Gemeinderat - Bauvorhaben am Reutlinger Schieferbuckel entlang der Stadtautobahn nimmt weitere Formen an

Knoten-Lösung fürs Verkehrsproblem

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN. »Das Problem Nummer eins in Reutlingen ist der Straßenverkehr«, sagte Erich Fritz (FWV) am Donnerstagabend in der Sitzung des Reutlinger Gemeinderats. Und die Situation werde sich mit dem geplanten Baugebiet »Entwicklungsflächen Schieferbuckel« weiter verschärfen. Das betonten sowohl Verwaltung als auch Stadträte.

Der Knotenpunkt Heppstraße/Bundesstraße 28 am Kreuzungsbereich beim E-Center (Fotografenstandort) ist überlastet ? ebenso die Einmündung der Justinus-Kerner- in die Heppstraße (links außerhalb des Bildes).
Der Knotenpunkt Heppstraße/Bundesstraße 28 am Kreuzungsbereich beim E-Center (Fotografenstandort) ist überlastet – ebenso die Einmündung der Justinus-Kerner- in die Heppstraße (links außerhalb des Bildes). FOTO: Roland Hauser
Das laut Georg Leitenberger (FWV) etwa drei Hektar große Gebiet befindet sich nur rund einen Kilometer Luftlinie vom Hauptbahnhof entfernt. Das Gelände zwischen Eishalle und dem Gmindersdorf-Rundbau, zwischen Römerschanze und Stadtautobahn bebauen zu wollen, ist laut SPD-Fraktionsvorsitzenden Helmut Treutlein mit dem nun entwickelten Konzept nicht nur »bemerkenswert«, sondern durchaus auch gelungen. Und im Gegensatz zu dem rund eine Stunde zuvor einmal mehr im Gemeinderat diskutierten Plan für die Bebauung des Bihler-Areals habe es bei der öffentlichen Auslegung »nur drei Bürgerstellungnahmen gegeben«.

Doch zurück zu der zu erwartenden zunehmenden Verkehrsproblematik auf der Stadtautobahn durch den Bau eines neuen, direkt anliegenden Wohngebietes mit vielen hundert Wohneinheiten: Um den Knotenpunkt am Bauhaus zu entlasten, ist laut Stefan Dvorak »ein zweiter Knoten« vonnöten. Und zwar genau dort, wo die Justinus-Kerner-Straße in die Schieferstraße einmündet. »Der Verkehr aus diesem Bereich soll dort abgewickelt werden«, so der Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Vermessung.

Schwierige Situation

»Die Situation ist jetzt schon schwierig auf der Schieferstraße«, betonte Gabriele Gaiser (CDU). »Die Lösung mit dem zweiten Knoten könnte zu einer Entlastung des jetzigen Zustands führen - auch, wenn die Verkehrssituation weiterhin schwierig bleiben wird.« Zustimmung kam von Erich Fritz: »Der Verkehr dort ist jetzt schon eine Zumutung. Aber ich ziehe meinen Hut, wenn das geplante Konzept tatsächlich funktioniert.«

Holger Bergmann (Grüne) lenkte den Blick auf einen anderen Aspekt: »Die Zukunftsperspektive liegt eindeutig im Buskonzept und Radverkehr und nicht im Individualverkehr.« Dem stimmte wiederum Regine Vohrer (FDP) zu und Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch bemerkte zu dem Knoten: »Wir sind uns alle einig - nichts machen, geht nicht.«

Umsetzung in drei Etappen

In drei Etappen sollen die »Entwicklungsflächen Schieferbuckel« umgesetzt werden. Das Mittelstück hat bereits konkretere Formen angenommen, nachdem sich seit Oktober 2016 bereits drei Workshops mit der möglichen Bebauung zwischen Sickenhäuser Straße und Gellert-straße mit rund 330 Wohneinheiten befasst hatten. Der nun vorgestellte Plan traf auf breite Zustimmung bei allen Fraktionen. Gaiser lobte das Konzept als »städtebaulich gelungen«, hob die »Lärmschutzbebauung und Lärmschutzverglasung entlang der B 28« hervor.

Leitenberger würdigte, »dass die Ökologie nicht vernachlässigt und das Gelände sowohl an das Fern- wie auch Nahwärmenetz angeschlossen werden soll«. Vohrer sagte: »Das ist hohe Kunst, so einen Bebauungsplan hinzukriegen.« Aber sie mutmaßte auch: »Hätten wir für so was in der Hans-Reyhing-Straße gestimmt, hätte man uns erschlagen.«

Rüdiger Weckmann (Linke), der für Jessica Tatti in den Gemeinderat nachgerückt ist, lobte das Bebauungskonzept ebenfalls, schlug aber »Sammelparkhäuser« als Lösung des Parkproblems vor. »Am besten wäre, das Gebiet völlig autofrei zu halten.« Und Susanne Müller (Grüne) warnte vor Vogelschlag an den Glaslärmschutzfassaden - wie beim Tonne-Neubau. »Die ganz spannende Planung« des Gebiets soll laut Dvorak am 4. Dezember öffentlich vorgestellt werden.

Zu der Bebauung der beiden angrenzenden Gebiete im Osten und Westen am Schieferbuckel soll es laut Dvorak ein wettbewerbliches Verfahren geben. Angedacht sei eine »qualitätsvolle Bebauung«, in Kombination mit einem Pflegeheim und rund 30 Wohnungen für Geflüchtete in der Anschlussunterbringung. Auch für diese Planung gab es Lob vom Rat. »Ich habe das Gefühl, dass die Wohnbauoffensive jetzt so richtig in Gang kommt«, sagte Erich Fritz. Rüdiger Weckmann regte jedoch an, »mehr Sozialwohnungen zu bauen«. (GEA)



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