Reutlingen
Ernährung - Was halten ausländische Studenten von der deutschen Brotvielfalt? Umfrage auf dem Hochschulcampus

Die schwäbische Brezel schmeckt nicht jedem

REUTLINGEN. Am Sonntag wird in Deutschland das Erntedankfest gefeiert. Es geht auf eine alte Tradition zurück. Glücklich über die eingefahrene Ernte und froh darüber, den Winter über nicht hungern zu müssen, dankten die Menschen früherer Zeiten Gott für seine reichen Gaben und dazu gehörte natürlich in besonderem Maße das Brot.

Erntedank Bäckerei Berger
Brezeln auf dem Weg zu ihrer charakterischen Knusprigkeit. FOTO: Stephan Zenke
Nun ist Deutschland ein Land, in dem es historisch bedingt eine Vielfalt von Brotsorten gibt: vom Sauerteigbrot über Vollkornbrot, Weißbrot, Roggenbrot, Brötchen und nicht zu vergessen die Brezel. Das ist nicht überall auf der Welt so. Deshalb haben sich Kerstin Kindermann und Juliane Schreinert von der Hochschule Reutlingen auf dem Campus umgehört und ausländische Studenten gefragt, welches Brot ihnen denn am besten schmeckt und ob es in ihrer Heimat auch so viele verschiedene Brotsorten gibt? Welche Bedeutung Brot für sie selbst hat oder ob sie gar kein deutsches Brot essen?

Tiffany Snow (20) aus den USA studiert Angewandte Chemie. Sie ist gerade in Deutschland angekommen und verbringt hier ihr Auslandssemester. »In Amerika esse ich gern Sauerteig- und Roggenbrot zum Frühstück und mittags Sandwiches. Da ich hier noch keine Erdnussbutter im Supermarkt gefunden habe, bestreiche ich mein Brot mit Nutella«, erzählt sie. Die Auswahl der verschiedenen Brotsorten in Deutschland findet die Amerikanerin überwältigend. Was es hier aber nicht so häufig gebe, sei industrielles Fertigbrot. Abends dagegen koche sie meistens und es wird dann warm gegessen.



Dagegen überrascht Inga Zhukova (20) die hiesige Brotvielfalt nicht. »Ich finde es nicht ungewöhnlich, so viel Brot zu haben und auch zu essen.« In Russland esse man Brot aber nicht zum Frühstück, sondern mit der Suppe zum Mittagessen. »Ein gewöhnliches Frühstück bei uns ist anders als hier Deutschland, es gibt Brei oder Eier«, erklärt uns die russische Austauschstudentin, die International Business studiert und hier zurzeit ihr Auslandssemester verbringt. Wenn sie Brot kauft, dann mit Vorliebe Kernbrot oder Schwarzbrot.

Was dem Schwaben seine Brezel ist dem Franzosen bekanntlich sein Baguette. Nicht anders geht es Stanislas Hug (20). Auf unsere Frage, ob wir ihm und seinem Kommilitonen zum Thema Brot ein paar Fragen stellen dürfen, lacht er frech, verschränkt die Arme und antwortet schlagfertig: »Ich kann gar nichts dazu sagen. Baguette schmeckt viel besser!« Das Gespräch dauert dann doch länger, denn der charmante Franzose hat noch ganz viel zum französischen Grundnahrungsmittel zu sagen. »Baguette mit allem zu allem! Und jeden Tag!« Wer einmal in Frankreich gewesen sei, könne das nachvollziehen. So bevorzugt der Student, der an der ESB Business School International Business im ersten Semester studiert, in Reutlingen amerikanisches Toastbrot. Extra weich und extra »large« und das reicht dann auch für die ganze Woche. Die einzige Alternative für Stanislav Hug ist Algenbrot aus der Bretagne. Brezeln dagegen findet er dagegen zu salzig!

Vasil Shandurkov (18) aus Bulgarien studiert wie Stanislas International Business im ersten Semester. Auch er spricht sehr gut Deutsch und erzählt, dass es in Bulgarien ein ähnliches Fest wie Erntedank gebe. Wie in Deutschland ist Brot in Bulgarien ein wichtiges Nahrungsmittel. Am meisten werde Weißbrot gegessen: »Viele Leute backen selbst daheim oft jeden Tag«. Das sei typisch für Bulgarien. Wie in vielen anderen Ländern werde Brot hier aber eher ohne Belag gegessen. Belegte Schnittchen mit Wurst, Käse, Salat und Gürkchen mögen die meisten ausländischen Studierenden nicht. »Wir essen Brot trocken, vielleicht mit Salz oder Honig und zum Salat.« Trotzdem kauft und probiert Vasil ab und zu verschiedene Brotsorten, und sehr gut schmeckt ihm die Brezel.

Jing Li (24) aus China, studiert Fashion Design: »Für mich ist Brot nicht so wichtig. Chinesen essen zwar mit Creme gefüllte Brote, aber höchstens einmal pro Woche, meint sie. »Deutsches Weißbrot schmeckt mir am besten, wenn ich es mit Würstchen und Gemüse belege.« Höflich und freundlich lächelt die junge Chinesin, die das alles wie auch Tiffany Snow auf Englisch erzählt. Brötchen kennt Jing nicht. Sie mag hier in Deutschland gern Weißbrot oder Sandwiches.

Selbst für deutschen Geschmack ist Syed Zakis (20) Brotvorliebe exotisch. »Ich mag Schnitzbrot«, und dieses zur Weihnachtszeit beliebte Brot mit viel Gewürzen, Rosinen, Äpfeln und Nüssen mag selbst nicht jeder Einheimische. Genauso überrascht Syed mit seinem wunderbaren Deutsch und damit, dass er auch Brezeln mag, essen Inder doch sonst hauptsächlich Naan (eine Art Fladenbrot) - und zwar jeden Tag morgens und abends. Und dazu gibt es Curry. Charmant lächelt der indische Student und verrät noch: »Belegte Brötchen finde ich seltsam, und deutsches Brot ist mir zu hart«. Bäckereien gibt es auch in Indien. Doch das Brot dort sei eher wie Cracker. Eine Besonderheit sei Brot mit gebackenem Ei. (GEA)




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Erntedank

Wo unser tägliches Brot gebacken wird

Erntedank Bäckerei Berger
Daniel Dietrich an der Mehlsilowaage der Bäckerei Berger. FOTO: Stephan Zenke
 
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