Aufstieg - Reutlingens Polizeidirektor Franz Lutz wird Polizeipräsident in Stuttgart. Amtsantritt schon am 15. August

Franz Lutz: Dem Reiz des Neuen erlegen

Von Ulrike Glage

REUTLINGEN. Die Nachricht kam völlig überraschend: Reutlingens Leitender Polizeidirektor Franz Lutz wird Polizeipräsident in Stuttgart. Das gab Innenminister Reinhold Gall gestern in der letzten Kabinettsitzung vor der Sommerpause bekannt. Lutz war nicht nur an der Entwicklung der Polizeireform beteiligt, sondern ist auch Projektverantwortlicher für die Ausgestaltung des Polizeipräsidiums Reutlingen – und wurde schon deshalb von allen Seiten als dessen Präsident gehandelt. Das Amt in Reutlingen soll jetzt Hans-Dieter Wagner, derzeit Leitender Polizeidirektor in Esslingen, übernehmen. Sein Stellvertreter wird Reinhard Nething, Vizechef der baden-württembergischen Bereitschaftspolizei.

Franz Lutz wurde als künftiger Polizeipräsident von Reutlingen gehandelt, jetzt wird er Polizeichef in der Landeshauptstadt: Schon am 15. August tritt der 56-Jährige sein neues Amt in Stuttgart an. FOTO: Markus Niethammer
Der 56-jährige Franz Lutz tritt schon am 15. August die Nachfolge von Thomas Züfle an, der vor wenigen Wochen bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt ist. »Franz Lutz wird an dem kommunikativen und transparenten Führungsstil unseres tragisch verstorbenen Polizeipräsidenten Züfle anknüpfen«, so Innenminister Gall (SPD) zu der Personalentscheidung. Das Polizeipräsidium Stuttgart ist mit über 2 600 Beschäftigten, davon über 2 200 im Vollzugsdienst, für die Sicherheit von rund 600 000 Einwohnern auf einer Fläche von 207 Quadratkilometern zuständig.

»Die Entscheidung, nach Stuttgart zu gehen, ist mir nicht leicht gefallen«
 

Im Zuge der Polizeireform werden 35 Direktionen zu nur zwölf regional zuständigen Präsidien zusammengefasst. Dass die Achalmstadt Standort wird, war keineswegs sicher. Lutz hatte sich von Anfang an für Reutlingen, wo er seit 1979 wohnt, starkgemacht – mit Unterstützung von Landrat Thomas Reumann, Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und dem Reutlinger Gemeinderat. Das neue Präsidium aufzubauen sei »ein beruflicher Traum«, hatte Lutz im März vergangenen Jahres gegenüber dem GEA gesagt, als die Entscheidung pro Reutlingen gefallen war.

Viel Zeit zum Überlegen hatte Lutz nun nicht. Vor knapp zwei Wochen war der Landespolizeipräsident auf ihn zugekommen, am Dienstag vergangener Woche kam die offizielle Anfrage von Innenminister Gall. »Die Entscheidung, nach Stuttgart zu gehen, ist mir nicht leicht gefallen«, sagt Lutz. In den neun Jahren, die er in Reutlingen für Sicherheit und Ordnung zuständig war, habe er schließlich einiges aufgebaut. Er nennt die gute Zusammenarbeit mit den »Sicherheitspartnern« von Kreis und Stadt.

Und dann natürlich die Polizeireform, beziehungsweise die Konzeption des Reutlinger Präsidiums. Die wertet er »am Ende« – gestern wurden die Personalentscheidungen bekannt gegeben – als Erfolg. Sogar als großen. Denn von insgesamt 2 500 Mitarbeitern würden nur sechs nicht wunschgemäß eingesetzt. »Das ist ein hervorragendes Ergebnis.« Die Entscheidung sei in allen sechs Fällen im Übrigen sozial adäquat gewesen, »die Kollegen waren aus anderen Gründen nicht einverstanden«.

Mit Blick auf die normale Polizeiarbeit und die Projektarbeit hinterlasse er ein »wohlbestelltes Haus«, sagt Lutz. Reutlingens künftiger Polizeipräsident Hans-Dieter Wagner war sein Projekt-Stellvertreter bei der Ausgestaltung des Präsidiums. Das sorge ebenso für Kontinuität und Weiterentwicklung wie die Tatsache, dass sein bisheriger Vize Ralf Keppler Leiter des Führungs- und Einsatzstabes bleibt. »Ich weiß die Polizeidirektion in guten Händen«, sagt Lutz.

Er gehe, bekennt er, mit einem weinenden Auge. Letztlich erlag er aber dem Reiz der neuen, spannenden Aufgabe. Franz Lutz spricht von einer großen Herausforderung, immerhin ist das Polizeipräsidium in Stuttgart das größte im ganzen Land. Seine Berufung zum Präsidenten wertet er als »große Anerkennung, auch für die gesamte Polizeiarbeit, die wir hier in Reutlingen machen«.

»Ich bedaure, dass wir einen hervorragenden Polizeidirektor verlieren«
 

»Ich bedaure natürlich, dass wir einen hervorragenden Polizeidirektor verlieren«, sagt Landrat Thomas Reumann zum Abgang von Franz Lutz. In den neun Jahren habe sich eine »tolle Zusammenarbeit, die von viel Innovation geprägt war«, entwickelt. Als Beispiel nennt er die Gründung des Fördervereins für Kriminal- und Verkehrsprävention, dessen Vorsitzender er mit Lutz als Stellvertreter ist. Allerdings sei zu befürchten gewesen, dass Franz Lutz wegen seines »exzellenten Rufs« nach Stuttgart berufen wird. »Ich gönne es ihm, der Landeshauptstadt und dem Innenminister.«

Auch Oberbürgermeisterin Barbara Bosch sieht die Personalie Lutz mit einem weinenden und einem lachenden Auge. »Mit der Ernennung von Franz Lutz zum neuen Polizeipräsidenten der Landeshauptstadt Stuttgart findet sein kompetentes und erfolgreiches Wirken in Reutlingen und seine konstruktive Mitarbeit bei der Polizeireform die verdiente Anerkennung. Wir verlieren in Reutlingen mit Franz Lutz einen engagierten und umsichtigen Polizeidirektor, mit dem wir viele Jahre lang hervorragend zusammengearbeitet haben. Ich bedaure, dass wir ihn ›hergeben‹ müssen und beglückwünsche ihn gleichzeitig zu der ehrenvollen Ernennung!« (GEA)

Seit 2005 in Reutlingen


Franz Lutz leitet seit Mai 2005 die Polizeidirektion in Reutlingen. Von 2002 bis 2004 war er bei der Landespolizeidirektion Tübingen der Leiter des Referats Führung und Einsatz und stellvertretender Leiter der Abteilung Polizeiliche Aufgaben. Von 1993 bis 2002 war er in verschiedenen Funktionen im Innenministerium tätig, wo er bis heute – unabhängig von den politischen Parteien – offenbar hoch im Kurs steht. (GEA)

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