Immobilien - Nachfrage deutlich höher als das Angebot. Preise in Reutlingen ziehen stärker an als im Umland

Immobilien: Stadtlage immer beliebter

VON ULRIKE GLAGE

REUTLINGEN. Angebot und Nachfrage im Lot - das, sagt Willi Altenhof, hat's auf dem Immobilienmarkt eigentlich noch nie gegeben. Derzeit sei die Schieflage allerdings besonders deutlich ausgeprägt. »Das ist schon sehr drastisch«, so der Geschäftsführer von Krams, dem ältesten und größten Maklerbüro im Kreis.

Die Folgen für die Preisentwicklung sind klar. »Natürlich steigt's überall an, aber im Umland deutlich langsamer als in der Stadt«, sagt Altenhof.

Den Grund für die Entwicklung sieht Willi Altenhof wie alle anderen Berufskollegen auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise, gepaart mit dem »Eurogedöns«. »Es ist eine Inflationsangst entstanden.« Und der Wunsch nach sicheren Kapitalanlagen - bei den Häuslesbesitzern ebenso wie bei denen, die auf der Suche sind. Was, so Altenhof, einerseits zu einer ausgeprägten »Verkäuferzurückhaltung« führt, während andererseits Kaufinteressenten händeringend auf der Suche sind. Entsprechend schwierig ist die Situation für die Makler. »Manche haben kaum noch etwas anzubieten«, weiß Altenhof.

»Investoren sind interessiert, weil wir als bevorzigte Ecke gelten«
 

Von einem »Run« auf Immobilien wie in den Metropolen will er zwar nicht reden, wohl aber von »dem einen oder anderen Anleger mehr«. Das »Mehr« gilt nach der Beobachtung von Altenhof insbesondere für den gewerblichen Markt. »Investoren sind interessiert, weil wir als bevorzugte Ecke gelten.«

Aus dem Reutlinger Grundstücksmarktbericht 2011, der auf den Daten der zwei vorhergehenden Jahre basiert, wird deutlich, dass sich auch im privaten Bereich einiges bewegt. 1 348 Kaufverträge für Immobilien wurden 2010 abgeschlossen - ein Plus von sieben Prozent. Der Durchschnittspreis für ein Ein- beziehungsweise Zweifamilienhaus stieg ebenfalls um rund sieben Prozent auf rund 300 000 Euro an. Im Doppel- und Reihenhausbereich lag er bei 187 000 Euro, was einen Anstieg um acht Prozent ausmacht.

Jeder zweite Kaufvertrag in Reutlingen wurde für eine Eigentumswohnung abgeschlossen. Der Durchschnittspreis für eine gebrauchte Eigentumswohnung liegt seit drei Jahren unverändert bei rund 110 000 Euro. Auch der Kaufpreis einer Neubauwohnung blieb in diesem Zeitraum mit rund 240 000 Euro konstant. Mit 134 Einheiten im Jahr 2009 und 116 im Jahr 2010 wurden deutlich mehr neu errichtete Eigentumswohnungen verkauft wie in den Vorjahren - auch das ein Indiz, dass Investoren ihr Kapital vermehrt in Immobilien und hier vor allem in Wohnungseigentum anlegen.

Die vom Gutachterausschuss der Stadt Reutlingen alle zwei Jahre neu festgelegten und im Grundstücksmarktbericht aufgeführten Preise haben angezogen - allerdings nicht so dramatisch, wie man vermuten könnte. Die Richtwerte sind freilich nicht hochaktuell, müssen also abstrahiert werden, sagt Willi Altenhof, der selbst im Gutachterausschuss sitzt. »Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung, die sich damals abgezeichnet hat, weitergegangen ist.« Will heißen: Vor allem in der Stadt sind Immobilien in jüngster Zeit noch mal teurer geworden.

»Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung«
 

Für bevorzugte Wohnlagen an der Achalm wie der Schöne Weg oder die Richard-Wagner-Straße mussten Interessenten vor zwei, drei Jahren 395 Euro pro Quadratmeter hinblättern, mittlerweile liegt der Richtwert für den Quadratmeter bei 420 Euro. Es gibt aber durchaus Grundstücke an der Achalm, die sehr steil sind und daher auch unter 400 Euro pro Quadrameter gehandelt werden. In Toplagen werden aber die Preise mit bis zu 500 Euro pro Quadratmeter schon mal deutlich überschritten.

Stagnation herrscht dagegen in eher günstigen Wohngebieten wie etwa der Römerschanze: Dort liegt der Richtwert für den Quadratmeter unverändert bei 320 Euro.

Innerstädtisches Wohnen ist - nicht nur in Reutlingen - für junge Menschen ebenso wie für Ältere interessanter geworden, sodass die Preise hier deutlicher anziehen als in ländlichen Gebieten. »Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung«, sagt Altenhof. Ein Gefälle macht er auch bei den Reutlinger Vororten aus. Betzingen rangiert ganz oben in der Beliebtheitsskala - und den Grundstückspreisen, die beispielsweise in der Schwellerhalde bei 350 Euro pro Quadratmeter liegen.

Günstiger wird's in den etwas entlegenen Bezirksgemeinden wie Bronnweiler oder Gönningen. (GEA)



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