Jobben neben dem Studium - Eine Nebentätigkeit verschafft finanziellen Rückenwind und kann die Berufs-Perspektiven verbessern. Was ist machbar, was bringt es?
Campus und Cash
VON KERSTIN KINDERMANN
REUTLINGEN. Jobben neben dem Studium - ist das machbar und was bringt es? Im Durchschnitt verdienen Studierende rund 30 Prozent ihres Geldes selbst hinzu und finanzieren damit die eigene Wohnung oder WG, das Auto oder den Urlaub. Der Nebenjob macht unabhängig und lässt durch den praktischen Bezug auf einen leichteren Berufseinstieg hoffen.
So jedenfalls sehen es Bernd Haußmann (27) und Tiffany Wendler (21). Beide studieren an der Hochschule Reutlingen, müssten nicht unbedingt jobben, tun es aber und finden es gut. Bernd Haußmann ist der klassische Reutlinger Hochschulstudent: Geboren in Nürtingen, studiert er im 5. Semester Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Produktionsmanagement. Nach seiner Realschulzeit war er an der Technischen Oberschule und machte eine Ausbildung zum Industrieelektroniker. Dann suchte er eine Kombination aus Ingenieurwesen und Betriebswirtschaft und wurde in Reutlingen fündig.
»Ich habe sehr viel soziale Kompetenz gewonnen«
Sein Tag beginnt morgens um 9 Uhr mit Vorlesungen. Wenn diese gegen 16 Uhr enden, dann fährt er nach Frickenhausen zu seinem Nebenjob in einer Firma für Veranstaltungstechnik: »Durch meine Affinität zur Veranstaltungstechnik, glückliche Zufälle und mein Realschul-Technikteam habe ich mit 15 Jahren bereits angefangen, in diesem Bereich zu jobben.«
Mittlerweile ist Bernd bei der Firma technischer Leiter und aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Auf gute 60 Stunden im Monat kommt er neben seinem Studium: »Hauptsächlich bin ich bei Veranstaltungen unterwegs und schaue, dass alles ordnungsgemäß aufgebaut wird. Ich teile die Kollegen ein und gebe an, wie und was zu tun ist. Im Vorfeld habe ich oft Kundentermine und erstelle Angebote.«
Ganz schön viel Verantwortung und Vielseitigkeit für so einen Nebenjob. Trotzdem kann der Wirtschaftsingenieurstudent sein Studium davon nicht finanzieren. »Ich bin noch auf die Hilfe meiner Eltern angewiesen«, sagt er. Aber der Job lohnt sich dennoch für ihn: »Ich habe sehr viel soziale Kompetenz gewonnen. Das stärkt das Selbstbewusstsein.« Durch seinen Nebenjob ist Bernd auch zum Organisationsteam der Absolventenfeiern an der ESB Business School gekommen: Hier stemmt er die komplette Technik- und Personalplanung, koordiniert den Programmablauf für eine Festzeremonie mit anschließender Disco und rund 1 000 Gästen. Es wundert also nicht, dass Bernd auch das Campusfest am 27. Mai mitorganisiert: »Ich habe erzählt, was ich so mache, da war ich auch schon im Boot!«
Andere Kommilitonen bessern das Studienbudget als Verkäufer, Konditor, Journalist, Kassierer oder Bandarbeiter auf. Oder sie gehören zu den etwa 100 studentischen Hilfskräften wie Tiffany Wendler, die direkt an der Hochschule arbeiten. Das bringt zwar nicht ganz so viel Geld wie ein Job in der freien Wirtschaft, aber dafür ist man gleich auf dem Campus und kann Studium und Job ideal kombinieren: »Für mich ist der Job in der PR- und Marketingabteilung der ESB Business School ein echter Glücksgriff! Ich habe mich schon immer für PR interessiert, in der Schülerzeitung mitgewirkt und wollte mal Journalismus studieren«, erzählt die junge Frau.
Als studentische Hilfskraft darf sie im Monat bis zu 47 Stunden arbeiten, pro Woche aber maximal 19,5 Stunden, um nicht über die steuerfreie Mini-Jobber-Grenze von 400 Euro zu kommen. Der Vertrag ist immer auf ein Semester befristet, kann aber verlängert werden. Tiffany arbeitet zweimal in der Woche im PR-Team. Hauptsächlich archiviert und recherchiert sie, aber sie darf auch Artikel schreiben. »Den Nebenjob mache ich, damit ich mehr über die tagtägliche Arbeit in PR erfahre. Wenn ich dafür noch bezahlt werde, schadet das auch nicht!«
»Für mich ist der Job bei der ESB ein echter Glücksgriff«
Bernd Haußmann glaubt nicht, dass der Nebenjob zwingend etwas mit dem Studium zu tun haben muss. »Falls das jedoch der Fall ist, lässt sich das theoretische Wissen gut mit praktischer Erfahrung ergänzen«, sagt er. Bei ihm selbst hat sich das schon bezahlt gemacht. Gerade absolviert er sein praktisches Studiensemester bei einer Audio-Firma im Bereich Produktionsplanung. Sein Nebenjob war sehr hilfreich, um das Praxissemester dort zu bekommen. (FH)
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