Reutlingen
Neujahrsempfang - Freie Demokraten sprechen sich bei ihrem Empfang im Dominohaus selbst Mut zu. Gefragt seien jetzt Fußballer-Qualitäten, so der Tenor

FDP will keine Eigentore mehr

Von Christoph B. Ströhle

REUTLINGEN. »Es gab schon einfachere Zeiten. Aber wenn es nur einfache Zeiten gäbe, dann bräuchte man uns nicht.« Was FDP-Mann Ernst Burgbacher, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, beim Neujahrsempfang der Reutlinger Freien Demokraten als gesetzt formulierte, sehen die Deutschen derzeit allerdings nur bedingt so. Nicht die schweren Zeiten betreffend, wohl aber, was die Zustimmung zur FDP angeht. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme sie laut jüngstem ZDF-Politbarometer nur noch auf drei Prozent. Ein neuer Tiefstwert.

 Julius Vohrer (von links), Andreas Glück, Hagen Kluck, Pascal Kober, Wibke Steinhilber, Ernst Burgbacher und Dr. Knut Hochleitner (von links) prosteten sich beim FDP-Neujahrsempfang im Dominohaus zu. FOTO: STRÖHLE
Julius Vohrer (von links), Andreas Glück, Hagen Kluck, Pascal Kober, Wibke Steinhilber, Ernst Burgbacher und Dr. Knut Hochleitner (von links) prosteten sich beim FDP-Neujahrsempfang im Dominohaus zu. FOTO: Christoph B. Ströhle
Mit einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik und liberalen Inhalten will die Partei künftig wieder beim Wähler punkten. Das machten am Freitag im Dominohaus FDP-Verantwortliche von Stadt, Kreis, Land und Bund deutlich.

Burgbacher verwies auf ein solides Wirtschaftswachstum in Deutschland und gute Arbeitsmarktdaten. Der FDP sei es zu verdanken, »dass wir keine Euro-Bonds haben«.



»Vielleicht hat die Bundesregierung in den ersten beiden Jahren nicht unbedingt den Schönheitspreis für das eleganteste Spiel gewonnen, doch können wir, wenn wir uns die Ergebnisse ansehen, doch sagen: Es war erfolgreich«, so der Reutlinger Bundestagsabgeordnete Pascal Kober, der in seinem Grußwort die laufende Legislaturperiode mit einem Fußballspiel verglich. Entscheidend sei jetzt die zweite Halbzeit.

Julius Vohrer, Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, griff die Metapher auf, meinte aber, Kober habe in seinen Ausführungen etwas Entscheidendes vergessen. »Das Problem ist, dass die FDP zur Halbzeit null zu fünf hinten liegt. Und wir müssen erkennen, dass drei der fünf Treffer Eigentore waren.« Um das Spiel umzubiegen, müsse die Partei jetzt vor allem eins: »Stürmen, stürmen, stürmen«. Vohrer und sein Sohn Carlo umrahmten die Wortbeiträge des Abends musikalisch, wobei sie Titel wie »Nobody Knows The Trouble I've Seen« und »Let It Be« sangen.

»Reingrätschen« in Märchen

Der Landtagsabgeordnete Andreas Glück sah den Schlüssel für künftige Erfolge der FDP in der Kommunalpolitik und in einer kräftig-konstruktiven Oppositionsrolle auf Landesebene. »Uns fällt kein Zacken aus der Krone, wenn wir auch mal mit der Landesregierung stimmen.«

Eine Schonung des politischen Gegners werde es dennoch nicht geben. Vielmehr werde man auch künftig »in Kretschmanns grüne Märchen 'reingrätschen, wo es nur geht«. Glück sprach in diesem Zusammenhang von »Augenwischerei in der Energiepolitik«.

Die stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Wibke Steinhilber geißelte die grün-rote Bildungspolitik. Die Vielfalt dürfe bei den derzeitigen Schulexperimenten nicht auf der Strecke bleiben, forderte sie und warnte vor einer Entwicklung hin zur Einheitsschule. »Einheitsbrei war noch nie bekömmlich.«

Kreisvorsitzender Hagen Kluck und sein Gemeinderatskollege, Ortsvorsitzender Dr. Knut Hochleitner, kamen auf den geplanten Abriss des Stegs am Tübinger Tor zu sprechen. Die FDP hatte den Abbruch der gesamten Fußgängerbrücke, also auch des Stücks über die Bundesstraße 312, in die Diskussion gebracht und dafür viel Bürgerzorn auf sich gezogen. Er habe sich über die »große Resonanz von Leserbriefen auf unsere Meinung« sehr gefreut, sagte Hochleitner.

Die Schreiber sollten allerdings auch bei dieser Diskussion nicht vergessen, dass eine Demokratie vom Austausch der verschiedenen Meinungen lebe. Drohungen gegen Andersdenkende seien fehl am Platz. »Wir lassen uns das Wort da nicht verbieten.« Wenn die Mehrheit im Rat einen »Stummelsteg« bevorzuge, werde die FDP dies hinnehmen, sagte Kluck. »Im Gegensatz zu anderen akzeptieren Liberale Mehrheitsentscheidungen.« (GEA)



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