Reutlingen
Vereinsleben - Für die ARS steht fest: Auch Reutlingens Sportler müssen künftig den Gürtel enger schnallen

In Sorge um die Sportförderung

Von Alexander Thomys

REUTLINGEN. Die Arbeitsgemeinschaft Reutlinger Sportvereine (ARS) stellte sich auf ihrer Mitgliederversammlung für die Zukunft auf. Hauptthema war dabei die Haushaltslage der Stadt Reutlingen. Klar ist: Auch die Sportler müssen künftig den Gürtel enger schnallen.

Bereits im Haushaltsjahr 2010 wurde im Rahmen des Nachtragshaushaltes ein Betrag von rund 110 000 Euro im Bereich der Sportförderung eingespart, nachdem schon 2009 die Betriebskostenzuschüsse um rund 10 000 Euro reduziert wurden, berichtete der ARS-Vorsitzende Thomas Bader. Neben den Betriebskosten habe die Stadt dabei vor allem nicht genutzte Fördermittel gekürzt - sodass Bader insgesamt noch von »moderaten Auswirkungen« für die Vereine sprach. Vor allem Sportvereine mit eigenen baulichen Anlagen müssen sich aber auf Fördermittel-Kürzungen von bis zu zehn Prozent einstellen.



Für Unmut sorgte auch die Einführung einer jährlichen Sportplatzabgabe in Höhe von 250 Euro. 9 000 Euro soll diese Abgabe in die Stadtkasse spülen, die Gelder sollen anschließend in die Pflege der Sportplätze investiert werden. Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung 500 Euro pro Sportplatz anvisiert. »Wir haben uns vehement dagegen gewehrt«, berichtet Bader vom Erfolg der ARS-Sportpolitik. Zugleich betont der ARS-Vorsitzende, der 42 Vereine mit rund 29 000 Mitgliedern vertritt, dass man die Sportplatzabgabe auch künftig im Blick behalten werde: »Wir wollen das nicht zur dauerhaften Abgabe machen.«

Vor allem beim TSV Betzingen ärgert man sich über die neue Gebühr. Denn diese betrifft auch den neuen Kunstrasenplatz. »Wir haben beim Bau des Platzes rund 30 000 Euro an Eigenleistungen beigetragen und zudem Pflegegerät für rund 3 000 Euro gekauft«, erklärte der TSV-Vorsitzende Hartmut Digel. Alle vier bis sechs Wochen pflegen die Betzinger den Platz nun ehrenamtlich. Da sei die neue Abgabe nicht zu vermitteln. Ein Umstand, den auch die ARS nachvollziehen kann. Man sei im Gespräch mit Sportamtsleiter Uwe Weber und wolle dabei auch »Einzelfälle ansprechen«, erklärte Bader.

»Es wird härter«

Skeptisch sehen die Sportvereine auch die künftige Entwicklung. »Richten sie sich darauf ein: Es wird härter«, meinte Bader im Blick auf den anstehenden städtischen Doppelhaushalt 2011/2012. Dem pflichtete der Sportkreis-Vorsitzende Karl-Heinz Walter bei: »Was 2010 in den Haushaltsberatungen kam, war ein Spaziergang im Vergleich zu dem, was noch kommen wird.«

Bader gab sich dabei sogleich kämpferisch. »Kürzungen im Jugendbereich sind mit uns nicht zu machen«, erklärte der ARS-Vorsitzende. Seine Bilanz: »Wir müssen noch politischer werden. Die Zeiten, in denen wir uns nicht mit der Kulturförderung vergleichen dürfen, sind definitiv vorbei.« Ob dieser schlechten finanziellen Aussichten wurde der ARS-Vorstand und der Arbeitsausschuss ohne Gegenstimmen - und erstmals auch ohne Kampfabstimmung - gewählt. Neben dem Vorsitzenden Bader wurden auch sein Stellvertreter Werner Fink und Kassierer Günter Mollenkopf im Amt bestätigt. Als zweiter stellvertretender Vorsitzender wurde Theo Faßnacht vom FC Reutlingen gewählt. Faßnacht beerbte dabei den Sickenhausener Bezirksbürgermeister und Reutlinger Gemeinderat Erich Fritz, der künftig nur noch im Arbeitsausschuss mitwirkt.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten war den Vereinen also ein eingespielter Vorstand wichtig, auch wenn es zuvor Kritik an der Arbeit des Gremiums gegeben hatte. So seien zahlreiche Anfragen nicht oder nur langsam beantwortet worden. »Ich kann mich dafür nur entschuldigen und Besserung geloben«, zeigte sich Bader einsichtig.

Auch abseits der Haushaltspolitik gibt es für die Arbeitsgemeinschaft in den nächsten zwei Jahren viel zu tun. Unter anderem wird im Mai der Abschlussbericht zur Sportentwicklungsplanung - an dessen Kosten sich der ARS mit rund 6 000 Euro beteiligte - veröffentlicht. »Dann fängt die eigentliche Arbeit erst an«, so Bader. Rund 60 Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Sports sollen darin vorgeschlagen werden. Zudem will sich der ARS künftig einen hauptamtlichen Mitarbeiter leisten, der den Vorstand im Bereich der Fördermittelakquise unterstützten soll. (GEA)

Die Arbeitsgemeinschaft Reutlinger Sportvereine


Die Arbeitsgemeinschaft Reutlinger Sportvereine sieht sich als Vertretung aller sporttreibenden Vereine in Reutlingen. So wurde beispielsweise für die Saison 2006/2007 auch eine einmalige Energiekostenzulage an alle Vereine gewährt, unabhängig einer ARS-Mitgliedschaft. Diese wird nun ausbezahlt.

In den Arbeitsausschuss der Arbeitsgemeinschaft wurden gewählt: Jürgen Vocke (SG Reutlingen), Theo Faßnacht (FC Reutlingen), Michael Saur (RMC Reutlingen), Dilek Kämmerle (SF Reutlingen), Erich Fritz (TSV Sickenhausen), Armin Eichele (Schützenverein Sondelfingen), Karina Zott-Tilmann (TV Bronnweiler) und Werner Mann (SV Ohmenhausen).

Aus den mitgliederstärksten ARS-Vereinen wurden zudem Thomas Bader, Martina Haas (beide TSG Reutlingen), Hartmut Digel, Werner Fink (beide TSV Betzingen), Günter Mollenkopf und Horst Hermanutz (beide PSV Reutlingen) benannt. (altho)

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