Gerk - Gesamtelternbeirat beklagt fehlendes Engagement und mangelnde Unterstützung aus den Fraktionen
Elternlobby sucht Mitstreiter
Von Andrea Glitz
REUTLINGEN. Der Gesamt-Elternbeirat Reutlinger Kindergärten und Kindertagesstätten (Gerk) hat Nachwuchssorgen. Gemeint ist nicht Mangel an Sprösslingen. Es fehlt an Menschen in der Stadt, die mittragen wollen, was der Gerk sein will: eine Lobby für Väter und Mütter mit kleinen Kindern. »Es gibt zu wenig Eltern-Engagement«, beklagt Thomas Kuchelmeister, der mit Claudia Schönjahn und Sylvia Kobarg den Vorstand bildet.
Thomas Kuchelmeister und Claudia Schönjahn mit dem Flyer, der neuerdings in den Einrichtungen verteilt wird und Werbung für den Gerk macht.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Der war ursprünglich fünfköpfig. Doch sind im Laufe des Jahres zwei Mitglieder ausgeschieden. »Wir rödeln jetzt am Limit«, sagt Schönjahn. Am heutigen Mittwoch wird der Vorstand neu gewählt. Die beiden Frauen treten wieder an. Kuchelmeister will sich eigentlich nicht mehr aufstellen lassen und sich spontan am Abend entscheiden - sollte der Kandidatenmangel zu groß sein.
Im Gerk herrscht nicht nur Frust über fehlende Unterstützung aus den eigenen Reihen. Im Redaktionsgespräch beklagen Kuchelmeister und Schönjahn auch die »fehlende Resonanz« aus der lokalen Politik. Es komme »wenig rüber« aus den Rathaus-Fraktionen. Es herrsche die Haltung »Kinderbetreuung soll nichts kosten, aber gut sein« vor. Um das Thema besser im Rathaus zu implementieren, hat der Gerk unlängst angeregt, einen Beirat für Kinderbetreuung einzurichten. Sozialbürgermeister Robert Hahn habe dies aber nach Rücksprache mit den Fraktionen abgelehnt.
Dass die Kinderbetreuung ein dicker Batzen im Stadtetat ist, geben die beiden zu. Und alles, was Gerk möchte, kostet noch mehr Geld: Weit oben auf der Wunschliste steht die zentrale Anmeldung. Zudem sollte eine Geschwisterregelung eingeführt werden, damit Eltern, die bereits ein Kind in einer Einrichtung haben, weiteren Nachwuchs bevorzugt dort unterbringen können. Auch gibt es nach Auffassung des Gerk nicht genügend Springer, die in Krankheitsfällen aushelfen. Außerdem setzt man sich für eine Verbesserung des Fachkraftschlüssels auf 2,0 ein. Der Orientierungsplan sieht 1,8 vor.
»Im Rathaus wird hinter verschlossenen Türen diskutiert«
Getrieben von der Vorgabe des Bundes, bis 2013 für 35 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze vorzuweisen, laute unterdessen die Devise in der Stadtverwaltung »Quantität vor Qualität« und das stinkt den Gerk-Vertretern, die bei der Prioritätensetzung mitreden möchten. »Im Reutlinger Rathaus wird darüber aber hinter verschlossenen Türen diskutiert«, kritisiert Kuchelmeister.
Mehr Transparenz wünschen sich die Elternvertreter auch im Hinblick auf die Kosten der Betreuung. Sie haben mal genauer hingeschaut und von der Stadt vorgelegte Zahlen zu analysieren versucht. Man habe dabei unter anderem festgestellt, dass bei der Verrechnung der internen Mieten im Schnitt satte 7 000 Euro pro Betreuungseinrichtung angesetzt würden.
Bei aller Detailkritik leiste die Stadtverwaltung gute Arbeit. »Wir wollen das Thema auch nicht problematisieren, sondern die Kinderbetreuung verbessern«, betont Kuchelmeister. Mitstreiter sind erwünscht zum Beispiel beim regelmäßigen Gerk-Stammtisch. (GEA)
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