Feuer und Eis - Zusammenspiel der Elemente fasziniert die Menschen massenhaft. Shopping-Fans beweisen Kondition
Feuer und Eis: Figureneis und Flammentanz
Von Carina Stefak
REUTLINGEN. Pudelmütze auf und Handschuhe an, rundherum dick eingepackt: Wer an diesem Abend auf der Piste ist, wird's früher oder später brauchen. »Feuer und Eis« heißt zwar das Motto, dennoch dominieren in dieser langen Einkaufsnacht definitiv die kühlen Temperaturen. Reutlinger und Auswärtige lassen sich dennoch nicht schrecken und strömen zahlreich in die Altstadt.
Drei Tonnen schwer: Am Marktplatz entsteht aus Eis der Lichtenstein.
FOTO: Jürgen Meyer
Schon kurz nach sieben herrscht Gedränge am Albtorplatz. Dort zeigen Eisläuferinnen der TSG, was sie draufhaben auf den Kufen. Schon beim Einlaufen geben sie alles und manchmal auch ein bisschen zu viel: Hier und da landet eine auf dem Popo. Verschiedene Gruppen zeigen ihre Küren, zwischendrin gibt's Einzeldarbietungen. So wie die von Celine Lorenz. Gleich zu Beginn flutschen ihr zwar die Beine weg, doch ansonsten geht alles glatt.
Gerade mal fünf Tage hat sie ihren Tanz geübt, hat ihn sich selbst ausgedacht. »Ein bisschen hat meine Trainerin geholfen«, gibt die Elfjährige gerne zu. Locker-lässig flitzt sie über die Bahn, begeistert die Zuschauer an der Bande. Auch sie ist ganz zufrieden mit ihrem Lauf. »Nur beim Axel hatte ich Schiss, aber er hat gut geklappt.«
Knallig bunt in Richtung Himmel
Zacken- und sternförmige Lichtinstallationen ragen quietschbunt in den Himmel. Nicht, wie letztes Jahr, alle paar Meter, sondern eher punktuell: Am Linden- und Zunftbrunnen in der oberen Wilhelmstraße, an der Citykirche und beim Tübinger Tor tauchen sie die Stadt in warmes Licht.
Kalt wird's am und um den Marktplatz herum: Eisskulpturen in Form eines Hahns, Hirschs oder Teddybären zieren Wilhelm- und Katharinenstraße. Vor einem Schuhgeschäft ist's ein »gläserner« Stöckelschuh. »Das ist ja toll«, entfährt es einer Passantin. »Oh, aber das tropft ja schon!« Ihr Mann bleibt cool und sagt ganz trocken: »Tja, das ist eben vergängliche Kunst.«
Das Highlight aber steht am Marktplatz. Stolze drei Tonnen wiegt der Eisklotz, den gleich zwei »Eiscarver« beackern. Thomas Tremmel und Werner Kristmann von »Ice-Team« aus München arbeiten von 19 bis 23 Uhr. Großartig Pause machen sie nicht. Mit Schnitzeisen, Kettensägen, Flexen und Fräsen formen sie tapfer Stück für Stück. Noch ist nicht zu erkennen, was es wird. Irgendein Bauwerk, so viel steht fest.
Das Motiv hat ihnen die Stadt vorgegeben. »Wir haben keine konkreten Pläne, haben nur Bilder aus dem Internet«, erklärt Tremmel außer Atem. Anstrengend, ja, das ist der Einsatz, räumt der Künstler ein. »Ich wollte eine Schablone anfertigen«, sagt er. »Aber die Fotos sind von unten aufgenommen, sodass es mit den Proportionen schwierig ist.«
Trotz warmer Speisen überall und reichlich kalten wie heißen Getränken - wer stundenlang durch die Kälte tigert, freut sich auf die Feuershow. Die Stimmung wird magisch am Tübinger Tor. 22 Uhr, eine Fackel geht an. Vier schwarzgekleidete Künstler tauchen auf. Stäbe, Seile, Fächer, Fackeln - sie zünden ihre Werkzeuge an und tanzen mit den Flammen um die Wette. Jonglage, »Schwertkampf«, martialisches Geschrei - die schaurige Musik tut ihr Übriges. Paare schmiegen sich aneinander, Kinder halten sich an ihren Eltern fest. Die Faszination ist überall spürbar.
Glitzernder Lichtenstein
Auch die Veranstalter sind zufrieden. Reutlingens Stadtmarketing-Chefin Tanja Ulmer, Klaus Otto von der Interessensgemeinschaft RT-Aktiv, »OWI-gut«-Sprecherin Janna Blum und Jörg Ottmar von der Reutlinger Gastro-Initative (RGI) ziehen gegen 22.30 Uhr Zwischenbilanz und berichten von einer allseits »tollen Stimmung«. Doch noch ist die Nacht nicht vorbei. Die Shopping-Fans beweisen Kondition und tummeln sich in den Läden bis kurz vor Mitternacht. Dann kehrt langsam Ruhe ein, und still und leise thront auf dem Marktplatz ein glitzerndes Schloss Lichtenstein. (GEA)
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