Festakt - Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg feiert ihr zehnjähriges Bestehen in der Volkshochschule

Beten, lernen, feiern

VON ANNA CHATZINIKOLAOU

REUTLINGEN. Am 7. September 2003 war es endlich so weit: Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) öffnete ihre Pforten in der Lederstraße. Landesrabbiner Netanel Wurmser brachte symbolisch die Mesusa an, eine Schriftkapsel, die am Türpfosten befestigt wird. Seither sind zehn Jahre vergangen. Anlass genug, um diesen Geburtstag in der Reutlinger Volkshochschule gebührend zu feiern.

Lange hatte die Gemeinde gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Barbara Bosch nach geeigneten Räumen gesucht und schließlich gefunden. »Wir beten, wir lernen, wir feiern. Das heißt, wir leben«, betonte Alexander Lerner, der Moderator der Veranstaltung. Mit einer Präsentation zeigte er, dass in den letzten Jahren schon einiges passiert ist. In den Gemeinderäumen finden nicht nur regelmäßige Kunst-, Geschichts- und Literatur-Kurse statt, sondern ebenso Deutschunterricht. Gebetet wird während der Gottesdienste. Festlich wird’s an den jüdischen Feiertagen, zu denen manchmal auch Theaterstücke aufgeführt werden. »Ein Zeichen, dass es nach wie vor Juden in Reutlingen gibt«, stellte Lerner fest.

»Ein Zeichen, dass es nach wir vor Juden in Reutlingen gibt« §§ Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der IRGW, zog eine positive Bilanz der vergangenen zehn Jahre. Die Entwicklung der Zweigstelle Reutlingen sei keine Selbstverständlichkeit. Andernorts mussten jüdische Gemeinden aufgelöst werden, da es keine große Nachfrage gab, erinnerte sie.

»Wir sind nicht wie Noah mit seiner Arche im Gebirge Ararat gestrandet, sondern eben auf der Achalm«, lachte die Vorstandssprecherin.

Auch der stellvertretende baden-württembergische Ministerpräsident Dr. Nils Schmid war zum Geburtstagsfest gekommen. Ihn stimmte das zehnjährige Bestehen der IRGW nachdenklich. »Hätte es die damaligen Verbrechen nicht gegeben, hätte die Gemeinde wohl einen höheren Geburtstag feiern können«, sagte Schmid. »Wir sind dankbar, dass die jüdische Gemeinde hier in Reutlingen einen Platz gefunden hat. Sie trägt jüdisches Leben in die Gesellschaft und macht es wieder sichtbar.« Diese Vielfalt solle zur Normalität werden.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch merkte an, dass eine so lebendige Gemeinde nur wachsen könne, wenn sich genügend Menschen dafür begeistern und engagieren. »Und das ist hier in Reutlingen gelungen«, betonte Barbara Bosch. »Diese Lebendigkeit darf ruhig noch mehr ins Stadtbild getragen werden.«

§§ »Der Mandelbaum ist die ausgestreckte Hand zur Versöhnung«
 
Den Landesrabbiner von Württemberg Netanel Wurmser freute es, dass hauptsächlich den Jüngsten in der Reutlinger Gemeinde jüdische Grundbegriffe auf ihren Lebensweg mitgegeben werden. »Es gibt hier zahlreiche Angebote und Aktivitäten, damit die Traditionen weitergegeben werden«, sagte Netanel Wurmser.

Die evangelische Pfarrerin Christina Hörnig von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Reutlingen überreichte der Gemeinde ein symbolisches Geschenk: »Der Mandelbaum ist die ausgestreckte Hand zur Versöhnung. Möge er viele Blüten tragen.«

Auch musikalische Darbietungen gehörten zur sonntäglichen Geburtstagsfeier. Neben klassischen Stücken auf Klavier und Violine mit Gesang gab es im Volkshochschul-Foyer ein Potpourri der Gruppe »Klezmeron«. Und so wurde anlässlich des Festaktes gemeinsam gesungen und getanzt. (GEA)



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