Bürgerversammlung - Altenburger Ortschaftsrat lud ein und das Publikum strömte. Transparente Kommunalpolitik

Gedankenspiele in der Festhalle

VON ANDREAS DÖRR

REUTLINGEN-ALTENBURG. Premiere gelungen: Die Bürgerversammlung lockte am Donnerstagabend etwa 180 Zuhörer in die Altenburger Festhalle. Der Ortschaftsrat, der die dreistündige Veranstaltung organisiert hatte, war sichtlich überrascht ob der positiven Resonanz. »Es freut uns, dass so viele Altenburger gekommen sind«, sagte Ortsvorsteher Frank Hofacker. Er legte aber Wert auf die Feststellung, dass dies keine städtische Veranstaltung war. »Eingeladen hat der Bezirksgemeinderat.«

Im Mittelpunkt standen Themen, die den Ortschaftsrat seit Monaten, wenn nicht seit Jahren auch in öffentlicher Sitzung beschäftigen: Klausurtagungen des Ortschaftsrates, Ortsentwicklung, Verkehr, bürgerschaftliches Engagement. Weil aber die Zuschauerbänke im Altenburger Rathaus oft genug leer bleiben, entschloss sich der Rat zu einer Bürgerversammlung - eine weise Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Das Publikum strömte und wurde mit kommunalpolitischer Transparenz belohnt.

Bevor aber die Referenten zur Sache kamen, präsentierten sich die Altenburger Vereine der Öffentlichkeit. Dazu zählten auch die Chöre des Männergesangsvereins und der Posaunenchor. Sie gaben ihre musikalischen Visitenkarten ab. Dann begann das Vortragsprogramm.

• Ergebnisse der Klausurtagung

Zwei Klausurtagungen hat der Ortschaftsrat im vergangenen Jahr organisiert. Zentrales Thema: Einen Rahmenplan zu erarbeiten mit dem Ziel, Altenburg so attraktiv zu machen, dass die Nordraumgemeinde bis zum Jahr 2020 2020 Einwohner zählt (der GEA berichtete). Altenburg verfüge schon heute über eine »hervorragende Infrastruktur in Bezug auf Kindergärten und Schule«. Es gelte, sagte Frank Hofacker, diese Versorgung zu erhalten und auszubauen. Angedacht sei darüber hinaus, das Waaghäusle zu einem Bürgertreff umzugestalten. Der Bezirksgemeinderat orientiert sich diesbezüglich an der Kulturscheune in Oferdingen und an der Zehntscheuer in Betzingen.

Der Ortsvorsteher brachte auch die Busanbindungen zur Sprache. Die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV) habe angekündigt, beim nächsten Fahrplanwechsel die Linie 31 auch am Wochenende nach Rommelsbach fahren zu lassen. Im Ortschaftsrat wird auch eine Busverbindung nach Oferdingen und die Anbindungen ins Industriegebiet Mahden diskutiert.

Frank Hofacker wies dann darauf hin, dass das Vereinszimmer auch von privat als Bürgersaal genutzt werden könne. Die Nutzungsbedingungen müssten noch ausgehandelt werden.

Der letzte Punkt in seinem Vortrag beschäftigte sich mit den Aufgaben des Bezirksamtes. »Das Rathaus kann keine Strafzettel verteilen«, sagte er. Und Ruhestörungen oder Verkehrssünden ahnte das Amt ebenso wenig. Das sei Sache des Amtes für öffentliche Ordnung oder des städtischen Vollzugsdienstes. Dann übergab Frank Hofacker das Wort an Sabine Freitag vom Amt für Stadtentwicklung und Vermessung.

• Ortsentwicklungskonzept

Im Zentrum ihres Vortrags standen das Ortsentwicklungskonzept, respektive die Ortsmitte - just jene Themen, die Sabine Freitag erst Ende Juni im Ortschaftsrat ausführlich beleuchtet hat (der GEA berichtete). Zwischen Donaustraße, Isarstraße und Römerstraße soll sukzessive die neue Ortsmitte wachsen. Die abschnittsweise Umsetzung beinhaltet den Bau eines neuen Volksbankgebäudes in einem ersten Bauabschnitt und dann einen Neubau für Gastronomie oder Einzelhandel. Diesbezüglich will sich die Nordraumgemeinde auf die Suche nach Investoren machen. Auch der Rückbau der Donaustraße soll dann in Angriff genommen werden.

