Reutlingen
Leukämie - Bei einer Typisierungsaktion soll ein Stammzellspender für die zwölfjährige Karolin gefunden werden

Lebensretter dringend gesucht

Von Elke Schäle-Schmitt

REUTLINGEN. Karolin hatte Leukämie. Ende 2006, kurz nach ihrem neunten Geburtstag, ist die Reutlingerin daran erkrankt. Nach einem monatelangen Chemotherapie-Marathon galt sie als geheilt - doch nur für ein gutes Jahr. Vor wenigen Wochen wurde ein Rückfall diagnostiziert.

Hoffen auf möglichst viele Teilnehmer bei der Typisierungsaktion für Karolin: Bettina Klingler, Maria Kostoglou, Uwe Klingler und Konrad Stöhr.
Hoffen auf möglichst viele Teilnehmer bei der Typisierungsaktion für Karolin: Bettina Klingler, Maria Kostoglou, Uwe Klingler und Konrad Stöhr. FOTO: Elke Schäle-Schmitt
Karolin hat Leukämie. »Jetzt geht das alles wieder los«, seufzt Bettina Klingler, die Mutter der Zwölfjährigen. Mit »das alles« meint die gelernte Arzthelferin Begleiterscheinungen wie Haarausfall oder Gewichtszunahme, vor allem aber die völlige Umstellung des Alltags: Statt mit ihren Klassenkameraden in der Schule zu büffeln, verbringt Karolin Tage und Wochen in der Tübinger Kinderklinik.

Hohes Infektionsrisiko

Wenn sie daheim im Storlach sein darf, sind ihre Kontakte zu anderen Kindern stark eingeschränkt; im Umgang mit Fremden muss sie einen Mundschutz tragen. Veranstaltungen und Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen, sind für sie tabu; das Infektionsrisiko ist einfach zu hoch. Für irgendwelche Hobbys fehlt dem früher so lebenslustigen Mädchen meist die Kraft.



Bei der ersten Erkrankung hat Karolin, damals noch Grundschülerin an der Freien Evangelischen Schule in Reutlingen, das alles mit einem trotzig-zuversichtlichen »Ich will leben« weggesteckt, erzählt Bettina Klingler. Diesmal ist die seelische Belastung für die ganze Familie ungleich größer. »Wir haben drei Jahre lang Kinder sterben sehen, mit denen Karolin in der Klinik zusammengelebt hatte.« Da fallen Hoffnung und Zuversicht schwer.

Die Zwölfjährige findet bei ihren Meerschweinchen Danny und Blacky Trost - die ganze Hoffnung der Eltern richtet sich auf eine Stammzelltransplantation, Karolins einziger Chance, zu überleben. Voraussetzung dafür ist, dass ein »genetischer Zwilling« gefunden wird, dessen Gewebemerkmale annähernd mit denen des Mädchens übereinstimmen.

»Genetischer Zwilling«

In ihrer Familie gibt es diesen »Zwilling« nicht, deshalb sucht die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, nun weltweit. Und Freunde der Familie Klingler - Liebhaber alter Traktoren, die sogenannten »Kolbenquäler«, sowie Mitglieder des Echterdinger Bartclubs »Belle Moustache« - organisieren gemeinsam mit der DKMS eine Typisierungsaktion. »Für Karolin und alle Leukämiekranken«, betont Konrad Stöhr von den »Kolbenquälern«.

OB als Schirmherrin

Alle 45 Minuten erkrankt laut DKMS in Deutschland ein Mensch an Leukämie, jeder Fünfte findet keinen passenden Spender. Reutlinger Hilfswillige können sich am 25. Juli von 10 bis 16 Uhr in der Betzinger Kemmler-Halle registrieren lassen. OB Barbara Bosch hat die Schirmherrschaft übernommen; neben vielen anderen haben auch die Firma Bosch sowie Arbeitskollegen von Karolins Vater Uwe Klingler, Betriebsleiter der zur GWG gehörenden Reutlinger Heizbetriebsgesellschaft (HGB), ihre Unterstützung zugesagt.

Maria Kostoglou von der DKMS ist zuversichtlich, dass sich viele Menschen an der Typisierungsaktion beteiligen werden: »Wir werden am 25. Juli auf eine vierstellige Teilnehmerzahl vorbereitet sein.« (GEA)

Knochenmarkspende


Mitmachen kann jeder zwischen 18 und 55 Jahren, der bereit ist, einem Patienten mit passenden Gewebemerkmalen Stammzellen zu spenden. Für die Registrierung werden dem Spender zunächst fünf Milliliter Blut abgenommen. Sollte sich ein passender Patient finden, werden die Stammzellen in 80 Prozent der Fälle ebenfalls aus dem Blut gewonnen, ähnlich wie bei einer Dialyse. Bei 20 Prozent wird per Punktion Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Statt der Stammzellspende oder auch zusätzlich kann man mit einer Geldspende helfen. Weil der DKMS pro Typisierung Kosten von 50 Euro entstehen, zählt für sie jeder Euro, der auf dem Spendenkonto 100045161 bei der Kreissparkasse Reutlingen eingeht. (els)

0 70 71/94 32 42

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