Silvester - Die Reutlinger begrüßen das Jahr 2011 mit viel Fröhlichkeit und feiern fast folgenlos bis in den Morgen

Ganz entspannt gut reingerutscht

Von Carina Stefak

REUTLINGEN. »Rutsch gut rein!« Das wünscht man sich vielfach vor dem Jahreswechsel. Was nicht wörtlich zu nehmen ist, ist bei Glatteis und Minusgraden aber gar nicht so unwahrscheinlich. So auch in der Silvesternacht, doch die Reutlinger haben sich ganz gut um die gefrorenen Schneeberge auf den Straßen der Innenstadt herumgeschlängelt und den Weg von 2010 nach 2011 weitgehend ohne Blessuren überquert.

Silvester in Reutlingen 2010
Silvester in Reutlingen: Mit Fröhlichkeit das neue Jahr begrüßt. FOTO: Carina Stefak
Einen Gang runterschalten, alles etwas langsamer angehen lassen: Vielen war wohl eher nach einem entspannten Essen in gepflegter Atmosphäre mit romantischem Feuerwerk-Gucken als nach wilder Partymache. Einige Restaurants hatten dafür spezielle Silvestermenüs angeboten und ihre Gäste gleich mit mehreren Gängen verwöhnt. Das Konzept wird angenommen, die Tische sind restlos ausgebucht. Andrea Burk und Stephan Allgöwer hatten sich kurfristig entschlossen - und fast keinen mehr bekommen. »Wir hatten einfach keine Lust zu kochen«, wie die Reutlinger gerne zugeben.

Gemütlich darf's auch für Iris Hentschel sein. Aber zu bequem, das ist nichts für die Bempflingerin. Sie und ihr Mann verbringen den letzten Abend des Jahres auf der Silvesterparty ihrer Tanzschule und erleben einen gemütlichen Abend mit Drei-Gänge-Menü, DJ und »gepflegter Tanzmusik aus allen Jahrzehnten«, wie Fabrizio Laraia, Inhaber der »ADTV Tanzschule Dance + Music« ergänzt. Genau richtig also für das Paar. »Wir haben vor 30 Jahren zusammen getanzt, und jetzt, da die Kinder groß sind, wieder angefangen«, erzählt Hentschel. »Und zu Hause sitzt man ja doch nur auf der Couch«, seufzt sie und schmunzelt.

»Wir wollen hier die Aussicht genießen, sehen, wie's überall funkelt«
 

Auf selbiger wäre er schon längst eingeschlafen, ist sich Harald Letsche aus Reutlingen sicher. Wenn er sich nicht anders entschieden hätte. Mit seinen Lieben hat sich der Familienvater aufgemacht und den Reutlinger Hausberg be-stiegen. »Wir wollen die Aussicht genießen, sehen, wie's gleich überall funkelt«, sagt Letsche voller Vorfreude. Eine schöne Vorstellung. Sein Sohn Sven ist zehn und wohl der Einzige, der unverblümt zugibt, dass ihm einfach nur kalt ist. Wen man auch fragt, alle beißen die Zähne zusammen und pressen ein tapferes »geht schon« durch die Lippen.

Die Jugend macht Party - aber nicht (nur) in der City. Aus einigen Autos, die sich an der Absperrung vorbeigemogelt haben, dringt laute Fetenmucke, es wird getrunken, gelacht und heftig geknutscht. Überhaupt schafft der Berg mit seinem grandiosen Ausblick über die Stadt erst die richtige Pärchenromantik. Auch die Großen kuscheln fleißig - und das nicht nur wegen des Bodenfrosts. Aber noch immer ist es nicht zwölf...

Obwohl top gestylt ziehen auch Steffi Richter und Eileen Dewald die Achalm jeder Disco vor und haben eine gute Stunde Fußmarsch auf sich genommen. Oben werden schon vor Mitternacht die ersten Neujahrsgrüße verschickt. »Damit sie auch ankommen«, wie Steffi hofft. Ihre Finger zittern, die Nägel klappern auf den Tasten. Wie hält man das aus? »Das muss man aushalten«, findet Eileen und grinst. Vielleicht denkt sie aber auch schon an die geplante Fortsetzung des Abends: eine Kneipennacht im Warmen.

Fünf, vier, drei, zwei, eins: Jetzt ist es da, das neue Jahr. Fast eine Stunde lang fahren Raketen in den Himmel, erhellen ihn in allen Farben. Lange nach Mitternacht knallen noch einzelne Böller in den Gassen der Altstadt - und die Korken in den Kneipen. Während die Restaurants die Rollläden herunterlassen, geht's in den Bars erst richtig los. Sie füllen sich Minute um Minute. Die meisten Besucher lassen's aber ruhig angehen, das Jahr 2011. Sie sitzen gemütlich beisammen, stoßen mit Sekt und Cocktails auf ein »frohes Neues« an. Wer zu vorgerückter Stunde noch Energie hat, schiebt den Barhocker beiseite und bahnt sich einen Weg zur Tanzfläche. Ob zu Latin im »Mezcalitos« oder zu Hits der 70er, 80er und von heute im »P&K« - in den Morgenstunden bebt das Parkett.

Und auch die, die arbeiten müssen, wo andere feiern, nehmen's locker. Barbara und Lothar Dollinger haben in ihrem Achalm-Restaurant 160 Sieben-Gänge-Menüs aufgetischt - und einen Heidenaufwand damit gehabt. Bis alles stimmt, kann's dauern. Das gilt für die Deko auf der Crème brulée genauso wie für die Gästeliste. »Ich habe den Plan viermal geändert«, stöhnt die Wirtin. Einige Gäste hätten ihre Bestellung erst auf ihre erneute telefonische Nachfrage hin bestätigt oder abgesagt. Am Ende des Tages lächelt sie müde - aber zufrieden.

Und sogar in der Klinik ist man um 1.30 Uhr noch guter Dinge. Nur vereinzelt seien Leute mit Verbrennungen in der Notaufnahme gelandet. »Insgesamt ist es sehr ruhig«, sagt die operationstechnische Assistentin Sonja Feichtner. Sie und ihre Kollegen konnten sich sogar das bunte Himmelsspektakel ansehen - auf dem Hubschrauberlandeplatz. (GEA)




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Tanz, Musik und Feuerwerk

Silvester in Reutlingen

Silvester in Reutlingen 2010
FOTO: Carina Stefak
 
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