Reutlingen
Medizin - Im Reutlinger Steinenberg-Krankenhaus wurden Frauen keine Billig-PIP-Implantate eingepflanzt

Brustimplantate: Klinikum gibt Entwarnung

Von Heike Krüger

REUTLINGEN. Seitdem bekannt wurde, das Billig-Brustimplantate des französischen Herstellers »Poly Implant Prothese« (PIP) sowie die eines niederländischen Unternehmens gesundheitsschädliches Industrie-Silikon enthalten, laufen auch im Klinikum am Steinenberg die Drähte heiß. Von Anfragen regelrecht geflutet wird das Reutlinger Krankenhaus dieser Tage - und gibt Entwarnung:

Silikon-Kissen ist nicht gleich Silikon-Kissen: Der PIP-Skandal zeigt, dass nicht jedes Brust-Implantat tragbar ist. FOTO: DPA
Silikon-Kissen ist nicht gleich Silikon-Kissen: Der PIP-Skandal zeigt, dass nicht jedes Brust-Implantat tragbar ist. FOTO: dpa
Im Brustzentrum der Achalmstadt spielte und spielt das fragwürdige Material, das da im Ruch steht, Krebs zu verursachen, keine Rolle. PIP-Prothesen kamen hier niemals zum Einsatz. Und deshalb braucht keine Steinenberg-Patientin um die eigene oder um die Gesundheit ihres Babys bangen.

Das Reutlinger Hospital zählt mithin nicht zu jenen zehn baden-württembergischen Kliniken, die dem Vernehmen nach PIP-Produkte an die Frau gebracht haben sollen. Wobei es, wie überregionale Medien berichten, überwiegend Schönheits-Operationen waren, bei denen die als gefährlich eingestuften Silikon-Kissen aus Frankreich und Holland Verwendung fanden.



»Wir haben nur sichere Produkte von einem deutschen Hersteller implantiert«
 

Groben Schätzungen zufolge dürften bundesweit um die zehntausend Frauen vom Skandal betroffen sein - darunter zwanzig Prozent Krebspatientinnen. Ihnen allen wird empfohlen, sich von den fehlerhaften Prothesen im Körper zu trennen: Weil die Billig-Produkte schädliche Substanzen ausschwitzen oder weil sie sogar brüchig werden und darob regelrecht auslaufen können.

Wie jetzt in einer Pressekonferenz des Steinenberg-Krankenhauses zu hören, bestehen solcherlei Risiken für Brust-Implantierte, die sich in Reutlingen unters Skalpell begeben haben, nicht. Im Kreisklinikum wurden nämlich »ausnahmslos und garantiert sichere« Fabrikate made in Germany verpflanzt. Weil hier besonders sorgfältig ausgewählt wurde? Oder weil das Brustzentrum schlichtweg Glück hatte?

»Weil wir uns schon seit etwa zwanzig Jahren von dem einzigen deutschen und im Übrigen zertifizierten Hersteller beliefern lassen und von der Qualität seiner Produkte überzeugt sind«, wie der Leitende Oberarzt des Zentrums, Dr. Peter Krieger, sagt. »Ein Wechsel kam für uns deshalb nie in Betracht«, obschon besagte Silikon-Kissen ihren Preis haben. Mit 400 bis 700 Euro schlägt die hochwertige Ware zu Buche. Wobei zweierlei Kriterien Kosten bestimmend sind: die Oberflächenbeschaffenheit der Prothesen und deren Form.

Zum Einsatz kommen sie am Steinenberg indes vergleichsweise selten. Binnen der zurückliegenden acht Jahre waren es lediglich 120 künstliche Implantate, die im Brustzentrum verpflanzt wurden. Zwanzig davon aus rein kosmetischen, alle anderen aus rekonstruktiven Gründen - also nach Amputationen, die im Zuge des medizinischen Fortschritts heutzutage größtenteils vermieden werden können.

»Erste Maxime ist die Brusterhaltung«, nennt Chefarzt Dr. Peter Kristen die therapeutische Marschrichtung. Dieses ehrgeizige Ziel lasse sich immerhin in achtzig Prozent der Fälle erreichen. Und bei den verbleibenden zwanzig Prozent? Da gelte es zusammen mit den Patientinnen abzuwägen, was nach der Brustabnahme wünschenswert und sinnvoll ist.

»Es gibt unterschiedliche Methoden«, so Kristen. Die Palette der Möglichkeiten reicht vom generellen Verzicht auf rekonstruktive Verfahren über Modulationen mit »körpereigenem Material« bis hin zu Silikon-Lösungen, die mittlerweile keine klassischen Verfallsdaten mehr kennen. Galt einst die Faustregel, dass Brust-Prothesen nach etwa zehn Jahren ersetzt werden müssen, ist deren Verweildauer jetzt Einzelfall-bezogen und deutlich länger.

Außerdem erhalten Prothesen-Trägerinnen nach jeder Implantation einen Pass, der über Herkunft und Beschaffenheit ihrer Silikon-Kissen Auskunft gibt. Ein Blick auf dieses Dokument schafft Klarheit, erläutert Chefarzt Kristen, der weiß, dass bei potenziell Betroffenen die blanke Angst umgeht.

Nachvollziehbar findet er diese Reaktion, meint allerdings auch, dass kein Grund zur Panik besteht. »Fehlerhaftes Material sollte, das versteht sich von selbst, entfernt werden. Überstürzen muss man aber nichts.« (GEA)



Seite versenden
 

Das könnte Sie auch interessieren

«Drache» soll am Freitag an der ISS...

Drachen-Start: Start des ersten privaten Raumtransporters der Geschichte in Cape Canaveral. Foto: S. Lesser

Washington (dpa) - Nach seinem erfolgreichen Start... mehr»

Analyse: Frauenpower für Neuanfang...

Nach Lafontaines Verzicht fordern eine junge Mutter und die NRW-Wahlverliererin den Kandidaten Bartsch heraus. Ihre Chancen stehen nicht schlecht. Foto: Jochen Lübke

Berlin (dpa) - Er hat sich durchgesetzt, aber Freu... mehr»

Hollande erneuert Forderung nach...

Paris (dpa) - Der französische Präsident François ... mehr»

Neonazi-Mordserie: Beckstein...

Berlin (dpa) - Bayerns Ex-Innenminister Günther Be... mehr»

Berliner Ermittlungen gegen Wulff...

Berlin (dpa) - Die Berliner Staatsanwaltschaft hat... mehr»

Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Twitter

Aktuelles aus Reutlingen

Abonnieren Sie die neuesten Kurzmeldungen aus dem Stadtgebiet Reutlingen! Infos unter
www.gea.de/twitter

Der Reutlinger General-Anzeiger

jetzt auch auf WG-Gesucht.de!

WG-Gesucht.de gibt ihrer Region eine Stimme

 

Wir denken schon heute an unsere Leser von morgen. Deshalb bringen wir Lokal-Nachrichten mit Deutschlands größter WG-Börse www.wg-gesucht.de zu jungen Leuten und Studenten.