Hochwasser - Sechs Städte und Gemeinden entlang der Echaz haben jetzt ein gemeinsames Warnsystem

Echaz: Sechs Gemeinden haben Warnsystem

VON HANS JÖRG CONZELMANN

REUTLINGEN. Wie ist die Lage? Wer ist zuständig? Was ist zu tun? Wenn sich der Himmel öffnet, stellen sich elementare Fragen, die eine neue Software beantworten soll, die künftig im gesamten Echaztal zum Einsatz kommt. Sie wurde vom Land Baden-Württemberg entwickelt und bündelt auf lokaler Ebene die Hochwasserinformationen aller sechs Städte und Gemeinden entlang des Flusses mit den Informationen des Landes: Lichtenstein, Pfullingen, Eningen, Reutlingen, Wannweil und Kirchentellinsfurt.

FOTO: Jürgen Meyer
Auslöser für die ortsübergreifende Zusammenarbeit ist das Hochwasser 2016, das allen Beteiligten noch in den Knochen steckt, wie gestern bei der Präsentation in der Reutlinger Feuerwache mehrfach betont wurde. Die Konsequenz für Oberbürgermeisterin Barbara Bosch: »Es reicht nicht, wenn man nur auf der eigenen Gemarkung nach Lösungen sucht.« Weil Wasser nicht vor Stadtgrenzen haltmacht, müsse man kooperieren.

Abgestimmte Einsatzpläne

»Fliwas 3« ist die etwas sperrige Bezeichnung des Computersystems, das sich die Gemeinden auf Reutlinger Initiative hin angeschafft haben. Damit sind bei einem Unwetter alle auf Augenhöhe: Sämtliche Hochwasserinformationen ploppen gleichzeitig auf den PCs, Tablets und Smartphones der Einsatzkräfte auf. Selbst vor Ort während des Einsatzes können die Rettungskräfte die aktuellen Informationen einsehen und koordiniert handeln. »Wenn Hochwasser kommt, können die Nutzer ihre Alarm- und Einsatzpläne softwaregestützt abstimmen, den Einsatz dokumentieren und auf Lagekarten visualisieren«, heißt es im Beipackzettel aus dem Stuttgarter Umweltministerium. Das freut vor allem die Feuerwehr: »Für uns sind abgestimmte Einsatzpläne wichtig«, beteuert der Reutlinger Kommandant Harald Herrmann. Bislang gab es nur örtliche Einsatzpläne entlang der Echaz: dicke Ordner mit den kritischen Punkten im Ort. All diese Pläne fließen in »Fliwas 3.0« zusammen und werden dort durch die Daten des Deutschen Wetterdienstes ergänzt.Der Lichtensteiner Bürgermeister Peter Nußbaum hätte am wenigsten Anlass, bei der Kooperation mitzumachen, schließlich liegt seine Gemeinde am Anfang des Flusses - wenn das Hochwasser durch ist, wäre er fein raus. Geplante Dammbauwerke in zwei Seitentälern dienen zunächst seiner eigenen Gemeinde, um einen dosierten Ablauf des Wassers sicherzustellen. Aber nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch den Unterliegern: »Es kann nicht sein, dass wir das Wasser einfach weiterschicken.« Ähnlich äußerten sich die Bürgermeister der anderen Kommunen. Alexander Schweizer aus Eningen: Die zentrale Botschaft sei, »dass die Gemeinden jetzt an die Prävention gehen«. Eine Botschaft übrigens an die Bürger, die »Fliwas« nicht nutzen können, weil es ausschließlich als »Arbeitsinstrument« für Einsatzkräfte gedacht sei, erläuterte der Reutlinger Tiefbauamtsleiter Arno Valin.Frank Herrmann vertrat die Wannweiler Bürgermeisterin Anette Rösch und trat gleichzeitig als Kommandant der örtlichen Feuerwehr und damit als Mann der Praxis auf. Für ihn sei es wichtig, was die Gemeinden am Oberlauf machen. »Denn alles, was die machen, betrifft uns auch.« Es sei beruhigend zu hören, dass die Gemeinden das Wasser nicht einfach durchleiten. Die Frage »Was kommt auf uns zu?« werde von »Fliwas« beantwortet.

Apps liefern Warnmeldungen

Glücklich über die Initiative zeigte sich der Bürgermeister von Kirchentellinsfurt, Bernd Haug. Die »Vernetzung vom Fluss her« erlaube seiner Gemeinde, sich schneller und genauer zu informieren, was bei Hochwasser in den anderen Gemeinden passiert. Die »Sensibilisierung« des Bürgers, von dem Frank Herrmann gesprochen hatte, leistet das neue System nur indirekt. Stattdessen gibt es in allen sechs Gemeinden druckfrische Faltblätter mit dem Titel »Hochwasser kann jeden treffen«. Dort sind neben praktischen Tipps Apps aufgelistet, die Informationen über drohende Hochwasser anbieten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe etwa liefert die kostenfreie App »NINA« für die Installation auf dem Smartphone. Befindet man sich in einem gefährdeten Gebiet, verschickt die App eine Warnung. (GEA)

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