Ohmenhausen - Ortschaftsrat bleibt bei Änderungsanträgen für Holzbauten in der Christian-Fauser-Straße

Flüchtlingsunterkunft nicht ohne Aufenthaltsräume

VON ULRIKE GLAGE

REUTLINGEN-OHMENHAUSEN. Vor eineinhalb Jahren hat der Ohmenhäuser Bezirksgemeinderat dem Bau einer Flüchtlingsunterkunft in der Christian-Fauser-Straße zugestimmt - allerdings mit Änderungswünschen. Die zielten darauf ab, Konflikte in dem Gemeinschaftsbau und mit den Nachbarn zu vermeiden. Jetzt bekamen die Ohmenhäuser die überarbeiteten Pläne wieder auf den Tisch. Von ihren Anträgen fand sich freilich so gut wie nichts darin wieder. Das Gremium wiederholte deshalb seine Änderungsanträge.

Holzbauten für Geflüchtete  wie in Altenburg soll es bald auch in Ohmenhausen geben.
Holzbauten für Geflüchtete wie in Altenburg soll es bald auch in Ohmenhausen geben. FOTO: Markus Niethammer
Die Sitzung war in weiser Voraussicht in den geräumigen Saal der Alten Dorfschule verlegt worden. Der war dann auch gut voll: Über 30 Ohmenhäuser - die meisten aus der Nachbarschaft der Christian-Fauser-Straße - waren gekommen, um mehr über die Flüchtlingsunterkunft zu erfahren. Und kritische Fragen zu stellen. Braucht man die Unterkunft überhaupt noch? Warum ist sie auf einmal teurer? Kann man sie noch kippen? Gibt es keine Alternativen? Was ist mit der Sicherheit, was mit den Schadstoffen, von denen plötzlich die Rede ist? Und was passiert, wenn sich Ohmenhausen weigert?

Keine Fluktuation

Eine gute halbe Stunde nahm der Tagesordnungspunkt vor Eintritt in die eigentliche Sitzung ein. Die meisten Fragen musste Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn beantworten, doch auch Bezirksbürgermeisterin Heide Schnitzer konnte Auskunft geben. So klärte sie beispielsweise darüber auf, warum der Gemeinderat in seiner Sitzung am 26. September über die Gemeinschaftsunterkünfte in Mittelstadt und Degerschlacht diskutiert hatte, Ohmenhausen aber vertagt wurde. Der »banale« Grund, so Schnitzer, war der Sitzungsplan: Bei der Terminierung wussten die Ohmenhäuser noch nicht, dass die Verwaltung das Thema schon Ende September in den Stadtrat bringen will. Eine Verschiebung des Ohmenhäuser Oktober-Termins war aber nicht mehr möglich.

Bürgermeister Hahn erläuterte, warum an der Umsetzung der schon 2015 beschlossenen Standorte in den Stadtbezirken kein Weg vorbeiführt. Noch immer gebe es »namhafte« Flüchtlingszugänge, nicht zuletzt wegen des Familiennachzugs. Bisher habe man in den Unterkünften eine Fluktuation von 20 Prozent gehabt. Die tendiere nun gegen Null wegen der inzwischen eingeführten Wohnsitzauflage und der Tatsache, dass es kein Ausweichen für die Bewohner auf den freien Wohnungsmarkt gebe. Bis Dezember müsse die Stadt weitere 397 Geflüchtete, im Jahr 2018 voraussichtlich noch mal 535 Menschen unterbringen. »Das ist kein Wunschkonzert, sondern durch das Flüchtlingsaufnahmegesetz eine Pflichtaufgabe, der sich niemand entziehen kann«, stellte er klar. Wegen der aktuellen Zahlen sei es auch nicht möglich, an den neuen Standorten mit nur einem Gebäude für 60 Personen zu beginnen. »Wir sind gezwungen, alles am Stück zu bauen.«

Hahn machte auch deutlich, dass es zu den Holzbauten aus Sicht der Verwaltung wenig Alternativen gibt. Container seien noch teurer, leer stehende »Bestandsbauten« stünden nicht zur Verfügung oder seien wegen immenser Umbaukosten indiskutabel. Wie lange die nur auf Zeit gedachten Holzmodule benötigt werden, könne derzeit niemand sagen.

Katja Büchel, Chefin des städtischen Gebäudemanagements, ging auf die äußere und innere Struktur der beiden Holzbauten ein. Neu aufgenommen sind jeweils ein Familienbereich pro Bau mit zwei Zimmern, Küchenzeile und Sanitärraum. Durch die Umplanung hat sich der Platz verringert, statt 120 können maximal 114 Menschen untergebracht werden. Vorgesehen ist eine Drei-Bett-Belegung pro Zimmer.

Schadstoffe im Boden

Dass im Boden Schadstoffe sind, wurde zwar festgestellt, ließ Büchel wissen. Um was genau es sich handelt, werde beim Aushub geprüft. »Schlussendlich« müsse entsorgt werden. Nicht zuletzt wegen der Kontaminierung wurde ein Posten für »Unvorhergesehenes« in Höhe von 287 000 Euro einkalkuliert bei den Gesamtkosten. Die belaufen sich auf 4,34 Millionen Euro. In der ersten Vorlage waren die Kosten nur mit 2,7 Millionen beziffert. Die beträchtliche Steigerung erklärte Robert Hahn damit, dass die ersten Planungen auf Kostenschätzungen beruhten. Nachdem aber zwei Unterkünfte in Holzbauweise realisiert wurden, sei man schlauer: »Die Schätzungen waren zu weit weg von der Realität, die der Wettbewerb uns gegeben hat.«

Ortschaftsrat Manfred Salzbrunn bemängelte, dass die Verwaltung den Beschlussvorschlag geändert habe, ohne das Ohmenhäuser Gremium zu informieren. »Wir hätten zu einem früheren Zeitpunkt ins Gespräch kommen können.« Denn offensichtlich gibt es Unstimmigkeiten. Die brachte Heide Schnitzer auf den Punkt. Die Einplanung von Familienbereichen in den Unterkünften bewertete sie als positiv. Dass aber nur noch für ein statt bisher für beide Gebäude ein Besprechungsraum vorgesehen ist, sei »sehr problematisch«. Der Ortschaftsrat habe 2016 die Vorlage sehr ausführlich beraten und sei zu dem Schluss gekommen, dass es in jedem Stockwerk einen frei zugänglichen Aufenthaltsraum für die Geflüchteten geben solle. »Mit drei Leuten auf einem Zimmer kann es arg eng werden«, nannte Rätin Ronja Nothofer einen der Gründe.

Der Bezirksgemeinderat sah keinen Anlass, an seinem Beschluss von 2016 zu rütteln. Er wiederholte also seine Änderungsanträge: Pro Stockwerk soll es einen Aufenthaltsraum geben, im Freibereich eine überdachte Sitzmöglichkeit, und eine Grillstelle. Küchen- und Sanitärräume sollen erweitert und der Sportplatz zur Straße hin mit einem Zaun abgesichert werden. »Wir wollen als Signal an den Gemeinderat weitergeben, dass das für uns wichtige Anliegen sind«, begründete Heide Schnitzer die Wiederholung. (GEA)

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