Jobcenter - Bericht im Sozialausschuss des Kreistags vorgelegt. Asylbewerber treiben Zahl der Klienten hoch

Integration: Ein mühsames Geschäft

VON JÜRGEN KEMPF

REUTLINGEN. Der Ansturm der Asylbewerber hat auch das Jobcenter in Reutlingen gefordert. Personal wurde aufgestockt, eine neue Dependance eröffnet, die Ausgaben der gemeinsamen Behörde von Bund und Kommunen stiegen. Die vielen neuen Asylbewerber befinden sich derzeit zum großen Teil noch in den Sprachkursen. »Die größte Herausforderung des nächsten Jahres ist«, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Thomas Franz am Mittwoch vor dem Sozialausschuss des Kreistags, »diese Menschen zu qualifizieren und an den Arbeitsmarkt heranzuführen.«

Insbesondere die Asylbewerberschwemme des Jahres 2015 hat die Zahl der Klienten des Jobcenters nach oben getrieben. Deutlich wird dies an der Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten(eLb), die von 8 315 im Jahr 2015 auf 9 107 im Mai 2017 stieg. Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften hat sich dementsprechend erhöht: Von 5 879 im Mai 2015, über 6 332 im Mai 2016, auf 6 759 im Mai 2017. 12 704 Personen lebten in diesen Bedarfsgemeinschaften.

Unterschiedliche Gruppen

In der Statistik unterschieden wird bei den Leistungsempfängern zwischen arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern und Langzeitarbeitslosen (ab 21 Monaten). Hinzu kommt eine Gruppe, die zwar prinzipiell erwerbsfähig ist, aus verschiedenen Gründen, dies aber nicht wahrnehmen kann. Dazu zählen Alleinstehende mit Kindern, Schüler ab 15 Jahren, die sich in einer schulischen oder sonstigen Ausbildung befinden und natürlich die Menschen, die sich derzeit in einer Umschulung, in Sprachkursen oder einer Weiterbildung befinden.

Auch die Zahl der nicht erwerbsfähigen Leistungsempfänger - in der Mehrzahl Kinder - ist seit 2015 stark gestiegen: von 3 155 im Mai 2016 auf 3 597 im Mai 2017. »Die Steigerung begründet sich ausschließlich aus dem Personenkreis der anerkannten Flüchtlinge«, heißt es dazu im Bericht, habe sich doch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften mit drei und mehr Kindern innerhalb von zwei Jahren um 232 erhöht.

Insgesamt beträgt der Anteil der Flüchtlinge an den erwerbsfähigen Leistungsempfängern im Landkreis Reutlingen 17,9 Prozent (Bund 9,2 Prozent, Land 12,6 Prozent). Diese überdurchschnittlich hohe Zahl resultiert daraus, dass im Kreis ein sehr hoher Anteil an Flüchtlingen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit angekommen ist, vermerkte Franz.

Die Integration der Flüchtlinge in Arbeit und Beruf sei das langfristige Ziel des Jobcenters. Die Erfahrung zeige aber, dass schnelle Erfolge nicht zu erzielen seien. Es brauche viel Zeit, Geduld und Anstrengungen, bis es zu einer Arbeitsaufnahme kommt.

Skeptisch merkt Franz auch an, »dass der Arbeitsmarkt im Landkreis Reutlingen trotz guter Konjunkturlage für leistungsschwächere Kunden geringere Aufnahmemöglichkeiten bietet«. Mit 1 844 Menschen, die 2016 wieder in Arbeit gebracht werden konnten, wurde das Vorjahresergebnis (2 054) auch deutlich verfehlt. Im laufenden Jahr habe sich die Situation jedoch deutlich verbessert, führte Franz aus. Aktuell liege das Jobcenter Reutlingen nicht mehr auf dem vorletzten Platz, sondern auf Platz 10 unter 22 vergleichbaren Jobcentern im Land.

25 Prozent »Ergänzer«

Bei der Aufnahme einer Beschäftigung wird zwar die Arbeitslosigkeit beendet, ergänzende Leistungen des Jobcenters sind jedoch häufig erforderlich, wenn das neue Einkommen zur Sicherung des Lebensunterhalts, zum Beispiel einer mehrköpfigen Familie, nicht ausreicht. Der Anteil der »Ergänzer« an den Leistungsbeziehern hat sich mit 25,2 Prozent in 2016 gegenüber dem Vorjahr leicht reduziert (2 173) und wieder den Stand von 2009 erreicht - dies allerdings bei einer deutlich größeren Ausgangsbasis.

Was den Aufwand anbetrifft, so haben sich die Zahlungen für den Lebensunterhalt (Anteil der Bundesagentur für Arbeit) im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 13,1 Prozent oder 3,43 Millionen Euro erhöht. Die Ausgaben für Unterkunft und Heizung (kommunaler Anteil) stiegen um 1,65 Millionen Euro, was einer Steigerung von 6,4 Prozent gegenüber 2015 bedeutet. Die Teilzeitbeschäftigten eingeschlossen arbeiten derzeit 167 Personen beim Jobcenter. (GEA)







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