REUTLINGEN. Europa bibbert in der sibirischen Kälte. Die hat bereits 120 Todesopfer - auch eines in Deutschland - gefordert. Gefährdet sind in erster Linie Obdachlose. Von den Menschen, die in Reutlingen auf der Straße leben, schlafen die wenigsten draußen. »Wir haben ein Auge drauf«, sagt Gert Auer von der Fachberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt, die in Reutlingen die Wohnungslosen betreut. Ihm sind derzeit nur drei Fälle bekannt.
Einer, so Auer, »ist seit 20 Jahren jeden Winter draußen, der ist erfahren«. Der Mann schlafe in einem Zelt und sei mit einem guten Schlafsack ausgerüstet. Bei einem weiteren wissen die Betreuer, wo er biwakiert und schauen regelmäßig nach ihm. Der dritte Kandidat ist ein Umherreisender, der gerade erst in Reutlingen angekommen ist und nach eigenen Angaben eine »Super-Platte« gefunden hat, wo er sich wohl und sicher fühlt.
Keiner wird weggeschickt
Die meisten Wohnungslosen, die sonst unter freiem Himmel schlafen, suchen derzeit abends die AWO-Übernachtungsstelle in der Glaserstraße auf. Weggeschickt wird in diesen klirrend kalten Tagen und vor allem Nächten keiner, selbst wenn er nach 22 Uhr kommt - normalerweise, so will's die Hausregel, wird da keiner mehr reingelassen. Reichen die Betten nicht, helfen die Betreuer mit Matratzen aus. Wie jedes Jahr bietet die Arbeiterwohlfahrt auch jetzt wieder einen Erfrierungsschutz für Wohnungslose an, denen es in der Glaserstraße zu eng ist. In der ungenutzten Wohnung, die die GWG zur Verfügung stellt, übernachten derzeit drei Männer. Voller als sonst ist derzeit auch der Tagestreff für Obdachlose in der Aulberstraße 3. (keg)
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