Hans Weimar, selbst langjähriger Altenburger Ortschaftsrat, kritisierte, dass der Platz für eine wirkliche Ortsmitte an dieser Stelle zu klein sein. Frank Hofackers konterte, dass die Bebauung des städtischen Grundstückes Donaustraße 16 erst der Anfang sei und beispielsweise das Waaghäusle ebenfalls zur neuen Ortsmitte zählen soll. Der Bezirksbürgermeister äußerte sich aber skeptisch über die Aussicht, einen Vollsortimenter ins Dorf zu bekommen. »Altenburg ist zu klein.«

Basis für Sabine Freitags Ausführungen waren Semesterarbeiten von Studenten der FH Nürtingen. Sie hatten sich die Neugestaltung der Ortsmitte zur Brust genommen. Von 35 Arbeiten kristallisierten sich drei Favoriten heraus, die öffentlich ausgestellt wurden.

Fazit von Sabine Freitag: Am Donnerstag, 19. Juli, nimmt sich der Reutlinger Gemeinderat der Altenburger Ortsmitte an. Anschließend werden die Pläne für vier Wochen öffentlich ausgelegt. Parallel dazu laufen Verhandlungen mit der Reutlinger Volksbank wegen des Baus eines neuen Volksbankgebäudes in der Donaustraße.

• Verkehrsberuhigung

Ortschaftsrat Heinz Wezel hatte sich detailliert auf dieses Thema vorbereitet. Seine zentrale Frage lautete: Wie lässt sich der Verkehr in Altenburg beruhigen? Dazu kursieren in der Nordraumgemeinde eine ganze Reihe von Vorschlägen, die Heinz Wezel präsentierte - Vorschläge, die ebenfalls immer wieder öffentlich im Ortschaftsrat diskutiert wurden: Lückenampeln, Reduzierung der Fahrbahnbreite (Donaustraße), Verkehrsinseln, Hinweistafeln, Kreisverkehre, Verbot für Lastzüge (Isarstraße), Ausbau des ÖPNV, Nutzung der B 464 als Umgehung und Zufahrt zum Gewerbegebiet.

Welche der Maßnahmen, von denen die eine oder andere in den nächsten Wochen und Monaten bereits umgesetzt werden soll, tatsächlich finanziert werden können, müsse noch eruiert werden, sagte Heinz Wezel. Im Übrigen resultierten die Verkehrsprobleme Altenburgs in der »allgemeinen Zunahme des Straßenverkehrs« und in den Straßenplanungen und Baumaßnahmen, »deren Ursprünge bis in die Sechziger- und Siebzigerjahre zurückreichen«. Frank Hofacker betonte, dass es sich bei diesen Vorschlägen um eine Sammlung handle. Es liege keine Wertung zugrunde. »Es sind nur Gedankenspiele.«

• Bürgerschaftliches Engagement

Karl-Otto Dobler hielt einen abschließenden Vortrag über bürgerschaftliches Engagement - ein Thema, das der langjährige Bezirksgemeinderat immer wieder auch im Gremium zur Sprache bringt. Durch ein Miteinander von Jung und Alt könne es gelingen, den Ort für Neubürger attraktiv zu machen. Gleichzeitig führten lebendige Nachbarschaften dazu, dass sich die Altenburger in ihrer Gemeinde wohlfühlten. Es gebe zwar schon heute zahlreiche Institutionen wie beispielsweise Vereine, in denen sich Mitbürger engagierten. Trotzdem gebe es Menschen, die »nicht in organisierten Gemeinschaften aktiv werden wollen«, sagte Karl-Otto Dobler.

Vor allem den Wegfall des Altenkreises bedauerte der Ortschaftsrat. Doblers Hoffnung: Durch bürgerschaftliches Engagement lässt sich ein modifiziertes Nachfolgemodell etablieren. Generell sei es aber wichtig, nicht nur für Ältere etwas anzubieten, sondern mit ihnen zu arbeiten. Im Verbund mit der städtischen Abteilung für Ältere könne es gelingen, Entsprechendes auf die Beine zu stellen. Karl-Otto Dobler warb dafür, sich entsprechend einzubringen. Eine Liste, in die sich Interessenten eintragen konnten, hatte er gleich mitgebracht.

Nach mehr als drei Stunden beendete Frank Hofacker die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass ähnliche Treffen in unregelmäßigen Abständen etabliert werden sollen. »Ein Thema könnte beim nächsten Mal die Jugend in Altenburg sein.« Denn auch hier gebe es Gesprächsbedarf. (GEA)



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