Stehparty - Weniger Außenbars, aber nicht sehr viel weniger Besucher am Sonntag in der Innenstadt

Heiligmorgen in Reutlingen: Dicht wie eh und je

VON ULRIKE GLAGE

REUTLINGEN. Weil der Heiligabend auf einen Sonntag fiel, gab's den traditionellen Reutlinger Heiligmorgen diesmal als »light«-Version - aber nur, was die Außenbars angeht. Die nämlich waren im Umgebungsbereich der Marienkirche tabu, weil das Gesetz Rücksicht auf Gottesdienstbesucher verlangt. Was ein echter Heiligmorgen-Fan ist, der lässt sich von solchen kleinen Einschränkungen nicht abhalten.

Das »Bermudadreieck« zwischen Oberamtei- und Kanzleistraße war auch ohne Außenbars so voll wie immer.
Das »Bermudadreieck« zwischen Oberamtei- und Kanzleistraße war auch ohne Außenbars so voll wie immer. FOTO: Jürgen Meyer
Vis-à-vis und Café Sommer, Oberamtei- und Kanzleistraße - in den Ballungszentren des Heiligmorgen gab's diesmal keine Außenbar-Genehmigung vom Ordnungsamt: Sie sind zu nahe an der Marienkirche, in der sonntagvormittags Gottesdienst ist. Manche meinten, die Ströme der Feierlustigen würden sich jetzt dahin verlagern, wo Open-Air ausgeschenkt werden darf. Wie in der Kaiserhalle. Gegen 11.30 Uhr ist es dort übersichtlich. Der Mann am Grill wendet seelenruhig die roten Würste. »Ein Bier, jawoll« - keiner muss warten. Noch nicht. »Unsere Stammgäste«, sagt Timo Arheidt vom Kaiserhallen-Team, »kommen später.« Die müssen ausschlafen, schließlich ging's am Samstagabend beim Auftritt von »Mason Finley« rund.

Einen sehr ausgeschlafenen Eindruck machen Franziska und Sarah, 18 und 19 Jahre alt. Sie sind schon auf dem Heimweg, Kochen und Kirche ist angesagt. Die Reutlingerinnen kommen vom Café Sommer. Jedes Jahr treffen sie sich dort mit Arbeitskollegen und Freunden. Sie schwärmen vom »schönen Zusammensein«. Diesmal sei's entspannter gewesen: »Man musste nicht so lange auf die Getränke warten wie sonst.«

Die obere Wilhelmstraße ist gut belebt. Vor dem Café Sommer stehen Menschentrauben. Auch vor dem Vis-à-vis. Drinnen ist es laut, warm, eng. »Hetz mich nicht« steht auf dem T-Shirt des Mannnes, der Getränke im Akkord über den Extra-Tresen reicht. In Dreierreihen stehen die Gäste davor. Draußen vor der Tür plaudern Alex und Florian. Beide 35, beide gerade Vater geworden. »Wir geben nicht mehr Vollgas«, sagt Alex und nippt am Glühwein. Dass es den diesmal nicht an der Außenbar gibt, »das verstehe ich schon, wegen der Marienkirche«. Andererseits sei der Heiligmorgen Reutlinger Tradition. »Das gehört einfach dazu.«

In der Fußgängerzone pfeift ein kalter Wind. »Guck mal, hier ist sogar offen«, sagt eine junge Frau und verschwindet im Café-Haus Veit, das so proppenvoll ist wie alle anderen geöffneten Cafés an diesem Tag. Kathrin Vollmer ist mit einer aufgekratzten Gruppe Freundinnen unterwegs. Sie finden es schade, dass es diesmal nicht die gewohnten Außenbars in der Innenstadt gibt. »Aber man bekommt überall was - wir machen das Beste draus.«

»Man bekommt überall was. Wir machen das Beste draus«
 

Der Lärmpegel steigt, je näher man der Marienkirche kommt: Das »Bermudadreieck« Oberamtei-/Kanzleistraße ist voll wie eh und je. Mittendrin steht Michael aus Orschel-Hagen mit seinem Freund. Von dem Außenbar-Verbot hält er nicht viel. »Entweder, oder - das ist doch ein Mischmasch. Wenn schon, dann hätte man es komplett absagen sollen«, meint er und spricht von einer »Mogelpackung«. Die 21-jährige Leonie steht mit einem Glas Prosecco mitten im Gedränge. Dicht an dicht. Doch das stört sie nicht im geringsten. »Ich komme gerade hierher, weil hier alle, alle alle sind«, strahlt sie. Das mit dem Außenbar-Verbot findet sie verständlich - zumindest »ein bisschen«.

Café Winkler, Alexandre, Irish Pub - hier sind die Außenbars schon wieder erlaubt, Menschentrauben knubbeln sich davor. Fast beschaulich geht es vor dem Café am Markt zu. Christiane, Margarete und Susanne haben eine Runde gedreht und sind hier hängen geblieben. Mit dem Gewühle in der Oberamteistraße haben die Endfünfzigerinnen nichts am Hut, schließlich wollen sich die Freundinnen unterhalten. Auch mit den beiden freundlichen jungen Männern, die mit ihnen das Stehtischchen teilen. Markus und Dennis, 21 und 23 Jahre alt, kommen aus Dettingen, sind zum ersten Mal beim Heiligmorgen dabei (»wir waren sonst immer brav daheim«) und finden es prima. Nicht ganz so prima wie in den Vorjahren finden Johannes und Michi den Heiligmorgen 2017. Mit Bierflasche in der Hand (»mitgebracht«) ziehen sie Richtung Rappen. »Es ist leerer als sonst«, sagt Michi, »ich komme hierher, um so viele wie möglich zu treffen - aber die finde ich heute nicht.«

Bernd Stöhr, Chef der Gewerbeabteilung des Ordnungsamtes, hat um 13 Uhr seinen Kontrollgang beendet. Und ist zufrieden. Diesmal ist er früher losgezogen als sonst. »Um neun Uhr sind die Wirte am Aufbauen, da kann man noch gegensteuern.« Doch die Gastronomen hätten sich an die Spielregeln gehalten. Die Besucher, so die Beobachtung von Stöhr, seien später gekommen als in den Vorjahren. Und die Laufkundschaft, die letzte Weihnachtseinkäufe mache und irgendwo hängen bleibe, habe gefehlt. Dass trotzdem viel los war, wundert ihn nicht. »Wir können's nicht verhindern. Und das wollen wir auch nicht.« (GEA)


 
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