Zukunft ist morgen. Politik ist heute. Und heute muss gespart werden. Zum Beispiel bei der Kinderbetreuung. So sind im Reutlinger Haushaltsentwurf 500 000 Euro weniger für Kindergärten und Kindertagesstätten vorgesehen. Und das, nachdem in den vergangenen drei Jahren in Reutlingen drei Mal die Kindergartengebühren erhöht wurden. Eine vierte Erhöhung steht für September an.
Warum man stattdessen nicht mal die Gewerbesteuer erhöht, fragen sich die Vertreter des Gesamtelternbeirats der Reutlinger Kindergärten und Kindertagesstätten (Gerk). Zu Recht stellen sie die Frage nach einer gerechten Verteilung der Lasten.
Natürlich will keiner, der im Zahlenwerk des Finanzbürgermeisters mit einem Konsolidierungsbeitrag »gewürdigt« ist, was abgeben. Doch sind die Kinderlobbyisten nicht nur in eigener Sache am Werk. Die Gerk-Vertreter weisen auf die sozialen Folgen hin, wenn an der Kinderbetreuung gespart wird, aber auch auf die volkswirtschaftlichen. Dazu gibt es Zahlen.
Einem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge kommen bessere Betreuungsangebote den öffentlichen Kassen mit Milliardenbeträgen zugute, weil arbeitende Mütter Einkommensteuer und Sozialabgaben zahlen. Die Kommunen könnten, so haben die Fachleute errechnet, bis zu 1,5 Milliarden an Sozialhilfe für allein Erziehende sparen. In einer Studie der Universität Bielefeld wurde errechnet, dass jeder Euro, der in Kindertagesstätten-Plätze gesteckt wird, bis zu vier Euro einbringt.
Diese rosigen Zahlen setzen natürlich voraus, dass es genug Arbeit für alle gibt. Was derzeit nicht der Fall ist. Sie zeigen aber: Geiz muss nicht immer geil sein. Wie gut für die Politik, dass es die Quittung für verfehltes Sparen immer erst in der Zukunft gibt.
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