Antrag - Grüne und Unabhängige werben für ein städtisches Gesamtkonzept zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Kulturamt soll Federführung erhalten

Die Jugend einbeziehen

Von Roland Hauser

REUTLINGEN. Die Grünen und Unabhängigen im Gemeinderat lassen nicht locker. Nachdem sie sich bereits in der Vergangenheit immer wieder für das Gendenken an die Opfer der Nazi-Herrschaft auch in Reutlingen eingesetzt hat, regt die vierköpfige Fraktion nun per Antrag an Oberbürgermeisterin Barbara Bosch die »Erstellung einer Gedenkkonzeption« an. Parallel dazu möchte die Reutlinger Frauengeschichtswerkstatt unter der Achalm sogenannte Stolpersteine installiert sehen, für die auch die Grünen bereits im Jahr 2005 im Gemeinderat geworben hatten. Eigentlich sogar erfolgreich.

Denn während sich das Gremium damals nicht durchringen konnte, nationalsozialistisch belastete Straßennamen wie Hindenburg-, Carl-Diem- oder Ludwig-Finkh-Straße zu ändern, fand der Vorschlag mit den Stolpersteinen eine Mehrheit. Dass es bislang nicht zur Umsetzung kam, liegt laut Grünen-Sprecher Rainer Buck jedoch daran, dass die Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig aus urheberrechtlichen Gründen nicht unentgeltlich übernommen werden darf.

Gedenktafel vorgezogen

Hinzu kam, dass beim ersten anvisierten Stolperstein vor dem sogenannten Zigeunerhäusle am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) die Nachfahren der damals dort lebenden und 1943 nach Auschwitz deportierten Familie Reinhardt eine Gedenktafel vorzogen. Sie befürchteten, dass in den Gehweg eingelassene Stolpersteine »geradezu zum Drauftreten einladen« – eine Kritik, die Demnig öfters zu hören bekommt.

Das städtische Gesamtkonzept »zum Gedenken nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, politisch Verfolgter und der Opfer der zur Zwangsarbeit verpflichteten Menschen« soll nach den Vorstellungen der Grünen und Unabhängigen federführend vom Kulturamt erarbeitet werden – unter Einbeziehung der bereits vorliegenden Dokumentationen »und in Abstimmung mit dem Reutlinger Geschichtsverein«. Auch die örtlichen Schulen sollen angeregt werden, sich mit ihren Vorstellungen und Ideen einzubringen.

Jugendlichen möchten die Grünen eine »aktive Mitwirkung als Jugendguides« ermöglichen, wie es bereits im Landkreis Tübingen praktiziert wird: Junge Menschen ab 16 Jahren werden dabei qualifiziert, kompetent an Verbrechen der Nationalsozialisten in der Region zu erinnern. So soll das Wissen über die NS-Vergangenheit in die nächste Generation weitergetragen werden.

Nochmals prüfen

Auch besagte Idee der Stolpersteine soll in Zusammenarbeit mit der Frauengeschichtswerkstatt »in eine Prüfung einbezogen« werden. Möglicherweise komme man heute ja in der Tantiemen-Frage zu einer anderen Bewertung als damals im Nachgang zum Ratsbeschluss von 2005, meint Stadtrat Buck. Künstler aus der Region wollen die Grünen in die »Gestaltung und Ausformung einer für die Reutlinger Bevölkerung erlebbaren Darstellung« einbezogen wissen.

Und schließlich bringen Rainer Buck, Sabine Gross, Gabriele Janz und Marcellus Kolompar erneut die »Benennung von Straßennamen« aufs Tapet. Es sei zu prüfen, inwiefern auch sie einen Beitrag zum Gedenken leisten könne. Zuletzt war die Grünen-Fraktion im April 2012 mit ihrem Vorschlag gescheitert, die Hindenburgstraße umzubenennen und Matthias Erzberger zu widmen. Immerhin wurde er in die Liste zukünftiger Straßen-Namensgeber aufgenommen. GEA)

Stolpersteine für Reutlingen


Der Kölner Künstler Gunter Demnig, ein gebürtiger Berliner, will mit sogenannten »Stolpersteinen«, die in Gehwegen verlegt werden, an das Schicksal von Nazi-Opfern erinnern. Nachdem die Reutlinger Gemeinderats-Grünen mit einem Vorschlag, auch in Reutlingen Stolpersteine zu installieren, bereits 2005 auf Zustimmung gestoßen waren, ohne dass es bislang zur Umsetzung kam, verfolgt nun die Frauengeschichtswerkstatt die Absicht, solche »Stolpersteine« auch in Reutlingen zu installieren. Denn auch in der Achalmstadt wurden Männer und Frauen Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Zur Vorbesprechung der Stolpersteinaktion lädt die Frauengeschichtswerkstatt Interessenten für Dienstag, 14. Januar, um 18 Uhr ins Alte Rathaus, Rathausstraße 8, ein. Anmeldung ist nicht erforderlich. Kontakt und Informationen telefonisch. (GEA)

0 71 21/43 43 10

Das könnte Sie auch interessieren

NBA: Theis bricht sich bei Boston-Niederlage die Nase

Boston (dpa) - Basketball-Nationalspieler Daniel T... mehr»

Gabriel fordert SPD zu Kurskorrektur auf

Berlin (dpa) - Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ... mehr»

NBA: Theis bricht sich die Nase - Schröder verliert

Daniel Theis von den Boston Celtics brach sich in der Partie gegen Utah die Nase. Foto: John Bazemore

Boston (dpa) - Basketball-Nationalspieler Daniel T... mehr»

Biathlon-Star Dahlmeier hofft auf ersten Sieg

Laura Dahlmeier kommt nach ihrem verspäteten Saisoneinstieg langsam in Fahrt. Foto: Expa/Jfk

Le Grand-Bornand (dpa) - Laura Dahlmeier ist gerne... mehr»

Zweites BVB-Spiel für Stöger - Abstiegskampf in Bremen

Peter Stöger will den Dortmunder Positivtrend fortsetzen. Foto: Thomas Frey

Berlin (dpa) - Der Herbstmeister steht längst fest... mehr»

Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen