30.07.2010 - 14:05 Uhr
Stadtbild - Immer wieder besudeln Sprayer eine nicht enden wollende Liste öffentlicher Einrichtungen mit Graffiti
Kein Respekt vor fremdem Eigentum
Von Judith Knappe
REUTLINGEN. Für die Stadt Reutlingen ist die Beseitigung von Graffiti-Sudeleien längst nicht mehr zu tragen: Jährlich schlagen sie mit 50 000 bis 80 000 Euro zu Buche. Im März dieses Jahres begann die Abteilung kommunale Kriminalprävention der Stadtverwaltung deshalb, Belohnungen - von 200 bis 500 Euro - für Hinweise auszusetzen. Diese können von den Besitzern besonders gefährdeter Häuser noch selbstständig aufgestockt werden.
Es geht auch anders: farbenprächtige Kunstwerke, die ohne Schimpfworte und seltsame Schmierereien auskommen.
FOTO: Judith Knappe
Reutlinger Bürger fragen sich, warum neue Graffiti - oft auch besonders scheußliche - relativ lange zu sehen sind. Dies hat genau einen Grund: Es ist einfach zu teuer, sie zu entfernen. Würde die Stadt jedes Geschmotze sofort beseitigen lassen, entstünden Kosten im sechsstelligen Bereich, wie der Pressemitteilung der Stadt zu entnehmen ist. Deshalb arbeiten beauftragte Firmen nach einer Prioritätenliste: Ganz oben auf dieser Liste stehen politische und weltanschauliche Schriftzüge. Zudem hat sich der Etat, der für die Reinigung ausgegeben werden kann, mit der städtischen Haushaltssperre seit 2008 nochmals reduziert.
Wenn man allerdings Schriftzüge liest, wie jüngst an der Unterführung Lederstraße (»F... die Cops«), drängt sich förmlich die Frage auf, ob solche hässlichen Worte - vor allem in der Nähe einer Schule - nicht sofort verschwinden sollten. Die Stadt ist längst darauf aufmerksam geworden. Georg Haid - eigentlich Restaurator - ist »Graffiti-Beautragter« der Stadt. »Wir haben bereits Angebote eingeholt«, versichert er. »Wir überlegen sogar, ob wir dort einen Graffiti-Schutz auftragen.« Es gibt verschiedene Arten des Schutzes. Die meisten bestehen aus einer Beschichtung, von der die Graffiti leichter gelöst werden können: Sie werden mit einem Spezialreiniger bearbeitet und dann mit dem Dampfstrahler entfernt. »Bei dieser Methode gibt es aber immer eine Opferschicht«, so Haid. Das heißt: Es gibt eine Schicht, die mit dem Reiniger entfernt wird und dann mühsam wieder aufgetragen werden muss.
Am Westbahnhof ist deshalb gerade ein neuartiges System ohne Opferschicht in der Testphase. Bei dieser Spezialbeschichtung behandelt man die Graffiti ebenfalls mit einem Reinigungsmittel, das mit Wasser abgespült wird. »Dieser Reiniger ist aber biologisch abbaubar und spart uns einige Arbeit«, erklärt Haid. »Wir müssen dann das Wasser nämlich nicht mehr auffangen«.
An der Rennwiesen Turnhalle wurde zu noch wirksameren Mitteln gegriffen: Hier macht der Graffiti-Schutz Stifte, Filzstifte und andere Schreibutensilien sogar unbrauchbar. Diese Maßnahme ist aber noch teurer und wird deshalb nur selten angewendet. An der Turnhalle wurde es aber aufgrund einer großen Veranstaltung gemacht. »Die Halle war immer komplett beschmiert und jetzt ist da gar nichts mehr«, so Haid.
