Krankheiten - Reutlinger Selbsthilfegruppe Prostatakrebs berät einmal monatlich in der Tübinger Crona-Klinik
Prostatakrebs: Klare Infos gegen diffuse Ängste
Von Norbert Leister
REUTLINGEN/ TÜBINGEN. Jedes Jahr erkranken bundesweit etwa 60 000 Männer an Prostatakrebs. Der Beratungsbe-darf ist also groß - auch in Reutlingen und in Tübingen. In der Crona-Klinik am Schnarrenberg etwa ist jeden Mittwoch zwischen 13.30 und 15 Uhr einer von drei Männern der Selbsthilfegruppe (SHG) Prostatakrebs vor Ort. Hans Schlichting, Wolfgang Steimle und Walter Glaunsinger wechseln sich ab, sodass jeder von ihnen jede dritte Woche in der Tübinger Urologie Patienten berät.
Klare Informationen können Krebs-Patienten Ängste nehmen: Deshalb bietet die Reutlinger Selbsthilfegruppe Prostatakrebs regelmäßige Beratungstermine in der Tübinger Crona-Klinik an.
FOTO: Norbert Leister
Wie bei allen Tumor-Erkrankungen ist auch der Prostatakrebs nach der Diagnose erst mal ein Hammer. Eine Nachricht, die Betroffene, aber auch deren Familien sofort an Siechtum, Schmerzen und Tod denken lässt. Auf einmal ist alles anders. So auch beim Reutlinger Jürgen K., der das Gesprächsangebot der Selbsthilfegruppe wahrnimmt.
Hans Schlichting, der SHG-Vorsitzende, ist an diesem Tag anwesend, er lotst K. zu einem Schild in einer Sitzecke, das auf die Informationsmöglichkeit der Selbsthilfegruppe hinweist. Jede Menge Broschüren, Flyer, Info-Materialien hat Schlichting auf dem kleinen Tisch ausgebreitet. Einiges reicht er Jürgen K., der kurz vor Weihnachten die Diagnose erhalten hatte. »Das war ein Schock«, sagt er. Danach folgten weitere Untersuchungen und der Rat der Ärzte, nicht allzu lang zu warten bis zur Operation.
Dabei hat Jürgen K. Glück gehabt: Der Krebs ist noch nicht über die Prostata-Kapsel hinaus gewachsen, die Prognose gut. »Zunächst geht es immer darum, zu überleben«, sagt Schlichting. Denn es könnte auch anders laufen. Dass mit der Operation andere, nicht ganz angenehme Begleiterscheinungen einhergehen, sei erst mal zweitrangig, betont der Vereinsvorsitzende.
Er kennt sich aus. Vor mehr als neun Jahren erhielt er die gleiche Diagnose: Prostata-Krebs. Hans Schlichting weiß also nicht nur um den medizinischen Bereich und mögliche Komplikationen, die auf die Patienten zukommen können. »Die Diagnose Krebs ist immer auch ein emotionales Problem.« Da spielen die Gefühle verrückt, reichen von Wut bis Trauer. »Warum gerade ich?«, fragen sich Betroffene.
Diese Frage kann Schlichting nicht beantworten. Aber viele andere. Wie zum Beispiel die nach den Folgen der Operation: Dass nach der Entfernung der Prostata-Kapsel keine Erektion des Penis mehr möglich ist, weil die dafür zuständigen Nerven mit entfernt werden. Aber, sagt Schlichting: »Lustempfinden ist auch weiterhin möglich, ein Orgasmus ebenfalls.«
Vielen Patienten ist Schlichtings Direktheit willkommen. Er spricht gelassen aus, was andere - aus Scham - kaum zu fragen wagen. Auch Jürgen K. ist angetan. Schlichting hat ihm einen Teil seiner Angst genommen. »Ich habe viel Neues gehört«, sagt er und geht zur Anmel-dung der »Interdisziplinären Sprech-stunde«, macht sofort einen Termin aus und schaut zumindest etwas zuversichtlicher auf das, was ihm die Zukunft bringen wird. (GEA)
Selbsthilfegruppe
Wer Kontakt zu der Selbsthilfegruppe aufnehmen will, kann sich direkt an Hans Schlichting wenden. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.shg-prostatakrebs-reutlingen-tuebingen.de. Treffen sind jeden dritten Dienstag im Monat (außer August) um 19 Uhr im Vortragsraum der AOK Reutlingen, Konrad-Adenauer-Straße 23. (nol)
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