Kinderbetreuung - Reutlingens OB betrachtet das Programm der Bundesregierung mit gemischten Gefühlen

Das Problem der Kitas sind ihre Betriebskosten

REUTLINGEN. Mit durchaus gemischten Gefühlen betrachtet die Reutlinger Oberbürgermeisterin und Präsidentin des baden-württembergischen Städtetags, Barbara Bosch, die Vorschläge der Bundesfamilienministerin, mit denen Kristina Schröder den Ausbau der Kinderbetreuung forcieren will (der GEA berichtete). Die Investitionen »sind nicht die allerhöchste Hürde«, sagte Bosch, »sondern die Betriebskosten«.

FOTO: dpa
Mit zinsgünstigen Krediten der staatlichen Förderbank KfW in einem Umfang von 350 Millionen Euro will die Regierung den Kommunen helfen, den Kita-Ausbau schneller voranzubringen. Dafür stellt der Bund einen Zinszuschuss bereit. Laut Schröder sollen auch Lohnkostenzuschüsse für Tagesmütter - befristet auf ein Jahr - aus EU-Mitteln bereitgestellt werden, um deren Festanstellung zu erleichtern. Auch Betriebskindergärten sollen stärker gefördert werden und mehr Fachkräfte für Kinderbetreuung gewonnen werden, indem man sie besser bezahlt.

Ständiger Ausbau

»Das große Problem der Personalkosten ist damit nicht gelöst«, sagte Barbara Bosch. Seit ihrem Amtsantritt sei die Zahl der Betreuungsplätze und damit auch die des Betreuungspersonals ständig gestiegen. Allein die aus Steuermitteln zu deckenden zusätzlichen Kosten für den weiteren Ausbau der Kleinkinderbetreuung 2013/2014 würden sich pro Jahr auf rund eine Million Euro belaufen. Das Problem sei aber, dass die Einnahmen der Stadt nicht im gleichen Maße mitwachsen würden. Ganz im Gegenteil, sie seien in den vergangenen Jahren sogar eingebrochen.

Ein weiterer Punkt: die notwendigen Grundstücke für Neubauten. Die Stadt Reutlingen habe in den vergangenen Jahren in ganz starkem Maße Innenentwicklung vor Außenentwicklung betrieben. Das Potenzial sei ziemlich ausgeschöpft, für einen Kita-Standort geeignete Grundstücke rar. Dazu sei der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen quasi leer gefegt. Angesichts des massiven Ausbaus der Kinderbetreuung habe man gar nicht genügend Erzieherinnen ausbilden können. »Eine Einrichtung braucht aber nicht nur Räumlichkeiten, sondern auch Personal«, so Barbara Bosch.

Nachfrage weiter hoch

Und das vierte Problem: Die Nachfrage von Eltern und Familien nach Kleinkindbetreuung sei wesentlich höher, als ursprünglich geschätzt. Was die Unterstützung der Tagesmütter anbetrifft, wie sie die Ministerin vorschlägt, so könne dies schon etwas bewirken. Allerdings sei die Stadt auf diesem Sektor »bereits gut unterwegs«. Und was die Absenkung der Standards anbetreffe, »so ist auch dies kein Befreiungsschlag«, so die OB.

Ausdrücklich positiv sieht Barbara Bosch die Forderung von Schröder, dass die betriebliche Kinderbetreuung ausgeweitet werden soll. Da gebe es auch in Reutlingen noch einen erheblichen Nachholbedarf, stellte die Oberbürgermeisterin fest und forderte die Wirtschaft auf, sich auf diesem Feld stärker zu engagieren. (jük)



Das könnte Sie auch interessieren

DIW-Chef rät SPD zu GroKo - «beste Option» für Deutschland

Berlin (dpa) - Kurz vor der Entscheidung der SPD-D... mehr»

Ski-Star Vonn dominiert zweite Abfahrt in Cortina

Lindsey Vonn siegte bei der Abfahrt in Cortina d'Ampezzo. Foto: Alessandro Trovati

Cortina d'Ampezzo (dpa) - Lindsey Vonn hat die Abf... mehr»

Sex im RTL-Dschungel - Tina York wird schlecht

Tina York schlägt sich wacker. Foto: Henning Kaiser

Berlin (dpa) - «Ein Jahr herrschte Ruhe im austral... mehr»

Votum des SPD-Parteitags wirkt weit über Deutschland hinaus

«Die Entscheidung des Parteitags ist wichtig für Deutschland, wirkt aber weit über unsere Grenzen hinaus», sagt Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Foto: Christian Charisius

Berlin/Hamburg (dpa) - Kurz vor dem Parteitag in B... mehr»

Wer auf dem SPD-Parteitag wichtig ist

Der SPD-Bundesvorsitzende Martin Schulz, spricht während einer Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Foto: Michael Kappeler/Ar

Berlin (dpa) - Es geht um viel an diesem Sonntag i... mehr»

Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen