zum Rock ins »Frankies« zieht. Das passt auch für den 22-jährigen Neffen, die Geschmäcker sind hier ähnlich.
Entspannung und Gemütlichkeit wiederum im »Zucca«: Man sitzt mit Freunden oder Bekannten, schlürft einen »Spritz« oder ein Glas Weißwein und lauscht den ruhigeren Jazztönen von »Love Jones«. So klingt der Abend langsam aus - gegen 1.30 Uhr setzt Regen ein. Nur im »Nürtinger Hof« ist man, wie die Band, »Rough enough« und denkt noch lange nicht ans Schlafen.
Von Letzterem hat Jörg Ottmar (RGI) nicht viel abbekommen. Bis in die Morgenstunden war er auf den Beinen. Noch etwas geschafft zieht der Mitorganisator seine Bilanz zur sechsten Live-Nacht-Auflage: »Die Stimmung war super - und um halb sieben sah die Stadt ganz gut aus«, sagt Ottmar und lobt die Reutlinger Stadtreinigung. (GEA)
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