Pädagogik - Der Jos-Weiß-Schule in der Innenstadt gelingt es gut, Kinder mit Handicap in den Schulalltag zu integrieren

Jos-Weiß-Schule: Inklusion mit Herz und Verstand

VON VEIT MÜLLER

REUTLINGEN. Die Jos-Weiß-Schule ist eine Vorzeigeschule in Sachen Inklusion. Seit gut vier Jahren schon werden hier Kinder mit psychischen Handicaps in den Schulalltag integriert. Das funktioniert nach Aussage von Schulleiterin Christiane Stieler sehr gut. Allerdings ist der Betreuungsschlüssel an der Innenstadt-Schule inzwischen auch recht hoch. Um elf Kinder mit erhöhtem Förderungsbedarf kümmern sich derzeit fünf Sozialpädagoginnen (drei Vollzeit, zwei stundenweise) und drei Schulbegleiter.

Die Inklusionskonferenz des Landkreises war zu Gast in der Jos-Weiß-Schule. FOTO: MÜLLER
Die Inklusionskonferenz des Landkreises war zu Gast in der Jos-Weiß-Schule. FOTO: MÜLLER
Jetzt besuchte die Inklusionskonferenz des Landkreises die, wie sie heute im modernen Sprachgebrauch heißt, »Best-Practice-Schule«. An der Spitze der Konferenz steht Landrat Thomas Reumann. Zu den Mitgliedern des Modellprojektes gehören unter anderem die Städte und Gemeinden, die Kirchen, das Staatliche Schulamt und die Wohlfahrtspflege.

Wissenschaftliche Untersuchung

Sechs Schwerpunkte habe sich das Netzwerk Inklusionskonferenz von Anfang an gesetzt, erklärte Reumann in der Jos-Weiß-Schule. Dazu zählten das Thema »barrierefrei zum Arzt«, Beratungsangebote, Inklusion im Sport, eine Qualifizierungsoffensive bei den Kindertagesstätten (»das wird sehr gerne angenommen«), die Schulen wie auch eine Zertifizierung von Gemeinden, wie sie bisher Münsingen und St. Johann erhalten hätten.

Die Konferenz hat zudem vor Kurzem eine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben, wie sich die Situation der Inklusion an den Schulen im Landkreis darstellt, eine so genannte »Chancenanalyse«. Wie diese nicht immer leichte Inklusion gut funktionieren kann, zeigte Schulleiterin Stieler. »Sie steht und fällt damit, wie sich die einzelnen Personen auf das Thema einlassen«, betonte sie gleich zu Anfang. Die Mitglieder der Konferenz konnten sich auch ein praktisches Beispiel anschauen. In der Klasse E1 werden jahrgangsübergreifend neun Zweitklässler und sechs Erstklässler unterrichtet. Dazu kommen ein Wiederholer und drei Kinder mit Handicaps. Beim Besuch der Inklusionskonferenz organisierten zwei Lehrerinnen und eine Sozialpädagogin den Unterricht.

Die Zusammensetzung der Eingangsklasse sei »natürlich eine Herausforderung«, meinte Klassenlehrerin Annette Zimmermann. Und diese Herausforderung könne man auch nur »mit Herz und Verstand und großem Engagement« meistern. Es brauche viele Absprachen unter den Lehrkräften und »man muss sehr strukturiert arbeiten, sonst funktioniert das nicht«. Im Unterricht müsse zudem viel Disziplin herrschen. Die Kinder waren sehr eifrig, aber gleichzeitig auch still und konzentriert bei der Sache.

Es sei wichtig für alle Schüler, schon frühzeitig zu erfahren, dass es »auch Kinder mit Defiziten gibt, die genauso zu behandeln sind wie alle anderen«, so Annette Zimmermann. Schön sei es dann zum Beispiel zu sehen, »wie sich die Kinder beim Wandertag gegenseitig geholfen haben«.

Unsicher seien am Anfang auch die Eltern der Handicap-Kinder gewesen. »Ist mein Kind den Anforderungen überhaupt gewachsen?«, hätten sie sich immer gefragt. Doch inzwischen seien die Eltern zufrieden und auch überrascht, wie gut ihre Kinder in der Schule aufgenommen und akzeptiert würden.

Finanziell wird die Inklusion von zwei Stellen getragen. Die sozialpädagogischen Kräfte, die Teil des Lehrkörpers sind, werden von den Schulämtern angestellt. Die Schulbegleiter, die die Kinder in der Schule und im Unterricht bei bestimmten Tätigkeiten unterstützen, sind finanziell Sache des Landkreises. Derzeit schafft das Land im Rahmen der Inklusion jährlich 200 neue Stellen für Sonderpädagogen. (GEA)

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