Ehrung - Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg geht an den Förderverein »Ortskern Betzingen«

Förderverein »Ortskern Betzingen« erhält Bürgerpreis

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN-BETZINGEN. Es brauchte nach den Worten von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch »Mut, Liebe zum Detail, Durchhaltevermögen, Zähigkeit« und noch einiges mehr, um sich vor rund dreizehn Jahren an solch ein Projekt wie die Sanierung der damals eher abbruchreifen Zehntscheuer zu wagen. »Als wir die Gründung eines 'Fördervereins Ortskern Betzingen' geplant haben, war in keiner Weise klar, wie sich die Dinge entwickeln würden«, erinnerte der Vereinsvorsitzende und Bezirksbürgermeister Thomas Keck an die Anfänge.

Erfreut nahmen Hagen Kluck und Thomas Keck (Zweiter und Dritter  von links) in der Zehntscheuer den mit 5?000?Euro dotierten Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg von Ingo Rust (Zweiter  von rechts) entgegen.
Erfreut nahmen Hagen Kluck und Thomas Keck (Zweiter und Dritter von links) in der Zehntscheuer den mit 5 000 Euro dotierten Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg von Ingo Rust (Zweiter von rechts) entgegen. FOTO: Norbert Leister

Schmuckkästchen des Ortes

»Konkreter Anlass zur Vereinsgründung war die Idee, die seit langer, langer Zeit im 'Dornröschenschlaf' schlummernde, historische Betzinger Zehntscheuer zu restaurieren und zum Bürgerhaus umzunutzen«, erläuterte Keck weiter. Natürlich wurde die Feierstunde zur Verleihung des Bürgerpreises 2016 der Denkmalstiftung Baden-Württemberg in Betzingens sanierter Zehntscheuer, also im »Schmuckkästchen« der Gemeinde, abgehalten.

»Die Sanierung und der Erhalt von Denkmalen ist quasi die Pflicht, um den Preis verliehen zu bekommen«, betonte Ingo Rust als Kuratoriumsvorsitzender der Denkmalstiftung. »Die Kür ist aber eine sinnvolle Nutzung im Anschluss«, so Rust weiter. Beides sei dem Betzinger Förderverein mit Bravour und Bestnoten gelungen – Grund genug also für die Stiftung, den diesjährigen Bürgerpreis an Reutlingens größte Bezirksgemeinde zu vergeben.

Unglaubliche 4 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit hatten die Freiwilligen in die Sanierung der Zehntscheuer gesteckt. Im Gegenwert seien das 50 000 Euro, so Thomas Keck. »Das bedeutete aber keinen Befreiungsschlag angesichts einer Gesamtstumme von 1,45 Millionen Euro an Kosten«, sagte der Vereinsvorsitzende. »Aber über einen langen Zeitraum hier jedes Wochenende auf der Baustelle zu sein – das hat was mit Identifikation mit dem Gebäude und auch mit dem Ortsteil zu tun«, lobte Bosch die ehrenamtlichen Handwerker.

Ansteckend sei dieser Eifer gewesen, nicht zuletzt Baubürgermeisterin Ulrike Hotz hat sich laut OB ebenfalls mit viel Leidenschaft auf das Projekt eingelassen. Einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Sanierung hatten zudem die Architekten Andreas Hartmaier und Jochen Schmid, finanziell vor allem die Stadt Reutlingen, das Landessanierungsprogramm und eben auch die Denkmalpflege sowie die Denkmalstiftung des Landes.

Mit der Hand am Arm

Die freiwilligen Mitarbeiter auf den Baustellen hatten neben aller Arbeit »mit der Hand am Arm«, so Keck, obendrein noch die Frage beantworten müssen, »ob sie noch ganz gescheit sind«, wie Bosch erinnerte. Schließlich waren nicht wenige in der Betzinger Bevölkerung damals der Auffassung, dass diese Ruine doch besser plattgemacht gehörte. »Heute reißt hingegen keiner mehr leichtfertig Denkmale ab, da besteht eher die Gefahr des langsamen Zerfalls«, betonte die Oberbürgermeisterin auch mit Blick auf die Oberamteistraße in Reutlingen.

Doch am Donnerstagabend sollte gefeiert werden – das geschah zum einen mit dem Duo »Wooden Merge« und »New Irish Folk« als musikalische Umrahmung sowie mit einem »rustikalen schwäbischen Imbiss«, den die fünfköpfige Männer-Kochgruppe des Fördervereins servierte. Was darunter zu verstehen war? »Maultaschen als Fingerfood«, erklärte Martin Rupp.

Zuvor gab es aber noch mehr lobende Worte: »Wenn sich die Bürgerschaft so stark einsetzt, kann das nicht hoch genug eingeschätzt werden«, so Barbara Bosch. Zumal sich der Förderverein »Ortskern Betzingen« ja nach der Sanierung der Zehntscheuer auch noch an die Mußmehlstraße 4-6 gewagt hatte.

Betzingens Ortskern habe mit der Sanierung, dem Erhalt und der jetzigen Nutzung beider Projekte »einen Quantensprung nach vorne gemacht«. Thomas Keck sagte dazu: »Der Preis ist uns Ehre und Verpflichtung, den bisherigen Weg des Vereins weiter zu gehen.« Angesprochen hatte er damit, dass ja die »historische und vollständig erhaltene Getreidemühle noch auf eine Sanierung und neue Nutzung« wartet. (GEA)



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