Reutlingen
Stadthalle - Kulturschaffende verärgert über die nach wie vor nicht definierten Nutzungskosten für die Säle

Geschäftsführer der neuen Stadthalle in der Kritik

Von Monique Cantre

REUTLINGEN. Um die hundert Teilnehmer, weit mehr als gewöhnlich, fanden sich am Dienstagabend im Studio der Württembergischen Philharmonie zum »Runden Tisch Kultur« ein. Grund war Punkt 3 der Tagesordnung mit der Konkretisierung der Konditionen für die Nutzung der Stadthalle. Seit Monaten warten die Kulturvereine und professionellen Veranstalter auf konkrete Zahlen für die Saalmieten, um seriös planen zu können. Der Betrieb der Stadthalle soll ja bereits in knapp elf Monaten starten. Doch Volker Schmidtke, Geschäftsführer der Stadthallen-GmbH, konnte auch jetzt nicht damit dienen.

Volker Schmidtke ARCHIVFOTO: KUS
Volker Schmidtke FOTO: Markus Niethammer
Dafür ging er sofort in die Defensive und meinte klarstellen zu müssen: »Wir sind nicht im Dornröschenschlaf gewesen im letzten Jahr.« Sie hätten »die Aufbauten gemacht« und zwölf Leute eingestellt, was viel sei, aber die Halle sei ja auch groß. Allein zwei Leute würden für die Haustechnik gebraucht, wenn überhaupt nichts los sei. Und Schmidtke bekräftigte noch einmal: »Wir sind nicht in der Versenkung verschwunden.«

Das System, wie die Vereine abgerechnet würden, werde mit der Stadt zurzeit beraten. Indes, so Schmidtke: »Die Vereine beraten, schaffen wir nicht«. Stolz vermeldete er dann die Zusage des SWR für die Veranstaltung »Rock, Pop, Poesie« im Februar nächsten Jahres. Auf die Nachfrage, wie viel Zusagen er insgesamt für 2013 habe, antwortete er: »reichlich«, um dann zu präzisieren, dass 200 Anfragen eingegangen seien. »Die müssen einzeln durchgeplant werden.«



Bernhard Trebuth aus dem Stadthallen-Team erläuterte anhand von Plänen die technischen Möglichkeiten im großen und kleinen Saal, freilich ohne neuen Erkenntnisgewinn. Allerdings fiel auf, dass die Räume nun auch für Theater geeignet sein sollen - ohne spezielle Infrastruktur. Auf der Ebene des kleinen, mit Bühnenpodest für 300 Zuschauer konzipierten, Saales gibt es zum Beispiel keine Künstlergarderoben.

Eine Auskunft über die Nutzungskosten verweigerte Volker Schmidtke jedoch beharrlich trotz insistierender Nachfragen. Als Grund gab er an, dass für die Bestuhlung der Stadthalle der Stempel des Bauaufsichtsamtes fehle. Dass die Stühle jetzt ausgeschrieben würden und man erst danach wissen könne, welche Maße sie hätten und wie viele davon exakt in jede Reihe passten. Erst dann könne genau kalkuliert werden. Oder was es koste, Parkett für Bälle auf den mit Lüftungslöchern übersäten Boden aufzubringen, und ob dies die Stadt den Vereinen bezahle, sei auch noch nicht geklärt. Freilich stehe die Oberbürgermeisterin im Wort, dass jeder Verein wie bislang in der Listhalle einmal pro Jahr die Halle mietfrei nutzen könne.

Bürgermeister Robert Hahn präzisierte, dass nicht die Oberbürgermeisterin im Wort stehe, sondern dass der Gemeinderat mit Beschlussfassung 2005 festgelegt habe, dass das »Wunsch- und Wahlrecht« auf einen städtischen Saal pro Jahr für Vereine erhalten bleiben müsse. Im März werde dies konkretisiert.

Bei der Stadthallen-GmbH muss gebucht werden und zugleich beim Kulturamt gemeldet, dass man den Mieterlass beantragt. Die Finanzierung der Technik bleibt bei den Vereinen. In der Listhalle kommen pro Konzert schnell tausend Euro zusammen. Doch dafür gibt es für die Stadthalle noch überhaupt keine Angaben, nur die Befürchtung, dass es erheblich teurer werden wird.

Preislisten gefordert

»Sie werden staunen«, orakelte Volker Schmidtke, denn die Grundmiete werde vielleicht auf höchstens 500 Euro kommen. »Wollen Sie die Halle etwa ohne Licht vermieten?«, entgegnete Cornelius Grube, Intendant der Württembergischen Philharmonie und einer der Hauptnutzer der Stadthalle. Er forderte Preislisten, wie sie bei anderen Anbietern selbstverständlich sind. Sein Unmut traf sich mit vielen verärgerten Kommentaren in der Pause über die frustrierende Hinhaltetaktik des Geschäftsführers.

Moderatorin Edith Koschwitz brach die immer erregter werdende Diskussion ab, um die Versammlung mit allen Tagesordnungspunkten über die Runden zu bringen. Ihr Missfallen über Volker Schmidtkes Auftritt war unüberhörbar: »Ich habe darum gebeten, dass wir Konditionen gesagt bekommen. Das war die Erwartung.« Für den nächsten Runden Tisch Kultur im März verlangte sie von Schmidtke ausgearbeitete »Settings« für typische Veranstaltungen, etwa für Kammerkonzerte oder große Chorkonzerte, mit genauen Kostenangaben. (GEA)



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