Ferienprogramm - Kochen mit Bürgermeister Robert Hahn im Jugendhaus Ariba im Rahmen von »sun & action«

Eine ordentliche Schöpfkelle Spaß

VON ANDREAS DÖRR

REUTLINGEN. Zwiebeln zu hacken, ohne sich Körperteile abzuschneiden, ist eine Lektion, die neun Kinder zwischen 11 und 14 Jahren im Jugendhaus Ariba in der Heinestraße lernen, wenn sie mit Bürgermeister Robert Hahn am Herd stehen.

FOTO: Andreas Dörr
Eine andere ist, dass Kochen viel mit Timing zu tun hat. Vor allem dann, wenn am Abend zehn unterschiedliche Gerichte auf den Tisch kommen sollen. »Kochen mit dem Bürgermeister« ist der Klassiker des städtischen Ferienprogramms »sun & action«. Der passionierte Hobbykoch steht zum fünften Mal am Herd des Ariba und man merkt Robert Hahn an, dass er diesen Teil seines Jobs immer noch gerne macht. »Ich werde freundlich gefragt, ob ich wieder dabei bin. Und ich antworte freundlich 'Natürlich'.« Überreden muss man ihn jedenfalls nicht.
»Hört auf Eure Zunge! Traut Euch, schmeckt nach und habt Spaß«
 

Hoch konzentriert schlagen Anna (14) und Kiara (14) Sahne für die Mascarpone-Creme, während sich Luna (12) und Vivien (12) an Kartoffeln abarbeiten. »Das ist Schwerstarbeit«, sagt Vivien und drückt Knollen durch eine Presse. Ei, Salz, Muskat und Mehl dazu und dann Schupfnudeln formen, die mit Sauerkraut serviert werden.

An einer anderen Kochstation formen Johanna (11) und Maja (12) Fleischküchle. Jemanden zu finden, der sich darum kümmert, war nicht so einfach. Ein Großteil der Kinder ist Vegetarier. Fleisch zu verarbeiten ist ihre Sache nicht. Nicolas (12), der einzige Junge der Kochtruppe, ist für die Rinderrouladen zuständig. Ihm zur Seite steht Robert Hahn. Und Soley (12) und ihre Schwester Anouk (14) sind für die Grießklößchen, Spätzle und den Kartoffelsalat zuständig. »Das Öl erst ganz am Schluss über die Kartoffeln gießen. Sonst können sie die Brühe und den Essig nicht aufnehmen«, sagt Soley.

Die meisten Kinder, die im Jugendhaus am Herd stehen, kochen auch zu Hause. »Am liebsten Süßigkeiten«, sagt Vivien. Andere gehen der Mutter zur Hand oder rühren gemeinsam mit Freunden in den Töpfen. Das dürfte Christian Schmidt freuen. Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft plädiert dafür, ein eigenes Schulfach Ernährungsbildung zu etablieren.

Dahinter steckt das Bestreben, Kinder mit Kochtechniken und Nahrungsmitteln vertraut zu machen. »Man muss Kindern nicht klarmachen, dass Kochen cool ist«, sagt auch Fernsehköchin Sarah Wiener. Da brauche es keine Animation. Man müsse nur mit den Kindern in die Küche gehen und sagen »Hört auf Eure Zunge! Traut Euch, schmeckt nach und habt Spaß!«

Deshalb hat sie im vergangenen Jahr die bundesweite Ernährungsinitiative für Kinder »Ich kann kochen« gestartet. Das Ziel: Kinder erreichen, bei denen zu Hause nicht oft gemeinsam gekocht wird. Im Verbund von Sarah-Wiener-Stiftung und der Krankenkasse Barmer GEK sollen innerhalb von fünf Jahren bundesweit 56 000 Erzieher und Lehrer zu »Genussbotschaftern« fortgebildet werden. Sie sollen bis 2021 rund 1,4 Millionen Kindergartenkinder und Schüler erreichen und ihnen das Einmaleins des Kochens beibringen.

Dass Ernährung respektive Kochen lernen auf den Stundenplan gehört, ist nach Ansicht vieler Experten notwendig. Dieser Forderung stimme die große Mehrheit der Befragten zu, bilanziert eine Umfrage, die im BMEL-Ernährungsreport 2017 veröffentlicht wurde. Befragt wurden 1 007 Bundesbürger ab 14 Jahre, darunter zweihundert 14- bis 18-Jährige. Gefragt wurde: Wie wichtig ist das Lernen gesunder Ernährung in der Schule? 46 Prozent hielten das für sehr wichtig, 43 Prozent für wichtig, 10 Prozent für weniger wichtig und 1 Prozent für nicht wichtig.
»Man muss Kindern nicht klarmachen, dass Kochen cool ist«
 

Neun von zehn Deutschen sehen Ernährungsunterricht auf einer Stufe mit Fächern wie Mathematik, Deutsch oder Englisch. Bereits 2016 hatten 89 Prozent angegeben, dass die Grundlagen einer gesunden Ernährung bereits in der Grundschule zumindest Teil des Unterrichts sein müssten. Und nach den Erkenntnissen des Ernährungsreports ist damit zu rechnen, dass entsprechende Unterrichtsangebote von den Schülern auch gern angenommen werden: Von allen Altersklassen kochen die 14- bis 18-Jährigen am liebsten.

Die Eltern, die am Abend zum Essen ins Jugendhaus Ariba kommen, dürfen sich jedenfalls auf ein Menü freuen, dessen Zubereitung die Nachwuchsköche fordert, aber nicht überfordert: Kochen mit dem Bürgermeister wird serviert mit einer ordentlichen Schöpfkelle Spaß. (GEA/dpa)

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