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03.01.2018

Nachruf - Betzingens früherer Bezirksbürgermeister war ein Mann des Ausgleichs

Reutlingen

Kaspar Blasy ist im Alter von 90 Jahren gestorben

REUTLINGEN-BETZINGEN. Kaspar Blasy, der frühere Bezirksbürgermeister von Betzingen, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Blasy engagierte sich nicht nur als Ortsvorsteher für die Belange des größten Reutlinger Vororts, sondern setzte sich außerdem von 1989 bis 1997 als Mitglied der CDU-Fraktion im Gemeinderat fürs Gemeinwohl ein. Kaspar Blasy war ein bescheidener und bodenständiger Mann. Er konnte aber auch kämpferisch sein. Vor allem sein entschiedenes Eintreten gegen den Bau eines Asphaltmischwerks auf Betzinger Markung brachte ihm Respekt und Sympathie über den Ort hinaus ein.

Ein glücklicher Tag für Kaspar Blasy (Vierter von links): In der Zehntscheuer feierte er im März 2009 mit den Betzingern und Baubürgermeisterin Ulrike Hotz (links), dass kein Asphaltmischwerk im Industriegebíet gebaut wird.Foto: Meyer

In vielen Vereinen aktiv

Der im Banat geborene Landwirt und Geflügelzüchter Kaspar Blasy war in vielen Betzinger Vereinen wie etwa der Sängerschaft aktiv, außerdem im Reutlinger Kreisverband der Landsmannschaft Banater Schwaben, in verschiedenen Verbänden wie dem Geflügelring, der Milchgenossenschaft oder auch der Raiffeisenbank Wannweil-Betzingen.

Für seine vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten - insbesondere für die Landsmannschaft - wurde er im April 1996 mit der Landesehrennadel ausgezeichnet.

1989 kandidierte Kaspar Blasy auf der CDU-Liste für den Reutlinger Gemeinderat und schaffte mit beachtlichen 14 149 Stimmen auf Anhieb den Sprung ins Gremium. Er wurde Mitglied im Tonne-Kuratorium, Schulbeirat, Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung sowie vielen Ausschüssen und Gremien mehr. 1994 wählten ihn die Betzinger in den Ortschaftsrat, wo er direkt Bezirksbürgermeister wurde. Das Amt übte er bis 1999 aus. Aus dem Reutlinger Gemeinderat schied er auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen 1996 aus.

Kaspar Blasy galt als Mann des Ausgleichs. Trotz seiner vielen Verdienste stellte er sich nie selbst in den Mittelpunkt: Es ging ihm unabhängig von parteipolitischen Interessen um die Sache, die Menschen, um »sein« Betzingen. Und da konnte Blasy bei aller ihm eigenen Zurückhaltung Kante zeigen.

Diese Eigenschaft wurde vor allem beim Kampf gegen die Asphaltmischwerk-Pläne im Industriegebiet Mark-West deutlich: Blasy war mit an der Spitze der Bürgerinitiative, hinter der bald ganz Betzingen stand.

Mit Leidenschaft und Herzblut setzte er sich als Bezirksbürgermeister im Schulterschluss mit dem Ortschaftsrat und der Bürgerinitiative dafür ein, das Asphaltwerk zu verhindern - auch später noch, als er gesundheitlich schon angeschlagen war und seine kommunalpolitischen Ämter aufgegeben hatte. Der beharrliche Widerstand der Betzinger wird mit dafür verantwortlich gemacht, dass die Asphaltmischwerke-GmbH letztlich ihre Pläne aufgab und nach langen Jahren des Streits 2009 die Segel strich.

Es sei ihm, hatte Kaspar Blasy an seinem 80. Geburtstag am 1. November 2007 gesagt, ein Herzenswunsch, dass das Asphaltwerk nie gebaut werde. Dass dieser Wunsch in Erfüllung ging, dürfte ihn noch mehr gefreut haben als die Landesehrennadel. (GEA)

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