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05.02.2011

Schultheater - Isolde-Kurz-Gymnasiasten spielten Weltuntergang. Packende Umsetzung von Jura Soyfers Parabel

Reutlingen

Der Rubel rollt bis zuletzt

REUTLINGEN. Die Erde wird in vier Wochen »hopsgehen«. Was würden wir mit dieser Nachricht anfangen? Die Theater AG des Reutlinger Isolde-Kurz-Gymnasiums ist der Frage nachgegangen und hat in Jura Soyfers Bühnenstück »Der Weltuntergang« von 1936 ernüchternde Antworten gefunden. Im Kulturzentrum franz.K erlebte das Stück jetzt an drei Abenden eine packende Aufführung.

Der Autor, ein jüdischer Industriellenspross ukrainischer Herkunft, starb 1939 mit 26 Jahren im KZ Buchenwald. Mit einer Mischung aus politischem Kabarett, Revue und Wiener Volkstheater hat der bekennende Marxist eine schwarzhumorige Parabel geschrieben, bei der einem auch heute noch das Lachen im Halse stecken bleiben kann.

Die Handlung ist schnell umrissen: Um die von den Menschen gestörte Sphärenharmonie wieder herzustellen beschließen Sonne, Mars, Saturn und Venus, die Erde zu zerstören. Komet Konrad soll ihr den Garaus machen. Wissenschaftler Professor Guck, der den tödlichen Kurs des Kometen beobachtet, warnt vor der Gefahr.

Doch sind die Mächtigen der Welt nicht gewillt, ihre Egoismen aufzugeben und der Katastrophe vorzubeugen, solange die Wirtschaft brummt. Und das tut sie zweifellos: Der private Konsum erreicht Höchststände und an den Börsen werden Weltuntergangspapiere gehandelt.

Viel Schwung

»Viele der kurzen Szenen laden förmlich zur Aktualisierung ein«, sagt Lehrer Eckhard Wurm, der das Stück gemeinsam mit Sabine Laage mit viel Schwung und treffsicheren Pointen inszeniert hat. Zwei Szenen sind komplett neu eingefügt. So zeigen die Jugendlichen, was das Weltuntergangs-Szenario für sie bedeutet: Die Party geht weiter. In Polittalks im Stil von Anne Will oder Maybrit Illner wird heftigst über die Deutungshoheit gestritten und darüber, wer wann was wie deutlich schon immer gesagt hat.

»Ich müsste mal wieder zum Friseur«, sagt eine Frau mit Lockenwicklern nach der morgendlichen Zeitungslektüre zu ihrem Mann. »Lohnt sich das denn noch?«, meint dieser nur trocken. Auch die Modewelt macht sich ihre Gedanken - darüber, was man beim »großen Finale« trägt. Schlägt Dezentes Dekadentes oder Schrilles? Optimisten und Pessimisten legen die Hände in den Schoß. Es gibt aber auch Vorausschauende, die sich mit einem privaten Raumschiff aus der Gefahrenzone bringen wollen und sich daran machen, Pulswärmer für die neue Eiszeit zu stricken.

Apokalypse verhindert

Dass Konrad am Ende Mitgefühl zeigt, verhindert die Apokalypse, nimmt der Satire aber nichts von ihrem Biss und ihrer Brisanz. Mit Fantasie, Spielwitz und darstellerischem Können haben die 45 jugendlichen Darsteller in ihren Rollen überzeugt. Neuntklässlerin Julia Lerner hatte für die Songs und Chansons eigens Musik komponiert und begleitete die Sänger am Klavier.

Die originellen Kostüme zeigten die Sonne und ihre Planeten als wandelnde Lampions, Komet Konrad flitzte auf dem Tretroller daher. Eckhard Wurm und Sabine Laage konnten zu Recht stolz sein auf ihre hoch engagierten Schüler, die sich trotz G8- und Klausurenstress in ihrer Freizeit mit Begeisterung diesem Projekt widmeten. Ihr besonderer Dank galt dem dreiköpfigen Technik-Team sowie den Souffleuren. (GEA)

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