Projekt - Frauen wollen erste Reutlinger private und Generationen übergreifende Hausgemeinschaft realisieren

Gemeinsam leben im »Wigwam«

Von Andrea Anstädt

REUTLINGEN. Was vor fünf Jahren als reines Frauenwohnprojekt »Seniora« mit einer Infoveranstaltung auf die Reise ging, hat sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt zum Mehrgenerationen-Wohnprojekt »Wigwam«, das Sibylle Höf, Ulrike Droll und Kirsten Levene auf einem knapp tausend Quadratmeter großen Grundstück in der Hans-Reyhing-Straße realisieren wollen.

Auf dem Foto sind Ulrike Droll (links) und Sibylle Höf auf dem Grundstück in der Hans-Reyhing-Straße zu sehen, wo sie ihr Mehrfamilienhaus verwirklichen wollen. Noch ist der Erdhügel allerdings das Reich der Brombeeren. FOTO: ANSTÄDT
Auf dem Foto sind Ulrike Droll (links) und Sibylle Höf auf dem Grundstück in der Hans-Reyhing-Straße zu sehen, wo sie ihr Mehrfamilienhaus verwirklichen wollen. Noch ist der Erdhügel allerdings das Reich der Brombeeren. FOTO: Andrea Anstädt
Mit ihrem Wohnprojekt einer privaten Hausgemeinschaft sind die drei Frauen in dieser Zeit durch Höhen und Tiefen gegangen. Doch Zweifel an seiner Richtigkeit kamen nie auf. Im Gegenteil: Sie halten ebenso hartnäckig wie optimistisch an ihrem Traum vom gemeinschaftlichen Leben als für sie ideale Wohnform im Alter fest, auch wenn die Vorzeichen im Lauf der Jahre andere geworden sind.

Mitbewohner gesucht

Die Weiterentwicklung und die damit verbundene Verkleinerung des ursprünglichen Wohnprojekts waren nämlich nicht freiwillig. Ihr Heim sollte »Seniora« nämlich in einer der frei werdenden und nicht dem Abbruch übergebenen Kasernen an der Ringelbachstraße beziehen. Und nicht nur das: »Wir hatten ins Auge gefasst, mit einer Kindertagesstätte und einem Café im Erdgeschoss eine Quartiersentwicklung anzustoßen, in Kooperation auch mit den dort ansässigen Institutionen und Vereinen«, erinnert sich Droll.

Doch die Verhandlungen mit der Stadt liefen letztlich ins Leere. Angesichts kontroverser Vorstellungen auch bei Preis und Grundstückszuschnitt sowie statischen Schwierigkeiten habe man das Kasernen-Projekt fallen lassen müssen. »Das hat uns fast zwei Jahre aufgehalten, viel Energie und auch Interessentinnen gekostet.«

In der Tat sind von einst rund 30 Interessierten nur Höf, Droll und Levene übrig geblieben, die fest entschlossen sind, die nächsten Schritte zu tun, nämlich die Umwandlung in eine GmbH sowie der Kauf des städtischen Grundstücks in der Reyhingstraße, dessen Option zum Jahresende ausläuft. Dafür brauchen sie allerdings noch weitere Mitbewohner. Erst bei insgesamt sechs bis sieben Bauwilligen, die ein Startkapital von 50 000 Euro mitbringen, kann das Mehrgenerationenprojekt »Wigwam« mit bis zu zehn Wohnungen Realität werden. Hinter dem Namen verbirgt sich im Übrigen kein wildromantisches Klischee eines naturnahen Stammeslebens, sondern er steht abkürzend für die Leitidee: »Wohnen In Gemeinschaft Wertschätzendes Achtsames Miteinander«.

Ein weiterer Grundsatz ist, dass das Haus, das barrierefrei und als Passivhaus nach neuesten Energiestandards geplant ist, Gemeinschaftseigentum sein soll. »Wir wollen ganz bewusst kein Privateigentum bilden. Die zu gründende GmbH ist Käufer des Grundstücks, wird das Haus bauen und auch vermieten«, sagt Sibylle Höf.

»Ich habe schon WG-Erfahrung, bin alleinstehend ohne Kinder und möchte im Alter eher wieder in so einer Wohnform leben«, nennt Ulrike Droll ihre Beweggründe pro »Wigwam«. »Sich auszutauschen und nachbarschaftliche Hilfe zu bekommen, wenn man sie braucht«, zählt Sibylle Höf weitere Pluspunkte des Zusammenlebens auf, von den kostensparenden Synergieeffekten nicht zu reden, wie Car-Sharing, gemeinsamer Einkauf, gemeinsames Kinderhüten, gemeinsame Freizeitgestaltung - und vielleicht auch gemeinsam eine Pflegeschwester anzustellen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Mit der Entscheidung pro »Wigwam« haben die beiden Frauen für sich auch die schmerzhafte Frage des Loslassens von lieb gewordenem geklärt. Nicht alle Interessierten haben dies geschafft: »Auch aus diesem Grund sind einige zwar theoretisch noch bei uns, aber eben nicht mehr, als das Projekt konkret wurde.« (GEA)

0 71 21/41 10 25

Weitere Infos


Detaillierte Informationen rund um ihr Mehrgenerationen-Wohnprojekt »Wigwam«, das vom Verein Frauen am Werk gefördert wird, präsentieren Sibylle Höf und Ulrike Droll am Mittwoch, 14. Juli, um 19.30 Uhr im Alten Rathaus. (an)



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