Reutlingen
AUF STIPPVISITE - Das Medizin-Controlling hat eine zentrale Stellung in den Kliniken des Kreises

Die Einnahmen im Griff

Von Jürgen Kempf

REUTLINGEN. Mit der Einführung von Fallpauschalen bei der Abrechnung von Krankenhausleistungen ist das Medizin-Controlling entstanden und nimmt mittlerweile eine zentrale Stellung auch in den Kliniken des Landkreises Reutlingen ein.

Besprechung: der Leiter des Medizin-Controlling, Dr. Georg Frauendienst-Egger, mit Stationsmanagerin Kristina Krug. GEA-FOTO: PACHER
Besprechung: der Leiter des Medizin-Controlling, Dr. Georg Frauendienst-Egger, mit Stationsmanagerin Kristina Krug. FOTO: Uschi Pacher
»Wir liefern Zahlen, Daten, Fakten«, sagt Dr. Georg Frauendienst-Egger, der Leiter der Abteilung mit ihren 18 Stellen. Neben der Darstellung der aktuellen Erlös-/Einnahmesituation, den Tagesaufgaben, wie der Dokumentation von Behandlungen, den Berichten für Stationen und Leitungsgremien, gibt es ein Hauptgeschäft, das die Abteilung ständig beschäftigt: die Anfragen der Kassen zu Vollzug und Abrechnung der Leistungen in den drei Häusern.

Bei den zuständigen Sachbearbeitern stapeln sich die Akten. Rund 12 Prozent der stationären Fälle - im vergangenen Jahr gab es 36 000 in den Kliniken des Kreises - werden im Rahmen von Einzelfallprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geprüft. Das sind rund 5 000 Verfahren im Jahr. »Manchmal haben wir 50 Fälle an einem Tag.«



»In nur vier Prozent der Fälle müssen wir etwas zurückzahlen, sagte der ehemalige Oberarzt der Kinderklinik, der dabei auch nicht von Fehlern sprechen will. »Natürlich gibt es das in Einzelfällen auch einmal«, räumt er ein, »das meiste aber sind Ermessensfragen.« Es gebe zwar mittlerweile 1 200 verschiedene DRGs (siehe unten stehender Artikel), erläutert Frauendienst-Egger, »es ist aber nicht alles haarklein geregelt«. Und so passiere es häufiger, dass Klinik und Kasse unterschiedlicher Meinung sind. Hinzu komme, dass es ständige Änderungen gibt. Jedes Jahr kommt ein neuer DRG-Katalog. »Es ist alles im Fluss«, meint Frauendienst-Egger, »da gibt es ständig Diskussionen.«

Von entscheidender Bedeutung bei der Abrechnung ist, dass alles ganz genau dokumentiert wird. Jede Blutdruckmessung, jeder Handgriff muss erfasst werden. »Sonst wird nicht bezahlt.« Um Ärzte und Pflegepersonal von dieser Aufgabe zu entlasten, hat sich in den Kliniken ein ganz neues Berufsfeld entwickelt, die Codierkräfte.

Erst kürzlich hat Dr. Frauendienst Egger zwölf Absolventen der Weiterbildungsakademie der Kreiskliniken verabschiedet, welche diese Zusatzausbildung absolviert haben. Sie sind gefragte Fachkräfte, die künftig nicht nur in den Kreiskliniken Reutlingen, sondern auch am Universitätsklinikum Tübingen sowie in umliegenden Krankenhäusern in ihrer neuen Funktion arbeiten werden.

Die nächste Stufe sind die Stationsmanager, die neben der Dokumentation auch Koordinierungsaufgaben auf den Stationen übernehmen. Dafür ist eine weitere zweihundertstündige Ausbildung notwendig. Am Steinenberg gibt es sie bisher nur in den großen Stationen im neuen Bettenhaus, beispielsweise in der Kinderklinik. »Dieses neue Berufsfeld, eröffnet Mitarbeitern Chancen, die beispielsweise nicht mehr als Pfleger arbeiten können«, fasst Frauendienst-Egger zusammen.

Laufende Berichte für die Stationen, für Abteilungen und Leitungsgremien - dank des massiven Einsatzes der EDV ist das medizinische Controlling immer auf dem neuesten Stand. Bei der Kalkulation der Einnahmen/Erlöse bleibe man dank »dezidierter Planung« immer unter einem Prozent Abweichung«, hebt Frauendienst-Egger nicht ohne Stolz hervor. »Wir müssen auch wach rütteln, aufzeigen, wo Probleme liegen, um die hohe Qualität zu erreichen, um Rückzahlungen zu vermeiden«.

Und natürlich liefert das medizinische Controlling in Zusammenarbeit mit dem kaufmännischen Controlling - das die Kostenseite im Blick hat - und dem Personalcontrolling Daten und Hinweise für die Weiterentwicklung des Medizinkonzepts in den Kreiskliniken.

Abgesehen davon, dass das DRG-System samt Controlling bei vielen Häusern zu einer Strategieänderung geführt habe, mache es auch im Hinblick auf den medizinischen Fortschritt schon Sinn, meint Frauendienst-Egger. Seit der Einführung der Fallpauschalen habe sich die Liegezeit beispielsweise halbiert. »Schnell heißt aber auch hoher Aufwand, neueste Technik und moderne Medikamente«, meint der Arzt. Und der befürchtete Drehtüreffekt - jemand kommt nach seiner Entlassung kurze Zeit wegen der gleichen Sache wieder in die Klinik - habe sich nicht eingestellt. (GEA)



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