Zukunft - Stadt will mithilfe des Fraunhofer-Instituts Digitalisierungsstrategie entwickeln. Gemeinderat hat viele Fragen

Die nächsten Schritte zur »Smart City« Reutlingen

REUTLINGEN. Reutlingen soll mithilfe einer Digitalisierungsstrategie fit gemacht werden für die Zukunft. Unterstützt vom Fraunhofer-Institut, das schon beim Forschungsprojekt Smart Urban Services mit im Boot ist, soll in verschiedenen Stufen analysiert werden, wo die digitale Reise hingeht. Der Gemeinderat gab mit der Beauftragung des Instituts in seiner letzten Sitzung vor der Weihnachtspause den Startschuss. Noch ist alles offen - was die Räte nicht daran hinderte, ausgiebig und mit Leidenschaft über Digitalisierung an sich und als solche zu diskutieren.

Mithilfe von über Bodensensoren gesammelten Daten informiert die »smaRT City App«, wo es in der Innenstadt freie Parkplätze gibt.
Mithilfe von über Bodensensoren gesammelten Daten informiert die »smaRT City App«, wo es in der Innenstadt freie Parkplätze gibt. FOTO: Markus Niethammer
Mit dem Projekt Smart Urban Services habe sich Reutlingen schon »gut« auf den Weg gemacht, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Jetzt solle ein Konzept entwickelt werden, das die ganze Stadt umfasse. Es gehe nicht darum, Daten um der Daten willen zu sammeln, ergänzte Peter Wilke, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Immobilien. »Es soll die Stadt nach vorne bringen und das Leben und Zusammenleben besser gestalten.« Mobilität, Energie, Umwelt, Handel, Infrastruktur, Verwaltung, Politik, Gesundheit, Gesellschaft - das Thema habe viele Dimensionen und sei hochkomplex. »Deshalb sollten wir es ordentlich analysieren.«

Stufenweises Vorgehen

Geplant ist ein stufenweises Vorgehen. Zum Einstieg sollen in einer Ist-Analyse (Modul A) die lokalen Bedürfnisse geklärt werden. »Wo stehen wir, was machen andere Städte«, umriss Wilke die Fragestellung. Im Modul B werden Handlungsfelder definiert, darauf aufbauend soll dann die Digitalisierungsstrategie für die nächsten Jahre entwickelt werden. Für Modul A sind vier Monate, für Modul B zehn Monate vorgesehen. Die Kosten liegen bei 129 763 Euro. Kommt die Stadt mit ihrer Bewerbung für den Landeswettbewerb »Digitale Zukunftskommune@bw« zum Zug, könnte sie mit einer Förderung von bis zu 80 Prozent rechnen. Die Fraktionen signalisierten zwar durch die Bank Zustimmung, hatten aber Diskussionsbedarf. »Wir als Sozialdemokraten sehen es als unsere Aufgabe, das kritisch zu hinterfragen«, kündigte Ramazan Selcuk seinen etwa zehnminütigen Redebeitrag an. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, erst eine Digitalisierungsstrategie und dann das Projekt Smart Urban City zu starten? Könnte statt des wissenschaftlichen Instituts nicht eine studentische ESB-Unternehmensberatung nützliche Informationen beisteuern? Und wie sieht die Kooperation mit andern Städten aus?

Digitalisierung sei »höchst spannend, aber auch höchst gefährlich«, sorgte sich Jürgen Fuchs (Freie Wähler). »Wie sieht's mit Missbrauch aus? Was ist, wenn's zusammenbricht?« Professor Jürgen Straub (WiR) sah das Hauptproblem im »Gedankensprung in unseren Köpfen«. Das »Große und Ganze« müsse man sehen und sich fragen, »was brauchen wir wirklich«. Rüdiger Weckmann (Linke) sah die Gefahr, dass viele Bürger nicht erreicht, Njeri Kinyanjui (Grüne und Unabhängige), dass die Bürger zu wenig beteiligt würden. »Der Bürger muss im Mittelpunkt stehen«, meinte auch FDP-Fraktionschef Hagen Kluck.

Udo Weinmann (CDU) ging auf das von mehreren Vorrednern bemängelte Ungleichgewicht bei der Breitbandversorgung ein, das ganze Stadtbezirke - vor allem Ohmenhausen - von der »digitalen Revolution« ausschließe. Die Bürger müssten aufgeklärt werden, dass nicht die Infrastruktur der Stadt, sondern die Netzbetreiber schuld seien.

OB Barbara Bosch ging auf viele, aber nicht auf alle Fragen ein. »Es ist zu früh, wir wissen noch gar nicht, was wir wollen«, nannte sie den Grund. Und, erinnerte Bosch an den Kern der Vorlage: »Wir reden über die Vergabe an das Fraunhofer-Institut, das uns helfen soll, in der Vielfalt und Unübersichtlichkeit eine Spur zu legen.« Der Ratsbeschluss fiel einstimmig aus. (GEA)

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