Religion - Evangelische Bildung und Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen wollen Dialog mit Muslimen fortführen

Kleine Schritte zum großen Ziel

Von Andrea Glitz

REUTLINGEN/METZINGEN. Ein gutes Jahr ist es her, dass die evangelische Kirchengemeinde und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) mit den Muslimen in Reutlingen den direkten Dialog suchten. Ein Dialog, den nicht alle in der Stadt wollen. Gesprächsabende wurden massiv gestört. Ein You-Tube Video, heimlich aufgenommen in der Christuskirche, befeuerte die Kritik: Es brachte die Türkische Gemeinschaft Organisation Reutlingen (TGO) in Verdacht, mit den rechtsextremen »Grauen Wölfen« in Verbindung zu stehen.

Nah beieinander und doch weit entfernt: christliche Kirche und Moschee.  FOTO: DPA
Nah beieinander und doch weit entfernt: christliche Kirche und Moschee. FOTO: dpa
Die Gegner offenbarten ihre geistige Heimat meist nicht. Lediglich die »Bürgerbewegung Pax Europa« (BPE) outete sich - ein Verein, der nach eigenem Bekunden »über die schleichende Islamisierung Europas aufklären« will.

»Wir wollen den strikten Wahrheitsanspruch der christlichen Kirche diskutieren«
 

Die Dialog-Initiatoren mussten im Internet und über Leserbriefe Verunglimpfungen über sich ergehen lassen. In der Folge wurde zwischen Christen und Muslimen in Reutlingen einiges Porzellan zerschlagen, aber auch Christen unterschiedlichster Couleur gerieten sich in die Haare.

Der Dialog soll nun fortgeführt werden, wie Christina Hörnig (ACK) und Frieder Leube, der Geschäftsführer der Evangelischen Bildung, im Pressegespräch erläuterten.

Bei den »Veranstaltungen zum christlich-islamischen Dialog« (siehe Infobox) sollen Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten der beiden Religionen im Fokus stehen. Fragen von »Wie kann das Verständnis wachsen?« bis hin zum »sehr strikten Wahrheitsanspruch, den die christliche Kirche über Jahrhunderte hinweg gepflegt hat« (Hörnig), sollen diskutiert werden.

»Wir wollen Mut machen zum Dialog«, betonte Leube. Vor allem Multiplikatoren wie Lehrer oder Erzieher seien angesprochen - Muslime sind allerdings nicht Zielpublikum. »In den Veranstaltungen sollen Christen miteinander ins Gespräch kommen.«

»Es gibt Gesprächsbedarf«, daraus machte Hörnig keinen Hehl, »schon allein in der ACK«. Darin sind acht Konfessionen jeweils mit Delegierten vertreten: Baptisten, Altkatholiken, Evangelisch-Methodistisch, Griechisch-Orthoxe und die Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche, fünf katholische Kirchengemeinden und acht evangelische. Dazu als Gast derzeit die Siebenten-Tags-Adventisten. Kurz: Schon allein in der Arbeitsgemeinschaft ist eine große Bandbreite von Meinungen vertreten, die laut Hörnig auch Spannungen aushalten müsse.

»Die Veranstaltungen zum christlich- islamischen Dialog sind nur ein Zwischenschritt«, machte Leube deutlich. Gleichwohl wollen die Initiatoren unterdessen das Gespräch mit den muslimischen Bürgern suchen. Die ACK will Kontakt mit den fünf Moschee-Vereinen in Reutlingen aufnehmen.

»Wir haben Sorge, dass wir unsere muslimischen Mitbürger vor den Kopf gestoßen haben«
 

Doch der direkte Dialog gestalte sich schwierig. Das hänge auch mit der Struktur der muslimischen Gemeinden zusammen. Es gibt keine Pfarrer als ständige Ansprechpartner. Die Imame wechseln oft, gehen zurück in die Türkei, so Hörnig. »Es ist schwer, Termine zu finden und Kontakt zu halten.«

Der Umgang ist nicht einfacher geworden seit den Ereignissen im vergangenen Winter. Aus dem Mund eines Imams weiß Hörnig, dass sich die Muslime »zurückgenommen haben«, nachdem die Türkische Gemeinschaft TGO in Reutlingen in die Schlagzeilen geraten war. Dass die Dialog-Veranstalter seinerzeit den Gegnern ein Forum für ihre Beschimpfungen boten, schmerzt die Pfarrerin. »Wir haben Sorge, dass wir unsere muslimischen Mitbürger vor den Kopf gestoßen haben.« Nun will man sich wieder auf den Weg machen. Mit »ganz kleinen Schritten«, wie Hörnig sagt. (GEA)

Veranstaltungsreihe


Die »Veranstaltungen zum christlich-islamischen Dialog« starten am Freitag, 11. Februar, um 20 Uhr im Matthäus-Alber-Haus in Reutlingen mit einem Vortrag von Christoph Schwöbel (Professor für Systematische Theologie und Direktor des Instituts für Hermeneutik und Dialog der Kulturen an der Uni Tübingen). Sein Thema: »Kann der christliche Glaube die Wahrheitsüberzeugungen anderer Religionen tolerieren? - Der interreligiöse Dialog im Konflikt der Kulturen.« Die weiteren Veranstaltungen unter dem Motto »Christen und Muslime. Unterwegs zum Dialog« sind in Seminarform für eine begrenzte Teilnehmerzahl konzipiert, finden jeweils in Reutlingen und Metzingen statt und erfordern Anmeldung. Auf dem Programm stehen Themen wie Glaubensbekenntnis oder Menschen- und Gottesbild in den beiden Religionen und das Thema Politik und Religion. Kompetente Referenten aus ganz Baden-Württemberg sind eingeladen, darunter der Islambeauftragte der Evangelischen Landeskirche, Heinrich Georg Rothe. Die Termine:

Reutlingen, Gemeindezentrum Kreuzkirche:

Montag, 21.2., 28.2., 14.3., 21.3. und 28.3. jeweils 19.30 bis 22 Uhr.

Metzingen, Gemeindehaus Martinskirche:

Donnerstag, 3.3., 17.3., 24.3., 7.4. und 14.4. jeweils 19.30 bis 22 Uhr

0 71 21/92 96 11

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