Projekt - Ruth Smith bringt Schülern der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule ihre britische Heimat näher

Very british fühlt sich nicht nach Lernen an

VON DENIS RAISER

REUTLINGEN-BETZINGEN. »Welche berühmten Personen aus England kennt ihr?«, fragt Ruth Smith am ersten Termin ihres Englisch-Projekts. Schweigen. Die Fremdsprachenassistentin der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule in Betzingen bekommt keine Antwort von den Fünft- und Sechstklässlern. Ihre Erklärung: »Die Kinder kennen den Unterschied zwischen England und den USA nicht. Für sie ist das alles das Gleiche.« Mit dem Projekt »Exploring Identity« der UK-German Connection versucht Smith als »Fremdsprachenbotschafterin« seit Anfang September, das zu ändern.

Über die Poster der englischen Projekt-Partnerschule haben sich die Fünft- und Sechstklässler sehr gefreut, berichtet Ruth Smith, Fremdsprachenassistentin an der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule. Die eine oder andere Berühmheit aus dem Vereinigten Königreich erkannten die deutschen Schüler sogar wieder. FOTO: RAISER
Über die Poster der englischen Projekt-Partnerschule haben sich die Fünft- und Sechstklässler sehr gefreut, berichtet Ruth Smith, Fremdsprachenassistentin an der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule. Die eine oder andere Berühmheit aus dem Vereinigten Königreich erkannten die deutschen Schüler sogar wieder. FOTO: RAISER
Die 21 Jahre alte Germanistik-Studentin aus Leeds, die aktuell ihr Auslandsjahr in Reutlingen verbringt, lädt dienstags ein, die Kultur ihres Heimatlandes zu erkunden. Und obwohl die Betzinger Schüler für das freiwillige Projekt 30 Minuten ihrer Mittagspause opfern müssen, ist das Interesse groß. Beim ersten Termin kamen 15 Kinder. »Das war fast schon zu viel«, meint Smith. Bei den weiteren Treffen lag der Schnitt bei sieben bis neun. »Das ist ideal, um intensiv mit den Kindern zu arbeiten.«

»Ich bin sehr beeindruckt vom Niveau einiger Schüler«
 

Wobei »arbeiten« wohl das falsche Wort ist, wie sie selbst zugibt. Das Projekt soll sich gezielt vom regulären Englisch-Unterricht abheben. Der sei bei den meisten Schülern nämlich eher weniger beliebt, weiß die junge Engländerin, die selbst zwölf Stunden in der Woche unterrichtet. »Bei unserem Konzept soll es sich nicht wie lernen anfühlen.« Der Spaß stehe ganz klar im Vordergrund. Deshalb hat Smith Themen ins Programm aufgenommen, bei denen die Kinder sich auskennen und dazu kreativ werden können.

Zuletzt haben sich die Fünft- und Sechstklässler mit Pop-Kultur beschäftigt. Die Schüler haben dabei Poster mit ihren deutschen Lieblings-Künstlern angefertigt. »Diesmal war ich es, die fast niemanden kannte«, lacht Ruth Smith. Die Namen von beliebten Youtubern wie »Die Lochis« oder »Julian Bam« hatte die junge Britin zuvor noch nie gehört.

Für die Plakate hatten die Kids nur 30 Minuten Zeit. »Das war etwas knapp«, gibt Smith zu, auch wenn sie mithalf und die Fotos ausdruckte. Manch einer perfektionierte seine Arbeit deshalb nach Schulschluss zu Hause. Diese Eigeninitiative beeindruckte die Projektleiterin sichtlich. Die fertigen Poster schickte sie dann an die »City of London Freemen's School«, die Projekt-Partnerschule in Ashtead. Dort ist sie mit ihrer Kollegin, einer ebenfalls jungen Fremdsprachenassistentin mit dem Schwerpunkt Deutsch, in ständigem Austausch.

»Als die Antwort aus London kam, haben sich die Kinder richtig gefreut«, berichtet Smith. Und siehe da: Die Schüler erkannten doch die eine oder andere Berühmtheit aus dem Vereinigten Königreich wieder. Harry Potter natürlich. Aber auch die Queen oder den Schauspieler Benedict Cumberbatch, der den Dr. Strange im gleichnamigen Superheldenfilm gibt. Auch Sänger wie Ed Sheeran oder Adele waren ihnen bekannt.

Hat sich durch das Projekt das Englisch der Schüler schon merklich verbessert? Da bisher lediglich vier Termine stattgefunden haben, kann Smith dazu noch nichts sagen. »Es wird sich aber mit Sicherheit noch verbessern.« Alleine dadurch, dass die Kinder eine halbe Stunde lang Englisch hören, sprechen, lesen oder schreiben. Was sie aber sagen kann: »Ich bin sehr beeindruckt vom Niveau einiger Schüler.« Besonders bei den bilingual aufgewachsenen Kindern sei ihr aufgefallen, dass sie sehr schnell lernen. Und davon gibt es in der Betzinger Hoffmann-Schule einige. »Einer beherrscht sogar sechs Sprachen.«

Bis Mai geht das Projekt von Ruth Smith noch. Nach den Faschingsferien beschäftigen sich die Betzinger Schüler mit nationaltypischen Sportarten. »Wir wollen den Engländern Handball beibringen«, sagt sie. Im Gegenzug bekommen die deutschen Schüler einen Einblick in Rugby oder Cricket. »Wir hoffen, dass wir das mit coolen Videos machen können.« Zum Abschluss des Projekts werden sie sich traditionellem Essen widmen. »Wir wollen Rezepte verschicken, vielleicht sogar auch ganze Gerichte«, kündigt Smith an. Wohl spätestens, wenn die Schüler statt Burger und Pommes dann Fish and Chips probieren, werden sie England nicht mehr mit den USA in einen Topf werfen. (GEA)

Das könnte Sie auch interessieren

Merkel verjüngt die CDU-Riege im Kabinett

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Jens Spahn. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin (dpa) - Kanzlerin Angela Merkel will die Ri... mehr»

Bauernverband: Klöckner «ausgewiesene Expertin»

Berlin (dpa) - Der Deutsche Bauernverband hat die ... mehr»

Frankfurter Oberbürgermeister wird in Stichwahl bestimmt

Peter Feldmann (l,SPD), Amtsinhaber, steht am Wahlsonntag mit Bernadette Weyland, OB-Kandidatin (CDU), im Römer. Foto: Andreas Arnold

Frankfurt/Main (dpa) - Bei der Frankfurter Oberbür... mehr»

Beben der Stärke 7,5 erschüttert Papua-Neuguinea

Port Moresby (dpa) - Ein heftiges Erdbeben hat den... mehr»

Köln dreht Spiel in Leipzig: 2:1-Auswärtssieg für den FC

Kölns Frederik Sörensen (l) bejubelt mit Jorge Mere und seinen Mitspielern den 2:1-Sieg. Foto: Soeren Stache

Leipzig (dpa) - Der 1. FC Köln hat mit einem überr... mehr»

Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen