Reutlingen
Fußgängerbrücke - Der Steg vor dem Tübinger Tor fällt definitiv, der Reststeg erhält eine provisorische Rampe

Fußgängersteg: »Sternstunde der Politik«

Von Roland Hauser

REUTLINGEN. Es bleibt dabei: Der Fußgängersteg vor dem Tübinger Tor wird abgerissen. Die vorbereitenden Arbeiten, von der Stadtverwaltung »aus Fairness« verschoben, wie Oberbürgermeisterin Barbara Bosch es in der Gemeinderatssitzung gestern Abend formulierte, sollen am Donnerstag beginnen. Beschlusslage ist unverändert auch, wie berichtet, dass der Teilsteg über die Konrad-Adenauer-Straße unangetastet bleibt.

Der Abbruch des Stegs vor dem Tübinger Tor (gelb) steht unmittelbar bevor. Das Stegteil über die Adenauerstraße (rechts rot markiert) erhält am Abgang eine Treppe und eine provisorische Rampe. Der Eichendorffsteg (links) ist eine barrierefreie Alternative. GRAFIK: GROHE/GOLLER
Der Abbruch des Stegs vor dem Tübinger Tor (gelb) steht unmittelbar bevor. Das Stegteil über die Adenauerstraße (rechts rot markiert) erhält am Abgang eine Treppe und eine provisorische Rampe. Der Eichendorffsteg (links) ist eine barrierefreie Alternative. GRAFIK: GROHE/GOLLER
Vorerst jedenfalls: Denn mehrheitlich folgte der Gemeinderat einem mit heißer Nadel gestrickten interfraktionellen Antrag, wonach die Stadtverwaltung »Vorentwürfe und Kostenschätzungen« für einen Neubau veranlassen soll. In den Entwürfen, so heißt es in dem von CDU, SPD, FWV, FDP und WiR verfassten Papier, sind »Rampenlösungen am Abgang auf der Stadtseite vorzusehen« und die Kosten dafür separat auszuweisen.

Maximal 250 000 Euro

Auch der zweite Teil des fraktionsübergreifenden Antrags fand eine Mehrheit, wenngleich ihm nicht nur die Grünen, sondern auch CDU-Stadtrat Ernst-Ullrich Schmidt und die neue RSÖ-Fraktion die Zustimmung verwehrten (siehe Info-Box): Am Reststeg über die Adenauerstraße wird auch eine provisorische Baustellenrampe geschaffen - entweder als Holzkonstruktion, wie der Leiter der Stadthallen-Projektgruppe Klaus Kessler erläuterte, oder aus Gerüstbauteilen. Die Kosten hierfür bezifferte er mit 180 000 bis 250 000 Euro, wobei die Viertelmillion nach dem Wortlaut des interfraktionellen Antrags nicht überschritten werden darf.



Am sanierungsbedürftigen Steg über die Adenauerstraße sollen nur die notwendigsten Instandsetzungsarbeiten gemacht werden, solange nicht feststeht, ob er in dieser Form bleibt oder aber einem Neubau weichen wird, der dann auch, wie von SPD und CDU ins Spiel gebracht, eine andere Ausrichtung mehr in Richtung Rathaus bekommen könnte.

Doch das war gestern noch Zukunftsmusik. Mit dem interfraktionellen Antrag habe der Gemeinderat »Gestaltungskraft bewiesen«, meinte CDU-Sprecher Rainer Löffler. Außerdem gewinne man so Zeit, um eine dauerhafte Lösung zu finden, die sich momentan »jeder vielleicht etwas anders vorstellt«. Dass die Grünen und Unabhängigen dem fraktionsübergreifenden Gespräch ferngeblieben und mit einem eigenen Antrag vorgeprescht sind, wertete Löffler »fast als Affront«.

»Wir biegen heute in eine Zielgerade ein«, freute sich SPD-Rat Johannes Schempp über den gefundenen Konsens, »auch wenn wir den einen oder anderen Schlenker wohl nicht noch mal machen würden«. Der Vorwurf aus der Bürgerschaft, der Gemeinderat habe den Abbruch des Stegs vor dem Tübinger Tor beschlossen, »bevor klar war, wie es weitergeht«, sei ja nicht unbegründet. Mit dem von der Verwaltung vorgelegten Vorschlag einer provisorischen Baustellenrampe könne man aber »sicherlich gut leben«. Danke gebühre vor allem aber den Bürgern, die nicht zuletzt in Leserbriefen im GEA »einstimmig und klar gesagt haben, was Sache ist«.

Liberale ziehen mit

FWV-Sprecher Jürgen Fuchs erinnerte daran, dass seine Fraktion zunächst (wie die Grünen in einem Eilantrag vom 11. Januar) den Aufschub der Abbrucharbeiten favorisiert hatte, bis eine Gesamtlösung gefunden vorliegt. Doch mittlerweile habe die Verwaltung signalisiert, dass der Zeitdruck groß und mit Abstandszahlungen zu rechnen sei, wenn die Arbeiten nicht vereinbarungsgemäß begonnen werden könnten.

Dass man nun gemeinsam eine Lösung gefunden habe und dass auch die FDP mitgezogen habe, die ja zumindest in Teilen den Abriss des Adenauerstegs propagierte, sei eine »Sternstunde der Politik«, meinte Fuchs. »Kein Problem«, meinte FDP-Fraktionschef Julius Vohrer dazu: »Wir brauchen eine sofortige Lösung mit der die Bürger leben können«. Und auch WiR-Stadtrat Hans Wucherer freute sich, dass man nun in Ruhe etwas Vernünftiges planen könne.

Stefan Dvorak (Amt für Stadtentwicklung), Albert Keppler (Ordnungsamt)und Klaus Kessler (Stadthallen Projektgruppe) erläuterten Überlegungen derStadtverwaltung zur Verkehrssicher-heit am Zentralen Omnibusbahnhof(ZOB) nach dem Abbruch des dortigenStegteils. Dies deckt sich mit den Darstellungen im GEA-Artikel »Mehr Übersicht, mehr Sicherheit« vom Samstag,21. Januar, unter www.gea.de/detail/2392747 (siehe auch Link am Artikelende)

Am Ende der Gemeinderats-Debatte über den Bau einer Rampe am Steg über die Konrad-Adenauer-Straße galt es, über diverse Anträge abzustimmen, die zum Teil erst am Sitzungstag eingegangen waren. Hier eine Übersicht mit den gerafften Inhalten und Abstimmungsergebnissen.

Ernst-Ullrich Schmidt, CDU: Der Reststeg vor dem Tübinger Tor soll zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abgerissen werden. Die »enormen Kosten für ein Provisorium« am Stegteil über die Konrad-Adenauer-Straße für Treppe und Rampe könnten so gespart, eine »bessere Lösung« ohne Zeitdruck gefunden werden. Wird mehrheitlich bei sieben Ja-Stimmen (Schmidt, RSÖ, Grüne außer Gabriele Janz, die sich enthält) abgelehnt.

Reutlingen sozial und ökologisch: Der Steg vor dem Tübinger Tor soll - wie am 11. Januar zunächst von den Grünen beantragt - erst abgerissen werden, wenn eine Gesamtlösung für das Stegteil über die Konrad-Adenauer-Straße samt Rampe gefunden ist. Wird mehrheitlich bei sieben Ja-Stimmen (siehe oben) abgelehnt.

Grüne und Unabhängige: Wie gestern gemeldet, soll bereits die provisorische Rampe, die nach dem Abbruch des Teilstegs am Adenauersteg entsteht, nach der geltenden DIN-Norm behindertengerecht ausgeführt werden. Wird mehrheitlich bei vier Ja-Stimmen (Grüne) abgelehnt.

Interfraktioneller Antrag, Punkt eins: Die Verwaltung veranlasst »Vorentwürfe und Kostenschätzungen« für den Neubau eines Fußgängerstegs über die Konrad-Adenauer-Straße mit Rampe. Mehrheitliche Zustimmung bei vier Nein-Stimmen (Grüne).

Interfraktioneller Antrag, Punkt zwei: Am Abgang des Stegs über die Adenauerstraße wird in Ergänzung zur bereits vorgesehenen Baustellentreppe eine provisorische kostengünstige Baustellenrampe erstellt, die nicht der DIN-Norm entspricht. Mehrheitliche Zustimmung bei acht Nein-Stimmen (Grüne, RSÖ, Schmidt).



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