Engagement - Politische Bekenntnisse und allerlei kulturelle Darbietungen gab's beim Alternativen Neujahrsempfang

Initiative für ein Bürgerhaus

Von Elke Schäle-Schmitt

REUTLINGEN. Die Reutlinger alternative Szene entlarvt das Unwort des Jahres 2010 als Scheinbegriff. »Alternativlos?«, rief Katrin Lütjens vom Attac-Netzwerk den rund 200 Besuchern des vierten Alternativen Neujahrsempfangs zu. »Aber hallo, wir sind da! 23 Gruppen, die jede Menge Alternativen haben.« Und zwar zum Achalmtunnel, zur Dietwegtrasse, zu Stuttgart 21, zu Hartz IV, zum Krieg in Afghanistan oder zur herrschenden Weltwirtschaftsordnung, wie Lütjens beispielhaft aufzählte.

Alternativer Neujahrsempfang Reutlingen 2011
Reichlich Infomaterial und regen Austausch zu einem breiten Spektrum bürgerschaftlichen Engagements bot der Alternative Neujahrsempfang im Mehrgenerationenhaus Voller Brunnen. FOTO: Elke Schäle-Schmitt
»Aber hallo, wir sind da. 23 Gruppen, die Alternativen haben«
 

Wie die Alternativen jeweils aussehen könnten, legten die 23 Gruppierungen in kurzen Wortbeiträgen, mit reichlich gedrucktem Informationsmaterial und im persönlichen Gespräch mit den Besuchern dar. So breit das Spektrum ihrer Ziele auch ist - vom Artenschutz im Neckar über das Regionalgeld für den Raum Reutlingen/Tübingen bis zur Hilfe für Flüchtlingskinder im Libanon -, in einem sind sich alle einig: Bürgerengagement, wie es, so Katrin Lütjens, auch von OB Barbara Bosch befürwortet werde - wenngleich wohl eher im kulturellen und karitativen als im politischen Bereich -, braucht Räume.

Konkret: kostenlose Arbeits- und Tagungsräume mit Selbstversorgung, zentral in der Innenstadt gelegen. Deshalb startete man gemeinsam eine Initiative für ein Reutlinger Bürgerhaus, für das auch gleich fleißig Unterschriften gesammelt wurden.

Ein Modell-Bürgerhaus aus Sperrholz wurde mit symbolträchtigen Gegenständen bestückt. Da fand die Bürgerbeteiligung aus Playmobilmännchen neben den »Seifenblasen statt Finanzblasen« statt, hockte die Holzkröte neben fair gehandeltem Tee, stand die von Stacheldraht umgebene Kerze neben den Musterscheinen des Regiogeldes.

Ein »Weltbürgerhaus« sollte es am besten werden, wenn es nach den Vertretern des Entwicklungspädagogischen Informationszentrums geht. Gegen Stuttgart 21 wandte sich nicht nur das gleichnamige Aktionsbündnis. Auch Liedermacher Thomas Felder meinte, der Landessegen hänge schief, wenn die Bürger mit Wasserwerfern aus dem Park vertrieben werden. Und der »indische Schwoab« Cherry Gill vom Sozialforum SoFoRT stemmte unter dem Motto »Oben bleiben« nahezu akrobatisch Kinder auf seinen Füßen in die Höhe.

Der Tanzverein Orpheas zeigte mit griechischen Tänzen, welch wichtige Rolle die Kultur bei der Integration spielt, und Johann Kuttner von SoFoRT nahm in einer Kabaretteinlage Arbeitsvermittler und Berufspolitiker aufs Korn. »Demokratie heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen«, hat der Schriftsteller Max Frisch einst postuliert. Der Alternative Neujahrsempfang belegte, dass das Einmischpotenzial in Reutlingen beträchtlich ist. (GEA)




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Bürgerengagement

Alternativer Neujahrsempfang Reutlingen

Alternativer Neujahrsempfang Reutlingen 2011
FOTO: Elke Schäle-Schmitt
 
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