Kirche - Jubilate-Gemeinde in Orschel-Hagen hat die Finanzprobleme in nur sechs Jahren in den Griff bekommen

Beeindruckend und beispielgebend

Von Andreas Dörr

REUTLINGEN. Als 2005 die Vorschläge der Struktur- und Sparkommission der Gesamtkirchengemeinde Reutlingen öffentlich wurden, fuhr auch den Mitgliedern der Jubilate-Gemeinde in Orschel-Hagen der Schreck in die Glieder: Der Verkauf ihres Gotteshauses drohte. Die Einsparungen, die die evangelischen Christen der Gartenstadt ab 2007 zu stemmen hatten, beliefen sich auf rund 40.000 Euro.

Die evangelische Jubilate-Kirche (rechts) und die katholische St.-Andreas-Kirche bestimmen das Bild der Gartenstadt.  FOTO: MARKUS NIETHAMMER
Die evangelische Jubilate-Kirche (Bild) und die katholische St.-Andreas-Kirche bestimmen das Bild der Gartenstadt. FOTO: Markus Niethammer
Heute, sechs Jahre später, ist die Jubilate-Kirche weder verkauft noch verwaist. Im Gegenteil: Die Bilanz, die die Gemeinde samt Förderverein ziehen kann, ist beeindruckend und beispielgebend.

Für die Bewältigung der Krise gab es einen entscheidenden Grund, erinnert sich Heide Dangel, stellvertretende Fördervereinsvorsitzende. »Wir haben im Jahr 2005 sofort reagiert und einen Förderverein gegründet.«

Das Finanzierungskonzept, das bereits nach kurzer Zeit auf dem Tisch lag, basierte auf folgenden Eckpfeilern: Mitgliedsbeiträge, Sponsorengelder, Einzelspenden, Einnahmen durch Veranstaltungen und Einsparungen in der Kirchenpflege. So wurde auf einen Zivildienstleistenden verzichtet, die Heizung im Winter heruntergefahren, die Außenanlage ehrenamtlich gepflegt und die Mesner-Stelle nicht wiederbesetzt. Seit Mitte 2009 arbeiten ehrenamtliche Mesner-Teams in der Jubilate-Gemeinde.

»Wir haben im Jahr 2005 sofort reagiert«
 
Das Ziel des Fördervereins, jährlich 20 000 Euro zu erwirtschaften, sei in den Jahren 2005 bis 2010 sogar übertroffen worden, sagt Dr. Martin Willmann, Vorsitzender des Kirchengemeinderates. Und das Finanzkonzept war derart durchschlagend, dass sogar Rücklagen gebildet werden konnten. »Die Ausgaben für Baurücklage und Substanzerhaltungsrücklage betragen seit 2007 jährlich 13 700 Euro.«

Bis Anfang 2011 wurden diesbezüglich für Notfälle 54 800 Euro angespart. »Zusammen mit weiteren Guthaben in Höhe von 37 000 Euro bilden sie das stattliche Vermögen des Fördervereins«, sagt Martin Willmann.

Fazit nach sechs Jahren erfolgreichen Wirtschaftens: Seit dem Jahr 2010 gebe die Jubilate-Gemeinde für Erhaltung und Betrieb ihrer Kirche weniger aus, »als sie über den Förderverein einnimmt und über ehrenamtliche Tätigkeiten einspart und erstattet bekommt«, so Willmann.

Dies zeige, dass das Finanzierungskonzept »außerordentlich solide geplant und umgesetzt worden ist - eine Entwicklung, die auch für die nächsten Jahre eine positive Jahresbilanz erwarten lasse«, sagt Fördervereinsvorstandsmitglied Magdalene Döring.

Dass ein derartiger Erfolg vielen Helfern geschuldet ist, wissen die Fördervereinsmitglieder. Die Gemeindearbeit sei im Stadtteil verankert, weiß Christa Dallinger vom Förderverein. 200 Ehrenamtliche, die sich in die Gemeindearbeit einbringen, sprechen eine deutliche Sprache.

Belebend und hilfreich sei auch das Miteinander von Jubilate-Gemeinde und katholischer St.-Andreas-Gemeinde. So sind sich die Vertreter beider Konfessionen beispielsweise einig, dass die Süderweiterung von Orschel-Hagen nicht durch eine Straße, die zwischen beiden Kirchen hindurchführt, erschlossen werden kann.

Schon in diesem Herbst sollen die Orschel-Hagener zu Wort kommen. Bei einer Informationsveranstaltung (Ort und Datum werden rechtzeitig bekannt gegeben) wird der Stand der Planungen erörtert. (GEA)

Religionszugehörigkeit in ORschel-Hagen


Der "Visitationsbericht 2011" gibt Aufschluss
Der Anteil der Protestanten im gesamten Reutlinger Stadtgebiet beträgt aktuell 40,5 Prozent, ein Prozentsatz, der auch für Orschel-Hagen gilt. Zahlen: 2.681 von 6.625 Bewohnern sind evangelisch. Bei den römisch-katholischen Mitbewohnern liegt der Anteil in der Gartenstadt bei 27,2 Prozent. Der Anteil der "Sonstigen", das heißt der Muslime, Orthodoxen und derjenigen ohne Religionszugehörigkeit liegt bei 32,3 Prozent. (GEA)

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