Abschied - Gut 800 Besucher kommen zur letzten Waldweihnachtsparty der »Waldesslust« im Wasenwald

Letzte Waldweihnachtsparty der »Waldesslust«

VON JÜRGEN SPIESS

REUTLINGEN. Alle Jahre wieder, aber dieses Jahr voraussichtlich zum letzten Mal: Sicher ist, dass das Gasthaus »Waldesslust« zum Jahresende schließt, da das Naturtheater das Gebäude zukünftig selbst nutzen will. Zum Abschied gab es noch mal die kultige Vorweihnachtsparty mit den Jahresendfiguren im Waldesslust-Biergarten. Gut 800 Feierwütige tanzten und sangen am Tag vor Heiligabend zu den verrockten Weihnachtsliedern der Reutlinger Band.

Legendäre und letzte Waldweihnachtsparty der Waldesslust mit der Reutlinger Rockband Jahresendfiguren:  Zum Abschied kamen rund 800 Leute in den Wasenwald.FOTO: SPIESS
Legendäre und letzte Waldweihnachtsparty der Waldesslust mit der Reutlinger Rockband Jahresendfiguren: Zum Abschied kamen rund 800 Leute in den Wasenwald.FOTO: SPIESS
Eigentlich läuft der Pachtvertrag zwischen dem langjährigen Waldesslust-Pächter Thomas Wilke und dem Naturtheater erst im September 2018 aus. Aber nachdem sein Koch einen anderen Job gefunden hatte und es fast aussichtslos schien, für die verbleibende Zeit einen Ersatz zu finden, beschloss Wilke, den Betrieb bereits zum Jahresende einzustellen. Darüber ist der Pächter keineswegs glücklich und wäre gerne weiterhin Gastgeber im Wasenwald geblieben. Doch das Naturtheater braucht die Räumlichkeiten als Ausweichquartier, da die schon lange geplante Renovierung des Vereinsheims ansteht. Den Eigenbedarf hat das Naturtheater bereits vor längerer Zeit bei Thomas Wilke angekündigt, um dem Pächter genügend Zeit zu geben, ein neues Domizil zu finden.

»Ich bin noch auf der Suche nach einem neuen Objekt«
 

Doch bisher hat Wilke noch keinen adäquaten Ersatz für die Waldesslust gefunden: »Ich bin noch auf der Suche nach einem neuen Objekt«, so der bisherige Pächter beim Weihnachtskonzert, »aber wenn sich kein gleichwertiger Ersatz findet, kann ich mir auch vorstellen, etwas ganz anderes zu machen«, lässt Wilke durchblicken. Als letzter Öffnungstag wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag das lange vorher ausgebuchte Weihnachtsbüfett durchgeführt und Anfang Januar plant Wilke, die Waldesslust noch mal für einen Tag zu öffnen, um Mobiliar, Geschirr, Besteck sowie das Küchen-Equipment zu verscherbeln. Danach bleibt die Waldesslust endgültig geschlossen und wird auf unbestimmte Zeit vom Naturtheater genutzt. Ob und wann das Gasthaus wieder bewirtet wird, ist derzeit ungewiss.

Umso mehr Gäste wollen einen Tag vor Heiligabend noch mal richtig die Sau rauslassen und die Waldesslust gebührend verabschieden. Bereits kurz nach 19 Uhr ist der Biergarten vor dem Gebäude mit so vielen Menschen gefüllt, dass ein kurzzeitiger Einlassstopp verhängt wird. Es ist so voll, dass man es fast nicht bis zur Bühne schafft, auf der die fünf Musiker der »Jahresendfiguren« stehen und ihre Gäste mit verrockten Weihnachtsliedern auf das christliche Fest einstimmen.

Seit acht Jahren spielen die als Weihnachtsmann, Engel, Rentier, Knecht Ruprecht und illuminierter Weihnachtsbaum verkleideten Mannen um Sänger und Gitarrist Jörg Launer immer einen Tag vor Heiligabend auf und schaffen es binnen kurzer Zeit, den größten Weihnachtslieder-Chor Reutlingens zu mobilisieren.

Live rufen Gründungsmitglied Joachim Baumann (Drums), Ulli Krack (Gitarre und Trompete), Christian Mladenovic (Keyboard), Wieland Braunschweiger (Bass) und Jörg Launer (Gesang und Gitarre) die altbekannten Weihnachts-Klassiker mit viel Drive und Spielfreude ab. Lieder wie »Alle Jahre wieder«, »Was soll das bedeuten« oder »Stille Nacht, heilige Nacht« klingen bei dem kuriosen Quintett ebenso an wie »Last Christmas«, »Süßer die Glocken nie klingen« und »Die heil'gen drei Könige«. Während die Texte nahezu originalgetreu verwendet werden, sind die Melodien zum Teil verfremdet und in verschiedenen Stilrichtungen der populären Musik aufbereitet.

Das sorgt für gnadenlos gute Stimmung unter den Besuchern im Biergarten und führt zu wahren Mitsing-Happenings. Schon nach wenigen Stücken gibt es kaum noch einen Mundwinkel im Publikum, der sich bei den kultig aufbereiteten Weihnachtsliedern nicht automatisch nach oben zieht. (GEA)



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