Jubiläum - Geschichten, Messe, Touren, Gewinnspiel: Der 200. Geburtstag des Fahrrads wird gefeiert, und der GEA ist mit einer großen Kampagne dabei

Die GEA-Kampagne 200 Jahre Fahrrad

Von Gisela Sämann

REUTLINGEN. Ob er wohl auf einer Wolke sitzt und sich den Umtrieb hier unten zufrieden anschaut? Karl Freiherr von Drais, gebürtiger Karlsruher, hat vor 200 Jahren das Fahrrad erfunden. Am 12. Juni 1817 stieg er in Mannheim zur ersten offiziellen Testfahrt auf seine hölzerne zweirädrige »Laufmaschine« und legte 14 Straßenkilometer zurück:

Von seinem Quartier ging es zum Schwetzinger Relaishaus und wieder retour. Das muskelbetriebene Vehikel hat seither eine unfassbare Karriere hingelegt und ist heute das weltweit am meisten genutzte Transportmittel – vom Einsatz als Sport- und Freizeitgerät in unzähligen Varianten mal gar nicht zu reden.

Der runde Geburtstag des Fahrrads wird vor allem in Baden-Württemberg heftig gefeiert. Dabei geht der Blick nicht nur zurück auf die Historie des Fortbewegungsmittels, sondern vor allem in die Zukunft. Weil dem Autoverkehr vielerorts der Kollaps droht, spricht nicht nur Landesverkehrsminister Winfried Hermann davon, eine umweltfreundliche »neue Mobilität zu gestalten«. Das Fahrrad spiele dabei eine wesentliche Rolle. Zumal die Entwicklung der Pedelecs und E-Bikes ganz neue Einsatzmöglichkeiten im Alltag eröffnet hat.

»Dass das Fahrrad 200 Jahre nach seiner Erfindung so beliebt ist wie noch nie, ist ein spannendes und noch dazu sehr aktuelles Thema, das viele Menschen bewegt«, sagt auch Valdo Lehari. Für den Verleger und Geschäftsführer des Reutlinger General-Anzeigers gibt es gute Gründe, die Bedeutung des Fahrrads in einer thematisch breit angelegten Verlagskampagne zu vertiefen. »Schließlich steht das Fahrrad längst nicht nur für Freizeit-Mobilität, sondern als modernes Fortbewegungsmittel auch für eine gute Antwort auf die vielen Herausforderungen im Straßenverkehr.« Die Erfindung des Freiherrn von Drais sei ein Geniestreich »Made in Baden-Württemberg« gewesen. »Und die Hochtechnologie, die in den Akkus und Bremsen der Räder von heute steckt, ist bahnbrechenden Ingenieurleistungen auch von Firmen aus unserer Region zu verdanken: nämlich Bosch eBike in Reutlingen und Magura in Bad Urach.«

»200 Jahre Fahrrad«: Das können die Leser des Reutlinger General-Anzeigers ausgiebig mitfeiern. Von der Radmesse über »Traumtouren« bis hin zu Fahrtrainings: Mitmachen und mitradeln ist in den nächsten Monaten angesagt. Die GEA-Redaktion berichtet über viele Radthemen, im großen Gewinnspiel warten wertvolle Preise.

Schneller als die Postkutsche


So viel Radbegeisterung würde Karl Freiherr von Drais zweifellos gefallen. Bestimmt würde er sich auch gerne mal auf eins der hypermodernen Modelle setzen, die mit seiner »Laufmaschine« (später nannte man sie Draisine oder Velociped) nur noch das Grundprinzip gemeinsam haben: zwei Räder hintereinander, das Ganze gut lenkbar.

Historiker sind sich heute weitgehend einig, dass muskelkraftbetriebene Fahrzeuge anfangs des 19. Jahrhunderts deshalb in den Fokus gerieten, weil Missernten (auch versursacht durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Südostasien) Hungersnöte über das Land gebracht hatten. Erst wurde das Futter knapp für die Pferde, damals wichtigstes Transport- und Fortbewegungsmittel. Und dann wurden viele Pferde geschlachtet, damit die Menschen zu essen hatten.

Experimente mit dampfbetriebenen Fahrzeugen gab es schon zu des Freiherrn Zeiten. Aber für den täglichen Transport kleinerer Lasten (oder eines einzelnen Menschen) waren sie ungeeignet und auch zu kostspielig. Das Ding aus Holz, zusammengebaut von Drais, war hingegen eine pragmatische, kostengünstige Lösung. Ein Längsbalken mit Lenker und Rädern an beiden Enden, rund 25 Kilogramm schwer – damit es rollte, stieß man sich mit den Füßen ab. Auf der Jungfernfahrt im Juni 1817 soll es Drais auf einen Schnitt von 15 Stundenkilometern gebracht haben und damit schneller gewesen sein als die Postkutsche.

Doch dann kamen wieder gute Ernten, auf Straße und Schiene setzten sich Dampffahrzeuge durch, Draisinen-Fahrer gerieten auf den Gehwegen mit den Fußgängern aneinander und wurden auf die Straßen verbannt. Die waren damals alles andere als radfreundlich, der Siegeszug der Velos war erst einmal gestoppt.

Karl Freiherr von Drais wurde zwar vom Großherzog Karl Ludwig von Baden zum Professor für Mechanik bestellt und konnte sich ohne finanzielle Sorgen dem Erfinden widmen. Doch dann geriet er in politische Intrigen, und als er 1938 öffentlich Sympathie für demokratische Ideen äußerte, begann sein gesellschaftlicher Niedergang. Im Zug der Badischen Revolution 1848/49 legte er seinen Adelstitel ab. Die Revolution scheiterte, Drais starb 1851 völlig verarmt in Karlsruhe.

Er hat nicht mehr erlebt, wie das Fahrrad weltweit zum Massentransportmittel wurde – vor allem dank späterer Erfindungen wie Pedalantrieb und luftgefüllter Reifen. Auch die atemberaubende Karriere des Drahtesels als Spiel- und Sportfahrzeug (zunehmend mit Elektromotor-Unterstützung) hätte er sich sicher nicht träumen lassen. Und was würde der Freiherr wohl zu den Radschnellwegen sagen? Bund und Land wollen »Rad-Autobahnen« vor allem für Berufspendler einrichten. Baden-Württemberg hat im Etat für 2017 rund drei Millionen Euro für erste Maßnahmen eingestellt. Kein schlechter Anfang, um die Erfolgsgeschichte die nächsten 200 Jahre weiterzutreiben. (GEA)


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