Brauchtum - Sackelhausener Kirchweih lockt rund 300 Besucher in die Rommelsbacher Wittumhalle

Frieden und Freiheit: »Ein großes Geschenk«

REUTLINGEN-ROMMELSBACH. Am 17. September 1944 kam der Befehl zur Räumung Sackelhausens – einem der Dörfer der Banater Schwaben. Die deutsche Bevölkerung sollte vor dem Vormarsch der Roten Armee fliehen und nur wenige Sackelhausener blieben. Zwar kehrten später einige der Geflüchteten nach Rumänien zurück, zahlreiche Flüchtlinge blieben aber auch in Deutschland und bauten sich vornehmlich im Südwesten eine neue Heimat auf. Mit der alten blieben sie dennoch verbunden – und so feierte die Heimatortsgemeinschaft Sackelhausen (HOG) am Samstagabend bereits das 58. Kirchweihfest mit Heimattag in Reutlingen. Rund 300 Besucher kamen dazu in die Rommelsbacher Wittumhalle.

Früher mehrere Tage

Mit dem Kirchweihfest feierten die Sackelhausener einst die Einweihung ihres Gotteshauses. »Früher ging dieses Fest über mehrere Tage«, erzählt Annemarie Pittner aus dem HOG-Vorstand. »Und am Sonntag darauf gab es die Nach-Kirchweih.« Das ganze Dorf kam damals zusammen, auch nach dem Zweiten Weltkrieg bewahrten sich die gebliebenen Sackelhausener diese Tradition. Erst in den 1980er-Jahren verließen die meisten der verbliebenen deutschen Bewohner das heutige Sacalaz.

Viele von ihnen suchten den Anschluss an die bereits in früheren Jahren geflohenen Sackelhausener. Das galt auch für Annemarie Pittner und ihre Familie, die 1980 nach Deutschland kam. »Zwei Schwestern meiner Oma lebten damals schon in Reutlingen«, berichtet die HOG-Kassiererin. Das jährliche Kirchweihfest soll die Verbundenheit mit der alten Heimat und ihren Traditionen zeigen, aber zugleich auch ein Fest für diejenigen sein, die sich bis heute in dieser Gemeinschaft zusammengehörig fühlen. »Wir haben Besuch aus der ganzen Bundesrepublik«, sagt Pittner. »Man kommt schnell ins Gespräch, manche hat man schon ewig nicht mehr gesehen.« Viele aber doch – beim letzten Kirchweihfest.

In diesem Jahr begann das Fest bereits am Freitag mit einigen Jahrgangstreffen – im Mittelpunkt standen dieses Mal die 60-Jährigen. Am Samstagnachmittag folgte ein Gedenkgottesdienst in der Aussegnungshalle auf dem Friedhof Römerschanze. »Das war sehr schön, die Halle war voll«, berichtet Pittner.

Der Banater Chor Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald und die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen – die auch am Abend in der Wittumhalle für Unterhaltung sorgte – umrahmten dabei den Gottesdienst von Pfarrer Peter Zillich.

Für den Jahrgang 1954 hielt Margarethe Hummel die Festrede. »Heute können die meisten wieder sagen, dass wir zu Hause angekommen sind«, beschrieb Hummel die Situation der früheren Sackelhausener. »Im Angesicht dessen, was in der Welt passiert, empfinden wir es als großes Geschenk, in Frieden und Freiheit leben zu können.« Im Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege legten die Sackelhausener anschließend einen Kranz nieder.

Mit Rosmarin-Schmuck

Am Abend folgte der heitere Teil in der Wittumhalle. Als Vortänzer der Trachtenpaare fungierten Martina und Andreas Buchmann, die zugleich den Kirchweih-Strauß in die Wittumhalle trugen und diesen selbst beim Tanz zunächst nicht aus den Händen gaben.

Später wurde der geschmückte Kirchweih-Strauß an Hilde und Johann Lutz verschenkt, die sich im vergangenen Jahr in der HOG-Arbeit hervorgetan hatten. Nach dem Singen der Banater und der deutschen Nationalhymne füllte sich das Parkett rasch – unter den Tänzern war auch der Reutlinger Landtagsabgeordnete Dieter Hillebrand. Viele Tänzer trugen dabei einen Rosmarin-Schmuck – ein Symbol, dass man früher in Sackelhausen bei allen festlichen Anlässen getragen hatte. (GEA)



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