Reutlingen
Fußgängerbrücke - Bauausschuss und Verwaltung stehen zum Steg über die B 312. Alles Weitere ist offen

Fußgängersteg gesichert: Sanierung oder Neubau?

Von Roland Hauser

REUTLINGEN. Ob die Kuh, oder zumindest die »halbe Kuh« vom Eis ist, wie SPD-Stadtrat Johannes Schempp es formulierte, oder ob sie gar nie auf dem Eis war, wie CDU-Sprecher Rainer Löffler gestern Abend im Bauausschuss meinte: Weder Fußgänger noch Radler müssen die täglich von bis zu 68 000 Autos befahrene Konrad-Adenauer-Straße am Oskar-Kalbfell-Platz bald ebenerdig überqueren. Der in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Abbruch des dortigen Fußgängerstegs sei »aus Verkehrssicherheitsgründen nicht möglich und steht somit auch nicht zur Debatte«, bekräftigte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, was der GEA am Samstag vorab berichtet hatte.

Der Fußgängersteg über die Konrad-Adenauer-Straße.
Der Fußgängersteg über die Konrad-Adenauer-Straße. FOTO: Uschi Pacher
Fakt sei aber auch, so die Dezernentin, dass der Abriss des Brückenteils vor dem Tübinger Tor vom Gemeinderat beschlossen und die Abbrucharbeiten »termingerecht vergeben sind«. Dennoch habe man die Vorbereitungen nun so lange ausgesetzt, bis der Gemeinderat am kommenden Dienstag über die vorliegenden Anträge zum Thema beraten habe, erläuterte Hotz. Denn der Bau einer (nicht nur) von der Bürgerinitiative um Johannes Schempp und seinem Ratskollegen Dr. Werner Felix Schobel (WiR) geforderten behindertengerechten Rampe am künftigen Reststeg oder die Installation eines Aufzugs könnten nur vom Gemeinderat beschlossen werden.

»Dafür hätte man kein Ingenieurbüro gebraucht«
 

Gleiches gelte für den Eilantrag der Grünen und Unabhängigen, den Abbruch des Tübinger-Tor-Stegs so lange auszusetzen, bis eine Gesamtlösung auch für den Adenauersteg samt Abgang gefunden sei. Und für den gestern per E-Mail beim GEA eingegangenen CDU-Antrag an die Stadtverwaltung, eine »Planung und Kostenschätzung für den Neubau eines Fußgängerstegs über die Konrad-Adenauer-Straße in Richtung Grünanlage zwischen Tübinger Tor und Rathausstraße« zu veranlassen, »der auch die Zufahrt zum ZOB überspannt«. Man stehe jedoch, so Rainer Löffler in der Bauausschuss-Sitzung ergänzend, zum bereits beschlossenen Abbruch des heutigen Stegteils vor dem Tübinger Tor.



Falls es den Bauteams nicht gelinge, den verfahrensbedingten Zeitverlust aufzuholen, nimmt die Stadtverwaltung laut Ulrike Hotz in Kauf, »dass der Platz vor dem Tübinger Tor und auch der Eingangsbereich vor der Stadthalle nicht ganz termingerecht fertig wird«. Doch die öffentliche Diskussion habe gezeigt, wie wichtig das Thema und die intensive Beschäftigung damit seien.

Arno Valin, der Leiter des städtischen Straßenbauamts, untermauerte das Festhalten am Adenauersteg mit dem Ergebnis einer Untersuchung, die das Stuttgarter Ingenieurbüro Karajan gemacht hatte. Demnach kommt es »insbesondere in der Mittagszeit« zu einer »sehr hohen Fußgängerbelastung« auf dem Steg über die Bundesstraße: Eine Stichprobe am 1. Dezember habe ergeben, dass über Mittag sechzig Fußgänger pro Minute die Brücke nutzen, während gleichzeitig 4 258 Kraftfahrzeuge pro Stunde unter ihr durchbrausen.

Auch mit einer Mittelinsel und einem vergrößerten Aufstellbereich auf der Südseite der Adenauerstraße wäre ein ebenerdiger Fußgängerübergang nicht praktikabel, so Valin. Und abends, wenn der Autoverkehr auf knapp 5 000 Karossen pro Stunde anschwillt, ließe eine den Fußgängerbedürfnissen angepasste Ampelregelung den maximalen Rückstau auf der Adenauerstraße von jetzt 138 Metern auf 432 Meter wachsen.

Die Kosten für einen Neubau des Adenauerstegs einschließlich Treppe bezifferte der Amtsleiter mit 800 000 bis 1,15 Millionen Euro. Einschließlich behindertengerechter Rampe, die nach den geltenden Vorschriften 96 Meter lang sein müsste, komme ein neuer Steg auf 1,8 bis 2,15 Millionen Euro.

SPD-Rat Schempp, der sich am nächsten Dienstag für den Bau einer Rampe starkmachen wird und auf inzwischen tausend gesammelte Unterschriften verweist, spöttelte: Um festzustellen, dass eine Straße per Brücke sicherer zu überqueren sei als per Fußgängerfurt mit Ampel, hätte er »keine große Untersuchung« eines Ingenieurbüros gebraucht.

Wie es passieren konnte, dass der Gemeinderat »plötzlich vor einer Lösung steht, bei der man nicht weiß, wie die Leute vom Steg wieder runterkommen« - darüber sinnierte RSÖ-Stadtrat Thomas Ziegler. Er sei jedenfalls bis Anfang Dezember davon ausgegangen, dass die Stadtverwaltung an einem »vernünftigen Abgang nördlich der Konrad-Adenauer-Straße« arbeite.

Für den CDU-Vorschlag, einer veränderten Ausrichtung des Stegs in Richtung Rathausstraße, sei er jedenfalls aufgeschlossen. Auch für Ziegler kommt als »vernünftiger Abgang« nur eine Rampe infrage. Solange keine Lösung gefunden sei, solle der Steg in seiner ganzen Länge stehen bleiben. (GEA)



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