Reutlingen
Neujahrsempfang - Finanzämter Reutlingen und Tübingen in der IHK-Akademie. Zufriedenheit über Steueraufkommen. Probleme mit Software sorgen für Verzögerungen

Finanzamt Reutlingen: Gute Zahlen, böse EDV

Von Alexander Rabe

REUTLINGEN. Im Mittelpunkt des Interesses stand beim gestrigen gemeinsamen Neujahrsempfang der Finanzämter Reutlingen und Tübingen vor allem eine Frau: Sigrid Brucker-Maschke. Die neue Vorsteherin des Reutlinger Finanzamtes, seit November 2011 in Amt und Würden, musste besonders viele Hände schütteln. Schließlich nutzten die geladenen Steuerberater beider Amtsbezirke die Gelegenheit, die neue Chefin von 390 Beschäftigten kennenzulernen.

Reutlingens Finanzamts-Vorsteherin Sigrid Brucker-Maschke mit ihrem Tübinger Pendant Dieter Möhler (Zweiter von rechts), IHK-Bereichsleiter Dr. Jens Jasper (Zweiter von links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp (links). FOTO: RABE
Reutlingens Finanzamts-Vorsteherin Sigrid Brucker-Maschke mit ihrem Tübinger Pendant Dieter Möhler (Zweiter von rechts), IHK-Bereichsleiter Dr. Jens Jasper (Zweiter von links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp (links). FOTO: Alexander Rabe
Nachdem auch der letzte Gast begrüßt war, nahmen die Steuerexperten im großen Vortragsraum Platz, wo zunächst Tübingens Finanzamts-Chef Dieter Möhler das Wort ergriff. Der machte schnell klar, dass das Jahr 2011 für die Finanzämter als heiter bis wolkig einzuordnen ist und startete mit erfreulichen Nachrichten. Mit einem Steueraufkommen von 951,8 Millionen Euro habe man in Tübingen ein großes Plus verzeichnet, wobei Lohnsteuer und Umsatzsteuer die »großen Blöcke« darstellten.

Steuerbescheide kommen später

Allerdings sei das vergangene Jahr für die Steuerverwaltungen sehr schwierig gewesen. Die problematische Umstellung der Software in den Finanzämtern inklusive eines zweiwöchigen Produktionsstopps im April habe den Betrieb aufgehalten. Die dadurch entstandenen Arbeitsrückstände seien bis heute nicht aufgeholt. Im Herbst gab es erneut Probleme. Die geplante Einführung der elektronischen Lohnsteuer (»ELStAM«: elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale), von der sich die Ämter eine Verbesserung der Effizienz versprachen, musste wegen technischer Probleme auf 2013 verschoben werden.

Für den Steuerzahler haben all die Verzögerungen und neue gesetzliche Bestimmungen direkte Auswirkungen. Laut Möhler, der sich auf eine Pressemitteilung des Finanzministeriums berief, werden voraussichtlich bis Ende März keine Steuerbescheide für das Veranlagungsjahr 2011 rausgehen. Ob dieser aktuellen Meldung war das Raunen unter den versammelten Steuerberatern im Saal groß.

Dann trat Sigrid Brucker-Maschke ans Rednerpult, gab einen kurzen Überblick zu ihrer Laufbahn und erklärte, dass neben ihr noch viele weitere Neulinge die Arbeit im Reutlinger Finanzamt aufgenommen haben. Darunter ihr Stellvertreter Dr. Wilfried Herter und einige Sachgebietsleiter, die sie gleich vorstellte.

Bezüglich der von Dieter Möhler angesprochenen Zeit-Rückstände sagte die Vorsteherin, dass diese in Reutlingen noch größer seien als in Tübingen. »Wir hoffen, dass wir das aufholen, aber die zu tragenden Rucksäcke sind schwer.«

Das Gesamtsteueraufkommen des Reutlinger Finanzamtes habe mit 903,4 Millionen Euro den Vorjahreswert um knapp fünf Prozent übertroffen, was auch an den überaus guten Einnahmen im Dezember lag. Im Gesamtaufkommen seien knapp 102 Millionen Erbschaftsteuer enthalten. Den stärksten Anteil habe aber »wie üblich« die Lohnsteuer ausgewiesen, gefolgt von der Umsatzsteuer.

Eine Neuerung gebe es derweil bei den Vordrucken zur Steuererklärung. Die würden nicht mehr per Post zugesandt, sondern lägen bei den Gemeinden oder direkt beim Finanzamt aus. Im Internet könne man die Formulare herunterladen und gleich am PC ausfüllen.

Vortrag von Carl Friedrich Vees

Nach einem Grußwort von Steuerberater-Vertreter Heinz Raschdorf bekam der Gastredner 30 Minuten Redezeit eingeräumt. Nachdem der Reutlinger Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid absagen musste, sprang Ministerialrat Dr. Carl Friedrich Vees vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft ein. Er erläuterte die sogenannte E-Bilanz. Alle bilanzierenden Unternehmen werden danach verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse elektronisch an die Finanzbehörden zu übermitteln - allerdings erst ab 2013. (GEA)


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