Ortstermin - Freie Wähler wünschen sich mehr Klarheit in Sachen Dietwegtrasse, in Sachen Verkehr insgesamt

Dietwegtrasse: Warten, bis die Flutwelle kommt?

VON ANDREA GLITZ

REUTLINGEN. Der Lückenschluss der B 464 hinterm Nordportal des Scheibengipfeltunnels rutschte vergangenes Jahr überraschend in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Seitdem gewinnt die umstrittene »Dietwegtrasse«, die jetzt unter dem ebenso vagen wie unverdächtigen Begriff »Südumfahrung Orschel-Hagen« durch die Stadt geistert, als politisches Ausflugsziel zunehmend an Bedeutung.

Die  Einmündung  der B?464 in die  Rommelsbacherstraße im Kreuz, erläutern Annette Leininger, Jürgen Fuchs, Erich Fritz, Winfried Müller und Georg Leitenberger einen neuralgischen Punkt der Reutlinger Verkehrsplanung.
Die Einmündung der B 464 in die Rommelsbacherstraße im Kreuz, erläutern Annette Leininger, Jürgen Fuchs, Erich Fritz, Winfried Müller und Georg Leitenberger einen neuralgischen Punkt der Reutlinger Verkehrsplanung. FOTO: Markus Niethammer
Jetzt lud die Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler zum Stelldichein ins Grüne im Norden der Stadt. Die Räte Jürgen Fuchs, Anette Leininger, Erwin Fritz und Georg Leitenberger sowie FWV-Sprecher Winfried Müller forderten bei einem Pressetermin vor allem eines: »Klarheit« von der Stadtverwaltung. »Was verbirgt sich hinter dem Begriff Südumfahrung Orschel-Hagen«, fragt sich nicht nur der Fraktionsvorsitzende Fuchs. Vorstellungen »waberten durch den Raum«.

Rathaus zugeknöpft

Im Februar hatte der Gemeinderat (ohne Grüne und Linke Liste) auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen, im Doppelhaushalt 350 000 Euro Planungsgeld einzustellen für das Projekt. Seitdem ist's wieder still geworden.

»Die Karten gehören auf den Tisch«, findet Georg Leitenberger. Klarheit in Sachen Verkehrspolitik und Luftreinhaltung insgesamt wünscht man sich. Abwägende Diskussion sei vonnöten: Im November soll der Scheibengipfeltunnel aufgehen. Jenseits der Frage, wie und wo der Tunnel entlastet, sind Mehrbelastungen für Orschel-Hagen, Sondelfingen und auf der Ost-West-Trasse B 28 prognostiziert. Speziell beim Thema Dietwegtrasse haben es nicht nur die Räte mit einem extrem zugeknöpften Rathaus zu tun. Nur ein Informationsstau? Oder geschieht gar nichts, wie Erich Fritz vermutet: »Die Verwaltung lässt's ahne laufen.« Dabei sei man längst zu spät dran.

Über den zögerlichen Umgang mit dem heißen Eisen haben Fuchs und seine Mitstreiter eine naheliegende Theorie. Wenn nach der Eröffnung die »Flutwelle« aus dem Tunnel in den Nordraum schwappe, sei Handeln lokalpolitisch einfacher.

Man habe seit Langem eine ganze Reihe von Anfragen und Anträgen zur Verkehrsproblematik rund um Tunnel und Weiterführung gestellt - ohne merkliche Resonanz, beklagen die Räte und ihr Sprecher.

Die FWV hat 2007 schon selbst Pläne gemalt und ein Dietweg-Trassen-Konzept ohne Brücke und mit Untertunnelung vorgeschlagen, das jedoch untergegangen sei: Abweichend vom bisher avisierten Streckenverlauf soll der Verkehr nach dem Scheibengipfeltunnel über Halske-straße oder Am Heilbrunnen, Siemens- und Roanner Straße in einen Tunnel geführt werden. Schutzwälle sollen Lärm in den betroffenen Straßen lindern. Das grüne Dietweg-Naherholungsgebiet bliebe weitgehend erhalten.

Nach Kenntnis der Freien Wähler ist im Bundesverkehrswegeplan ebenfalls ein Tunnel erhalten (770 Meter lang zwischen Rommelsbacher und Roanner Straße) und eine Brücke (320 Meter über die Reutlinger Straße und die Bahnlinie Stuttgart-Tübingen). Die Räte wollen von der Stadtverwaltung unter anderem wissen, wie die Reutlinger Verwaltung diese Pläne beurteilt und ob sie Alternativen in petto hat.

Zwischenlösungen angehen

Die FWV positioniert sich klar: Sie hält den Lückenschluss der B 464 für unerlässlich. Die Trasse sei allerdings eine langfristige Lösung. Die Projekte im Bundesverkehrswegeplan sollen bis 2030 umgesetzt werden.

Die FWV fordert, kurzfristiger realisierbare Zwischenlösungen anzugehen. Um Autofahrer, die vom Tunnelnordportal die L 464 anpeilen, auf die Ost-West-trasse zu locken, hat die Fraktion bereits 2014 den Antrag gestellt, am verknoteten Knoten Schieferstraße/Rommelsbacher Straße eine direktere Zufahrt zu bauen. Dazu müsste allerdings das Schnellrestaurant weichen. Die Verwaltungsidee, am Rollerknoten zwei Linksabbiegerspuren auf die Rommelsbacher Straße einzurichten, hält man eher für Kosmetik.

Die Freien Wähler haben seit Längerem angeregt, die B 312 gen Metzingen zu ertüchtigen: ein Vorschlag, dem das Tübinger Regierungspräsidium, wie berichtet, nicht abhold zu sein scheint. Auf ihr soll künftig der Verkehr aus dem Tunnel-Nordportal gen Stuttgart abgewickelt werden. (GEA)



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