Es droht sogar Gefängnis
Wieso werden die Täter eigentlich nicht gefasst? Dass doch mehr Sprayer erwischt werden, als man denkt, weiß Jugendrichter Sierk Hamann. »Die Aufklärungsrate ist relativ hoch. Oft laufen die Sprayer direkt in eine Polizeistreife. Oder man findet eine Spraydose und unweit davon den Täter, dem die Farbe noch von den Händen tropft.« Jugendlichen drohen hier Strafen, die von hohen Geldbußen über Arbeitsstunden bis hin zu vierwöchigem Arrest reichen können. Vor allem bei Wiederholungstätern ist das Gesetz sehr streng - für die wird es richtig teuer. Sind die Ertappten bereits erwachsen, kann sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren verhängt werden.
Handelt es sich dann auch noch um öffentliche Gebäude oder Einrichtungen, begeht der Täter gemeinschädliche Sachbeschädigung, die mit noch längeren Haftstrafen und noch höheren Geldbußen geahndet wird. »Das Risiko erwischt zu werden, ist sehr hoch«, so Hamann. »Die meisten werden wirklich beobachtet oder werden dann bei Durchsuchungen entlarvt.«
Die Stadt hat bestimmte Flächen wie zum Beispiel im Volkspark oder am Westbahnhof für Graffiti-Sprayer freigegeben. Mit dem Ziel, dass keine anderen Gebäude und Gegenstände mehr beschädigt und beschmutzt werden.
»Diese Maßnahme hat aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht«, so Gerlinde Gröner von der kommunalen Kriminalprävention. »Die Graffiti bleiben nicht auf den freigegebenen Flächen, sondern erstrecken sich auf alles drum herum. Am Bahnhof zum Beispiel sind Schilder, Unterführungen und alles andere auch vollgeschmiert.« Man muss den Graffiti also immer wieder aufs Neue zu Leibe rücken. Aber: »Wenn die Sprayer merken, dass die Graffiti immer wieder entfernt werden und die Stadt da dran bleibt, wird die Schmiererei merklich geringer«, findet Georg Haid. (GEA)
/* Der Bannerteaser kommt direkt nach den Quicklinks */ ?>
Wählen Sie ihre Region
Islamabad (dpa) - Beim vierten US-Drohnenangriff i... mehr»
Duisburg (dpa) - Deutschlands Autokäufer haben ihr... mehr»
Frankfurt/Main (dpa) - Belastet von der späten Ent... mehr»
Karlsruhe (dpa) - Apotheken dürfen mit Gutscheinen... mehr»
New York (dpa) - Der Weg zu seinem sechsten US Ope... mehr»
ENGSTINGEN. Eine ganze Weile haben die zwei Jungen... mehr»
LICHTENSTEIN-HONAU. Ein »Bratenduo« - Kalb und Put... mehr»
RIEDERICH. Bereits fünf Minuten nachdem der Notruf... mehr»
REUTLINGEN/HAYINGEN. Mango ist Sommer. Schmeckt wi... mehr»
NEHREN. Die Sommerferien neigen sich so langsam de... mehr»
Berlin (dpa) - Die Deutschen gehen später in Rente... mehr»
Berlin (dpa) - Die Integration von Menschen mit au... mehr»
REUTLINGEN. Seit gestern kann jedermann auf den ne... mehr»
REUTLINGEN. Genau sieben Minuten brauchte eine Ukr... mehr»
PFULLINGEN. Mit einem Festakt am Freitagnachmittag... mehr»
Auf Stippvisite
In der Notaufnahme im Klinikum am Steinenberg herrscht rund um die Uhr Ausnahmezustand. Welche Gefahren der Job auf der turbulenten Station birgt und welche Kompetenzen die Mitarbeiter mitbringen müssen.
lesen »
Twitter
Aktuelles aus Reutlingen
Abonnieren Sie die neuesten Kurzmeldungen aus dem Stadtgebiet Reutlingen! Infos unter
www.gea.de/twitter
Expedition
Neues von der abenteuerlichen Tour des Reutlinger Extrembergsteigers Jürgen Straub und seine Partnerin Gabi Schneider in Pakistan.
lesen »