Reutlingen
SPD - Harsch führt weiter Stadtverband. Heftige Angriffe auf Sebastian Weigle: »Arglistige Täuschung«

Kreisvorsitzender räumt Fehler ein

REUTLINGEN. Fehler bei der Information der Mitglieder eingeräumt und Schuld auf sich genommen hat der SPD-Kreisvorsitzende Sebastian Weigle am Donnerstagabend bei der Versammlung des Stadtverbands der Reutlinger Sozialdemokraten im Hinblick auf die überraschende Kandidatur des SPD-Landesvorsitzenden Nils Schmid für die Landtagswahlen im Wahlkreis Reutlingen. Er werde sich, wenn das gewünscht werde, auch beim Kreisparteitag einer Vertrauensfrage stellen, sagte Weigle. Nebenabsprachen im Hinblick auf eine bessere Platzierung auf der Landesliste für die nächste Bundestagswahl habe es nicht gegeben, wies er Spekulationen zurück.

Insbesondere der ehemalige Landtagsabgeordnete Dr. Karl Weingärter hatte Weigle beim Stadtparteitag, bei dem eigentlich die Neuwahlen des Vorstands im Mittelpunkt stehen sollten, ins Visier genommen. Er habe, so Weingärtner, am 1. Februar eine Mail von Weigle erhalten, in der dieser über die Zusammensetzung einer (Kandidaten)Findungskommission und den weiteren Gang der Dinge informiert habe. »Prima«, habe er (Weingärtner) gedacht, »so muss es gehen, keine Hinterzimmer, keine Mauschelei.« Am nächsten Tag habe er aus dem »Tübinger Tagblatt« erfahren, dass der Landesvorsitzende Nils Schmid im Wahlkreis Reutlingen antreten werde.

»Was müssen Wähler von diesem Verhalten denken«
 
Er habe Weigle darauf hin angemailt und verschiedene Fragen gestellt, unter anderem die, ob dieser bei der Versendung der Mail am 1. Februar schon wusste, dass Schmid antreten will und wenn ja, wie lange er das schon gewusst habe. Weigle sei in zwei Antwort-Mails nie auf diese entscheidenden Fragen eingegangen. »Wenn der Kreisvorsitzende aber schon am 1. Februar wusste, dass Schmid kandidieren will, dann ist dies eine arglistige Täuschung. Die Genossen müssen sich verarscht fühlen«, sagte Weingärtner und fuhr fort: »Was müssen Wähler von diesem Verhalten denken«.

In ähnlichem Sinn wie Weingärtner äußerten sich noch weitere anwesende SPD-Mitglieder, wobei die Kritik teilweise noch schärfer ausfiel (»fühle mich verhöhnt«). Es gab jedoch auch andere Stimmen. »Menschen machen Fehler«, sagte beispielsweise die ehemalige SPD-Gemeinderätin Birgit Greineck, sie plädiere dafür, jetzt »Verzeihung zu gewähren«. Er erwarte solidarisches Verhalten, sagte Hans-Peter Häußermann. Weigle habe Fehler gemacht, aber es gebe in dieser Angelegenheit noch andere, die mitgemischt hätten, neben Nils Schmid auch die Tübinger SPD.

Weigle bestritt den Vorwurf der arglistigen Täuschung. Dass es die Findungskommission weiter gegeben habe, als Schmid seine Kandidatur erklärte, sei Fakt. Das Verfahren sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen gewesen, Schmid auch noch nicht gewählt, sagte Weigle.

Nach mehr als einer Stunde konnte in der »Uhlandhöhe« dann zur Wahl des Vorstands geschritten werden, wo die seit zwei Jahren amtierende Vorsitzende Daniela Harsch sich mit Teilen ihres bisherigen Vorstands wieder zur Wahl stellte. Ihr erstes Jahr sei im Zeichen des Kommunalwahlkampfes gestanden. Manches hätte man vielleicht anders machen können, sagte Harsch, man habe aber nichts verloren und weiterhin neun Sitze im Gemeinderat. Wichtig sei auch gewesen, dass man nach Aufgabe der Kreisgeschäftsstelle das SPD-Büro am Nikolaiplatz als Anlaufstelle habe halten können. »Schmerzhafte Einschnitte« habe die Umstrukturierung der Ortsvereine gebracht. Orschel-Hagen sei zum Ortsverein Reutlingen Nordwest gekommen, die Nordraum-Gemeinden auf die Parteigliederungen Betzingen, Nordwest und Südstadt verteilt worden.

Mit großer Mehrheit wurde Daniela Harsch von den 37 anwesenden Mitgliedern als Vorsitzende bestätigt. Das galt auch für ihre Stellvertreter Edeltraut Stiedl und Ramazan Selcuk sowie Kassierer Jürgen Merz. Neuer Schriftführer ist Tomislav Kranjcevic, Clemens Kluck ist weiterhin für die Pressearbeit verantwortlich. In den Beirat wurden Helmut Treutlein, Hans-Peter Häußermann, Teslime Top, Jo Weiß und Pia Mozer gewählt. Die Versammlung beschloss eine Aufstockung auf sechs Sitze. Der sechste wurde mit Hans Schäfer besetzt. (jük)


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