Reutlingen
Campus - Abschlussfeier der Absolventen des Sommersemesters 2011 an der Reutlinger Hochschule

Bestmöglich für den Arbeitsmarkt qualifiziert

REUTLINGEN. Im Gegensatz zum Festredner Matthias Berg verteilte Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch gestern keine weisen Ratschläge während der Abschlussfeier an der Hochschule - sie richtete ihre Glückwünsche an die Absolventen des Sommersemesters 2011 für den erreichten Erfolg. »Sie haben eine ganz bedeutsame Wegstrecke in Ihrem Leben hier zurückgelegt und hervorragendes Rüstzeug erhalten.« Froh zeigte sich die OB, dass viele der Studienabsolventen »als Botschafter unserer Stadt« in die Welt hinausgehen.

»Ich bin überzeugt davon, dass Sie sich hier bestmöglich für den Arbeitsmarkt qualifiziert haben«, sagte Hochschul-Rektor Prof. Peter Nieß in seiner Rede. Ein Beweis für diese These war ausgerechnet, dass zahlreiche der insgesamt 620 Absolventen nicht zu der Feier erschienen waren - »viele sind bereits in ihrem Job in der ganzen Welt unterwegs«, so Nieß. Was ein Erfolg sei, aber: Den gesellschaftlichen Auftrag der Hochschule sieht der Rektor »erst dann erfüllt, wenn Sie sich bei uns nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiter entwickeln konnten«.



Zu solch einer Weiterentwicklung wollte auch der Gastreferent beitragen: Matthias Berg, stellvertretender Landrat im Kreis Esslingen, Profi-Musiker, einer der erfolgreichsten Sportler der Welt, 27 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Paralympics. Und das nicht nur in einer Disziplin, sondern als Sprinter und Hochspringer in der Leichtathletik und im Skifahren. »Mit 116 Stundenkilometern bin ich nur vier Kilometer langsamer als die Damen beim alpinen Abfahrtslauf«, betonte der contergangeschädigte Ausnahmemensch.

Dass Andere aber genau so Höchstleistungen erbringen können - diese Überzeugung verbreitet Berg in Vorträgen in Schulen genauso wie in den höchsten Vorstandsetagen von weltweit agierenden Firmen. Eine seiner Maximen, die er an der Reutlinger Hochschule am Freitag hervor hob: Nach dem Warum zu fragen, sei rückwärtsgewandt. Warum also jemand eine Beeinträchtigung hat, warum es jemand schwerer haben mag als andere, führe zu nichts.

Die Frage müsse lauten: Wozu? Dann richte sich automatisch der Blick in die Zukunft. Sich selbst ein Ziel zu suchen, sei der nächste Schritt und - »mach was draus«. Genauso wichtig sei, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für sich selbst und sein Leben. Und für andere Menschen.

Komme dann noch Bergs letztes Leitmotiv »Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest« hinzu - »dann wird's was«, zeigt sich der Mann »mit den zu kurzen Armen und den drei Fingern« überzeugt.

Peter Nieß sagte in seinen abschließenden Worten an diejenigen, die doch gerade noch Studentinnen und Studenten waren: »Ihr Abschluss ist in jedem Fall ein zentrales Ereignis in Ihrem Leben, mit dem Sie wichtige Weichen stellen.« Das sei natürlich ein ausreichend guter Grund, um gemeinsam zu feiern. Wozu auch gehörte, dass die jeweils Besten ihres Semester ebenso geehrt wurden wie die Gewinner von zahlreichen Preisen, die Firmen und Organisationen für herausragende Leistungen stiften. (fin)



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