CDU - Besonderes Augenmerk auf die Teilorte: Neue Stadtverbandsvorsitzende Gabriele Gaiser stellt ihre Ziele vor
Erstmals eine Frau an der Spitze der Reutlinger CDU
Von Andrea Glitz
REUTLINGEN. Knapp 16 Jahre lang hatte der Landtagsabgeordnete Dieter Hillebrand das Amt inne: Seit Freitagnacht hat nun der Reutlinger CDU-Stadtverband erstmals eine Frau an seiner Spitze. Gabriele Gaiser wurde, wie berichtet, fast einstimmig zur Vorsitzenden gewählt.
Das freut die Herrenriege Andreas vom Scheidt (von links), Mario Kolb, Dieter Hillebrand und den neuen Pressesprecher Philip Schwaiger: Gabriele Gaiser wurde mit 76 von 77 Stimmen ins Amt gewählt.
FOTO: Markus Niethammer
Gestern präsentierte Gaiser in einer Pressekonferenz ihre politischen Schwerpunkte, die sie mit einer verjüngten Führungsmannschaft angehen will. Ihr erster Stellvertreter ist Mario Kolb, 31 Jahre jung. »Einer von der Basis, der noch viel vorhat in der Partei«, wie Dieter Hillebrand vorab prognostizierte.
Gabriele Gaiser und ihre Mannschaft werden sich in den kommenden zwei Jahren über Arbeitsmangel nicht zu beklagen haben. Nicht zuletzt, weil eine Bundestags- und eine Kommunalwahl anstehen. Seitdem die grün-rote Konkurrenz im Land regiert, entfallen so manche Privilegien für die politische Arbeit. So ist laut Gaiser beispielsweise der Informationsfluss aus Stuttgart erschwert.
Die diplomierte Verwaltungswirtin versprach »kritische Begleitung« der Landesregierung. Sorgen bereitet Gaiser unter anderem die Schulpolitik der Landesregierung, die durch die Gleichmacherei in der Gemeinschaftsschule ein funktionierendes System kaputtmachen will.
»Kritische und sachliche Begleitung« verspricht die 51-Jährige auch der Stadtverwaltung: Als Stadträtin und Bezirksgemeinderätin in Rommelsbach tief verwurzelt im kommunalen Geschehen dürfte ihr dies nicht schwerfallen.
Vor allem in den Bezirksgemeinden sieht Gaiser Handlungsbedarf: »Da müssen wir mehr tun.« Gerade kleine Vereine fühlten sich nicht ausreichend unterstützt, obwohl sie wichtige Funktionen erfüllten, etwa im Bereich der Jugendarbeit. Auch in Sachen Kulturförderung möchte die Christdemokratin Schwerpunkte verschieben. »Die Moo'spritzer haben so viele Zuschauer wie die Tonne, aber alle reden immer nur über die Tonne.«
Geld ausgeben will sie für die Infrastruktur, für die Sanierung von Straßen, Hallen und sonstigen Gebäuden, gerade auch in den Teilorten. Sparsamkeit sei angesagt bei den Zuschüssen. Wo konkret, verrät die neue Vorsitzende noch nicht: »Wir müssen alle Bereiche durchgehen.«
Fraktionsvorsitzender Andreas vom Scheidt bedankte sich bei Dieter Hillebrand für dessen langjähriges Engagement. Hillebrand selbst lobte ausdrücklich die positive Zusammenarbeit mit der Stadtratsfraktion und den Parteifreunden im Kreis. »Freundlich nie hintenrum« sei der Umgang gewesen.
Negativer Schlussakkord
Einen negativen Schlussakkord seiner Amtszeit hatte ein anonymer Brief gesetzt, der Reutlinger Medien am Donnerstag vor der Wahl zugegangen war. Darin wurde behauptet, dass sich Hillebrand »heimlich, still und leise« von der Stadtverbandsspitze verabschiede und innerparteiliche Streitigkeiten vorausgegangen seien.
»Nichts war heimlich«, betonte der 61-Jährige gestern nochmals. Sein Entschluss habe lange festgestanden und sei ebenso bekannt gewesen wie Gaisers Bewerbung um die Nachfolge. Hillebrand vermutet, dass ein Parteigenosse den Brief verfasst hat. »Ich weiß aber nicht, wer's war.«
Die Familie Hillebrand bleibt in der Führungsriege des Stadtverbands präsent: Elisabeth Hillebrand und Rainer Löffler wurden zu weiteren Stellvertretern der Vorsitzenden gewählt. (GEA)
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